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EM-Kommentar: Erfolg mit System

Er hat viel riskiert und alles gewonnen: Gegen Portugal stellte Bundestrainer Joachim Löw sein System um und kopierte die taktische Ausrichtung der Scolari-Elf. Mit Klose als einziger Spitze, dahinter Ballack sowie Podolski und Schweinsteiger über außen, stürzte Deutschland den EM-Favoriten.

Der EM-Kommentar von Nico Stankewitz

Nach der Sturheit von Jogi Löw in der Gruppenphase, dem Festhalten am unglücklichen Gomez und dem seit zwei Jahren etablierten System, überraschten Löw (und Hansi Flick) diesmal nicht nur mit drei Veränderungen in der Startelf, sondern mit einer beinahe sensationellen Systemänderung: Nach zwei Jahren im 4-4-2 kopierte Deutschland pünktlich zum Viertelfinale das System des Gegners und so spielten beide in einem 4-2-3-1, vollkommen ungewohnt für die deutsche Mannschaft.

Doch das Erstaunen verwandelte sich schnell in Anerkennung, denn die personellen und taktischen Veränderungen sind voll aufgegangen: Mit den drei zentralen Mittelfeldspielern Rolfes, Hitzlsperger und Ballack gelang es, das zentrale Mittelfeld zu beherrschen, in diesem Bermuda-Dreieck verloren sich massenhaft portugiesische Bälle.

Deutschland ist zurück

Ein Schlüssel zum Sieg war damit schon gefunden, denn die supergefährlichen portugiesischen Flügelspieler bekamen dadurch wenig Bälle, über lange Zeit hatte das Dreieck die Nachschublinien der Außenspieler eindrucksvoll unterbrochen. Hinzu kam eine gelungene Besetzung der Offensive, mit Schweinsteiger und Podolski als überragenden Spieler auf den deutschen Außenbahnen, einem Ballack, der viel aus seinen neuen Freiheiten machte und den entscheidenden Treffer zum zwischenzeitlichen 3:1 erzielte. Schweinsteiger hat auf der rechten Seite vermutlich sein bestes Spiel auf dieser Position gemacht – ähnlich überraschend wie die veränderte Taktik, denn der Bayern-Spieler war in der Nationalelf wie im Verein eigentlich links immer stärker. Das Trainerteam Löw/Flick hat Portugal richtig ausgeguckt, hinzu kam eine große Leistungssteigerung in Punkto Disziplin und Laufbereitschaft, die die DFB-Elf sogar den Nachteil der kurzen Pause vergessen ließ. Deutschland ist wieder zurück - als Turniermannschaft.

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