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FC Bayern: Die Gefahr der Klinsmann-Revolution

Jürgen Klinsmann hat seine Arbeit bei den Bayern aufgenommen. Der ehrgeizige Schwabe ist dabei, den Rekordmeister kräftig umzukrempeln - Ausgang ungewiss. Denn es gibt zahlreiche offene Fragen, auf die Klinsmann eine Antwort finden muss.

Von Tim Schulze

Der neue Bayern-Trainer machte sich erstmal unbeliebt. Über Pressesprecher Markus Hörwick ließ Jürgen Klinsmann vor seiner ersten Pressekonferenz als Bayern-Trainer mitteilen, dass er "allergisch gegen Blitzlicht" sei. Aus Protest verließen die Fotografen geschlossen die Pressekonferenz. Der erste Aufreger der Klinsmann-Ära war perfekt. Es werden weitere folgen. Klinsmanns ist dafür bekannt, seine Ziele kompromisslos zu verfolgen. Irritationen nimmt er dabei in Kauf. Das gehört dazu, wenn man einen Weltklub umkrempeln will.

Neuer Trainerstab, neues Leistungszentrum, neue Trainingsmethoden, Acht-Stunden-Tage für die Profis an der Säbener Straße, Handy-Verbote auf dem Gelände, Deutschkurse in der Mittagspause und Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Klinsmann geht in die Vollen. Jeder Spieler soll jeden Tag ein bisschen besser werden. So hat er auch als Bundestrainer gearbeitet.

Dennoch gibt es einige Baustellen bei den Bayern und Unwägbarkeiten, die das Klinsmann-Prinzip kräftig durcheinanderwirbeln können. Niemand weiß das besser als der 43-Jährige selbst.

Risiko Rensing

"Michael Rensing geht in die Saison als ganz klare Nummer eins". Mit diesen Worten stärkte Klinsmann nach der Ära Oliver Kahn dem 24-Jährigen ausdrücklich den Rücken. Trotzdem bleibt Rensing ein Risiko. Er hat bisher kaum Erfahrung sammeln können. Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal - Rensing muss zeigen, dass er dem hohen Erwartungsdruck auch auf höchster internationaler Ebene gewachsen ist.

Riberys Verletzung

Im EM-Spiel gegen Italien zog sich der Franzose einen Syndesmosesriss oberhalb des linken Sprunggelenkes zu. Einen großen Teil der Vorbereitung verpasst der geniale Franzose, der dem Bayern-Spiel die nötige Kreativität verleiht. Erst mit Beginn der Saison soll er wieder einsatzbereit sein. Es bleibt die Frage, wie schnell der 25-Jährige wieder zu der Form der vergangenen Saison findet.

Podolskis Unzufriedenheit

Unzufriedene Spieler können ein großes Problem sein. Und dass Lukas Podolski sich bei den Bayern unwohl fühlt, hat der Nationalspieler mehrmals kundgetan. Er würde den Branchenführer am liebsten Richtung Köln verlassen. Bislang haben die Bayern ihm keine Freigabe erteilt, weil sie Ersatz bräuchten. Mögliches Szenario: Sollte Mario Gomez von Stuttgart kommen, kann Podolski gehen.

Schweinsteigers Frust

Welche Qualitäten Bastian Schweinsteiger besitzt, wurde im EM-Spiel gegen Portugal deutlich: Das war Weltklasse. Nur zeigt er diese Leistung zu selten im Bayern-Trikot. Beim Rekordmeister muss er um einen Stammplatz kämpfen. Angebote für ihn sollen vorliegen. Es bleibt die Frage, ob Schweinsteiger sich bei den Bayern weiterentwickeln kann. Außerdem steht immer noch ein möglicher Transfer von Alexander Hleb von Arsenal London im Raum, auch wenn die Bayern-Bosse behaupten, der Kader würde nicht mehr verstärkt. Hleb würde den Konkurrenzdruck auf Schweinsteiger enorm verstärken.

Das Verhältnis Klinsmanns zu den Fans

Als vor wenigen Monaten durchsickerte, dass Klinsmann künftig nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren will, kam es zu einem Aufschrei der Fans. Die Bayern-Bosse ruderten sofort zurück. Der totale Ausschluss wurde abgewendet, die Kiebitze haben jetzt aber weniger Gelegenheit, ihre Stars zu bestaunen. Eines ist klar: Arbeitet Klinsmann erfolgreich, verstummt die Kritik. Genauso schnell stehen aber die Heckenschützen Gewehr bei Fuß, wenn es nicht rund läuft. Zumal das Verhältnis vieler Anhänger zum Club wegen der Stimmung in der Allianz Arena, den Eintrittspreisen und einigen Stadionverboten nicht das beste ist. Die Wutrede von Uli Hoeneß auf der Mitgliederversammlung im vergangenen November ist noch in guter Erinnerung.

Risiko Klinsmann

Eines der Hauptargumente gegen die Verpflichtung Klinsmanns war die Tatsache, dass der Schwabe noch nie als Clubtrainer gearbeitet hat und lediglich zwei Jahre als Bundestrainer vorweisen kann. Es ist nicht vorherzusagen, wie er sich in der täglichen Arbeit mit den Profis bewährt. Die größte Fähigkeit Klinsmanns, die Motivation der Spieler, kann sich im Wochentakt aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League schnell abnutzen. Auch das Verhältnis zu den Medien und dem Münchner Boulevard wird eine entscheidenden Rolle spielen. Mit Anweisungen wie bei der ersten Pressekonferenz, die den Fotografen nur noch drei Minuten für ihre Arbeit lassen, macht sich Klinsmann keine Freunde. Kein Bayern-Trainer kann es sich auf Dauer leisten, die Medien gegen sich zu haben.

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