HOME

Fragen und Antworten zu Uli Hoeneß: Hat die Erpressung Einfluss auf den Haftantritt?

Uli Hoeneß ist erpresst worden. Welche Konsequenzen hat das? Kommt er in eine andere JVA? Und könnte sein Haftantritt komplett geheim bleiben? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Der Haftantritt von Uli Hoeneß rückt immer näher und die Nachrichtenlage überschlägt sich. Zuerst wird bekannt, dass der Ex-Bayern-Präsident seine Strafe nicht in der JVA Landsberg verbüßen will, weil er wegen des Tags der offenen Tür am 31. März seine Privatsphäre bedroht sieht. Dann berichtet die Bild-Zeitung, dass Hoeneß erpresst worden ist. Ein Mann forderte: 200.000 Euro solle der Ex-Bayern-Präsident zahlen, andererseits drohe ihm eine unangenehme Zeit im Gefängnis.

Hat die Erpressung Einfluss auf den Haftantritt? Darf Hoeneß in eine andere JVA? Und könnte sein Haftantritt komplett geheim bleiben? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hoeneß wurde erpresst. Was ist passiert?

Ein ehemaliger Häftling hat Hoeneß gedroht, er wolle ihm Probleme in der Haft bereiten, falls er nicht einen sechsstelligen Betrag in bar zahle. Der Tatverdächtige, ein vorbestrafter 50-Jähriger, wurde beim Treffen zur Geldübergabe am Samstag festgenommen. "Die Drohungen hatten schon Hand und Fuß", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. In einem mehrseitigen Erpresserschreiben hatte der Mann Hoeneß gedroht, er habe Einfluss auf den Haftverlauf - egal in welchem bayerischen Gefängnis Hoeneß die Haft verbüßen müsse.

Hat die Erpressung Einfluss auf den Haftantritt?

Unabhängig von der Erpressung bestätigte Hoeneß' Anwalt Steffen Ufer am Dienstag, dass er einen Antrag auf Unterbringung in einer anderen JVA eingereicht habe. Der Strafrechtsexperte Rainer Pohlen sagt: "Die Erpressung allein ist ersteinmal kein Grund, Hoeneß in einem anderen Gefängnis unterzubringen." Allerdings, betont Pohlen, müsste geprüft werden, ob konkrete Sicherheitsbedenken vorliegen.

Warum will Hoeneß nicht in die JVA Landsberg?

Uli Hoeneß sieht nach dem von der JVA Landsberg für die Medien eingerichteten "Tag der offenen Tür" seine Privatsphäre verletzt. Daher haben seine Anwälte den Wechsel der JVA beantragt. "Das ist nicht ungewöhnlich" sagt Pohlen, "Anträge auf Abweichungen vom Vollzugsplan gibt es häufiger - meist aus sozialen Gründen." Ob der Tag der offenen Tür allerdings ausreicht, um beim Vollzugsamt Gehör zu finden, bezweifelt Pohlen, "da dürften Haftanstalten in Zukunft ja keinen Tag der offenen Tür mehr veranstalten."

Kann Hoeneß' Haft-Antritt geheim bleiben?

Selbst wenn Uli Hoeneß vom Vollzugsamt die Erlaubnis erhält, in einem anderen Gefängnis seine Haftstrafe anzutreten, dürften Ort und Termin des Haftantritts schnell bekannt werden. Jeder Häftling in jedem bayrischen Gefängnis kennt Uli Hoeneß. "Man kann ihn nicht abschotten, auch nicht als Promi", sagt Pohlen, "innerhalb von Stunden würde sich verbreiten, wo und wann Hoeneß ins Gefängnis gekommen ist." Auch aus einem anderen Gefängnis würden also ziemlich sicher Details zu seinem Gefängnis-Leben an die Öffentlichkeit gelangen.

Von Felix Haas

Wissenscommunity