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Fußball-Presseschau: Noch ein Fußballspiel, oder schon ein Videoclip?

Hintergründe, Meinungen, Gedanken und einige Zeilen Kritik über Themen abseits des Spielfelds. stern.de und "indirekter freistoß" blicken in die Gazetten.

Peter B. Birrer (Neue Zürcher Zeitung am Sonntag) wehrt sich gegen die rigide Öffentlichkeitsarbeit der Uefa und der Nationalmannschaften: "Die Uefa übernimmt die Rolle des Gesetzgebers und Polizisten. Das heißt: Sie diktiert, sie sichert, sie kontrolliert, sie setzt durch. Das wiederum hat Maulkörbe zur Folge. Die Uefa bündelt, kontrolliert und glättet Informationen. Sie schafft Distanz, übt Zensur, unterbindet Spontaneität und Kritik. Ausdruck der schärferen Regeln ist auch die Bunkermentalität, die in den nationalen Verbänden zunehmend Einzug hält. Die Teilnehmer schotten sich im Turnier ab, verbauen die Sicht, ziehen sich hinter Gitter und Absperrungen in ihre Luxus-Schlösser, die man teilweise nur mit einem Fernrohr sehen kann, zurück. Einerseits ist der Rückzug nachvollziehbar, weil von den Stars Leistung verlangt wird und sie fernab des EM-Rummels nicht zuletzt vor den (immer mehr werdenden und teilweise aggressiven) Medien ihre Ruhe haben dürfen. Anderseits trägt die totale Einigelung paranoide Züge. Überall riegelt Sicherheitspersonal mit breiten Schultern unerbittlich ab - das Volk wird ab- und zurückgewiesen. Aber das dergestalt gegängelte und ausgesperrte Publikum strömt weiterhin zu den Spielen, in die Fanzonen und vor die Großbildschirme - die Faszination Fußball tilgt jede Unbill. Es will sich das inszenierte Spiel mit dem Ball nicht nehmen lassen, das Spiel mit den Milliarden, das Spiel mit den Emotionen, den Diktaten und den strikten Regeln. Das Spiel notabene, das an der Euro 2008 auf dem Rasen mit freiem Geist und offener Haltung gespielt wird und im starken Kontrast steht zur teuren Verpackung, die mehr und mehr ein- und zugeschnürt wird."

In einigen Medien ist Kritik laut geworden, dass die Uefa Bilder von randalierenden Fans im Fernsehen nicht gezeigt würden. Die tageszeitung etwa wirft der Uefa vor, die Berichterstattung zu zensieren. Der Blog allesaussersport hingegen stellt klar: "Ohne Sprachrohr der Uefa zu sein, deren Antworten sind nachvollziehbar. Erstens wolle man ‚Chaoten keine Plattform bieten', indem man sie auch noch weltweit im Fernsehen zeigt. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit das Zeigen solcher Bilder wirklich Randale fördert, aber zumindest ist dies eine These, die Fernsehkommentatoren selber sehr gerne von sich geben, wenn sie im pikierten Ton von Geschichten wie vor einigen Wochen Frankfurt-Nürnberg berichten müssen. Ähnlich wird es im US-Sport behandelt, die konsequent Flitzer ausblenden. Die Uefa führt zudem aus, dass es genügend Extrakameras der einzelnen Fernsehanstalten gebe, die die Szenen einfangen und ausstrahlen. Von ‚Zensur' könne daher nicht die Rede sein. Hier geht der Argumentationspunkt nur teilweise an die Uefa: Es sitzen genügend Journalisten und Kameras am Ort, um darüber zu berichten. Zensur ist etwas anderes. Aber: Genügend Fernsehanstalten übertragen die EM nur aus dem heimischen Studio heraus und haben daher nicht mehr als die Bilder, die die Uefa liefert. (…) Es ist für mich keine Zensur, sondern eine taktische Entscheidung wie man mit solchen Bildern umgeht."

Peter Körte (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) stößt die Bildregie auf: "Die Weltregie hat auch diesmal wieder deutliche Schwächen im Bildaufbau gezeigt. Die dauernde Abwendung vom Spielgeschehen ist typisch für den Regiestil der Uefa-Tochter Umet. Die Entstehung einer gefährlichen Situation wird reduziert, meist auch noch zugunsten folkloristischer Impressionen von den Tribünen. Und oft, wenn die Spielentwicklung im Mittelfeld länger dauert, fixiert eine andere Kamera eher unmotiviert einen ballführenden Spieler in Großaufnahme, so dass nicht mehr zu erkennen ist, welche Abspieloptionen der Mann noch hat. Ein ähnliches Muster wird in Strafraumnähe bevorzugt: Statt möglichst viel von dieser Kampfzone im Blick zu behalten, wird gerne die Eins-gegen-Eins-Situation am Strafraumeck in einer halbnahen Einstellung gezeigt, was offenbar Dramatik simulieren soll, aber bloß Undurchsichtigkeit erzeugt, weil alle Anspielstationen aus dem Bild verschwinden. (…) Es ist eines der vielen Rätsel, welche die Dramaturgie der Fernsehinszenierung eines Fußballspiels einem immer wieder aufgibt. Obwohl technisch immer besser ausgerüstet, löst die Regie die Szenen nach einem starren Schema auf, das sich weniger an Tempo, Dramatik und Verlauf des Spiels selber orientiert, als dass es ihm seinen Rhythmus aufzuzwingen versuchte."

Jörg Hahn (Frankfurter Allgemeine Zeitung) ergänzt: "Die technischen Möglichkeiten zu besitzen, ein Spiel dramaturgisch zu gestalten, ist die eine Sache. Diese Technik sinnvoll, im Dienste des Zuschauers einzusetzen ist die andere. Wiederholungen, die über eine mögliche Abseitsstellung oder ein umstrittenes Foul aufklären können, sind notwendig. Aber die Zugaben schon während der regulären Vorstellung zu servieren, das ist die falsche Strategie. Ein Fußballspiel sollte nicht zum schrillen Videoclip werden. Bei Unterbrechungen, in der Halbzeit oder nach der Partie sind Superzeitlupen oder Großaufnahmen von Gesichtern nette Hingucker, jedoch nicht, wenn es auf dem Feld ohnehin gerade hin und her geht. Manchmal wundert man sich, wie sehr die Meinung von Stadionbesuchern und Fernsehzuschauern über ein und dasselbe Spiel auseinandergehen können: Die Regie-Einfälle haben daran einen gehörigen Anteil."

Jan Freitag (Frankfurter Rundschau)

zerreißt Oliver Pocher: "Wir wollen ihn an seinen eigenen Ansprüchen messen: Konventionen sprengen, ohne sich selbst zu schonen; schlagfertig sein, ohne zu zögern; auf die Kacke zu hauen, ohne Schamgefühle; juvenil, nicht infantil. Keine kabarettistischen Tugenden, aber Indizes eines Humors, der Mario Barth Stadien füllen lässt und ein paar Gleichgesinnten die Konten. Nur: Barth findet witzig, wer frauenfeindliche Witze braucht. Bully Herbig, wer auf Tuntenparodien steht. Den Maddin, wem Grimassenhumor liegt. Gaby Köster amüsiert jene, die Mundart als Selbstzweck sehen. Und Oliver Pocher? Der ist laut. Wem seine Hemmungslosigkeit und Beißbereitschaft fehlen, der kann ihm kein Paroli bieten, nicht vor laufender Kamera. Ansonsten sieht Pocher blass aus. Man kann es ein Dilemma nennen, wenn jemand die eigene Messlatte hochlegt und dann ständig reißt. (…) Oliver Pocher ist ein Christ von 30 Jahren, gelernter Versicherungskaufmann aus Hannover, ein sympathischer Kerl mit hübscher Freundin, gut als Entertainer für ‚Bravo'-Shows, durchaus geeignet also für eine Beamtenlaufbahn im Comedybiz. Jetzt braucht er nur noch eine Pointe. Aber er ist ja noch jung."

Else Buschheuer (Süddeutsche Zeitung)

spielt in Gedanken eine Alternativkarriere durch: "Was muss man können als Spielerfrau? Eiswürfel via Fallrückzieher in den Cocktail schmeißen? Blutgrätsche im Hotelbett? Ohrenschnipser fürs Nutella-Naschen? Oder, wie von Ronaldo favorisiert, dem Spieler vorm Spiel zum ‚passiven Sex' verhelfen? Was ist eine Spielerfrau genau? Rückenfreihalterin? Vertragsaushandlerin? Nacktschnecke? Mama? Trophy Girl? Schimäre? Klose sagt, Podolski will eine starke Frau. Merkel steht auf Schweini. Schweini steht auf Models. Ballack heiratet im Sommer die Muddi seiner Kinder. Die Conny vom Jens Lehmann kann auf den Fingern pfeifen. Aber wie dealen diese Frauen mit der Hybris, mit der Etikettierung, mit den Vorurteilen? Wie sind sie hinter verschlossenen Türen? Kühlen sie die Fußballerwaden, pusten aufs Aua, setzen Trostpreise aus? Gibt's für den Verlierer Sorry-Sex - darf der Sieger frivole Sonderwünsche äußern? Darf gar eine von der Spielerfrau nicht favorisierte Sexpraktik ausgeübt werden? In Sex an the City hatte Samantha mal einen Liebhaber, der nur konnte, wenn seine Mannschaft gewonnen hat. Was die Sache wahnsinnig spannend machte. Eine nicht enden wollende erotische Aufregung. Denn: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel."

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(