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Fußball-Bundesliga: Magaths Wolfsburger Erben

Nach dem Abgang von Meister-Trainer Felix Magath und dem Amtsantritt von Armin Veh beginnt beim VfL Wolfsburg eine neue Ära. Veh hat seinen Vorgänger Magath zwar in allen Ämtern beerbt, doch der wichtigste Mann beim Werks-Club ist jetzt mit Jürgen Marbach ein ehemaliger Touristik-Manager.

Von Christian Otto, Wolfsburg

Der neue Trainer, die neuen Trikots und die nahende Saison sorgten schon wieder für Gedrängel und Aufregung. Als Armin Veh am Montag im üblichen Blitzlichtgewitter begrüßt wurde, konnte sich einer beim VfL Wolfsburg wieder ein wenig zurücklehnen und durchatmen. Dass Veh beim deutschen Meister wie sein Vorgänger Felix Magath in die Rolle des Trainers, Sportdirektors und Geschäftsführers zugleich schlüpft, lenkt nämlich von jenem Mann ab, der seit Wochen im Hintergrund die Fäden zieht.

Es ist Jürgen Marbach, und der findet, dass er in dieses Wirrwarr aus Verträgen, Laufzeiten und Millionengagen einfach hineingeschlittert ist. Er meint das nicht abfällig, sondern voll Freude. Sie haben in Wolfsburg genügend Geld und müssen keinen Spieler dringend verkaufen. Marbach empfindet die neue Saison, in der aus dem zunächst belächelten Außenseiter der von der Konkurrenz gejagte Titelträger wird, als Herausforderung und Belohnung zugleich.

Einer beim VfL musste den Abgang des allmächtigen Magath kompensieren. Beim Meister geht es neben den Personalplanungen und der Saisonvorbereitung vor allem darum, den Beweis anzutreten, dass aus dem VfL kein FC Magath geworden ist. Deshalb wehrt sich Marbach auch längst nicht mehr dagegen, wenn er neben Trainer Veh und dessen Managerassistenten Frank Aehlig als der neue starke Mann in Wolfsburg bezeichnet wird. Der Geschäftsführer, der gern an seine bisherige Zuständigkeit für die Bratwurstpreise im Stadion erinnert, ist zum wichtigsten Ansprechpartner der VfL-Profis aufgestiegen - und genießt das sichtlich.

Ruhig, sachlich und angenehm kleinlaut

Dass ein Touristik-Manager die Fäden bei Deutschlands derzeit erfolgreichstem Fußballverein zieht, klingt kurios. Aber Marbach blüht in seiner neuen Aufgabe auf und verzichtet auf schrille Töne. Ruhig, sachlich und angenehm kleinlaut steuert er die kaufmännischen Dinge eines Fußballvereins, der sich in den Kreis der Etablierten drängelt. Wer Marbach damit konfrontiert, dass ein Fußballlaie wie er doch nicht die Geschicke einer Meistermannschaft leiten könne, bekommt keinen Ärger, sondern eine vernünftige Erklärung. "Ich vermeide Fehler, weil ich bei Entscheidungen gerne auch einen kompetenten Rat einhole", sagt der 50-Jährige.

Als Trainer darf Veh also den aufgeblähten Kader des VfL nach seinem Gusto verkleinern und sich im Gegenzug neues, hochqualifiziertes Personal aussuchen. Wie effizient die rund 30 Millionen Euro investiert werden, die die Wolfsburger dank ihres Geldgebers Volkswagen angeblich noch für Verstärkungen ausgeben dürfen, hängt letztlich aber von Marbachs Verhandlungsgeschick ab. Als früherer Geschäftsführer und Miteigentümer des Reiseveranstalters LTU ist er es gewohnt, mit höheren Summen als im Fußball zu jonglieren. Wer schon einmal für mehr als 2000 Arbeitsplätze und einen Milliardenumsatz zuständig war, kann sich Gelassenheit erlauben.

Beim Blick etwa auf die 20 Millionen Euro, die der AC Mailand als Ablöse für VfL-Torjäger Edin Dzeko überweisen möchte. Und bei der Frage, wie sich ein Verein, der eben noch eine graue Maus der Bundesliga war, plötzlich in der Champions League behaupten soll. "Armin Veh hat eine ehrliche und offene Art. Das wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit", sagt Marbach zuversichtlich. "Wir wollen wieder oben mitspielen und habe gute Strukturen dafür", sagte Veh am Montag und spielte den Ball elegant zurück.

Spielerberater nicht schlimmer als ein Hotelier auf Samos

Es waren die turbulenten Wochen im Mai, in denen Marbachs Beförderung besiegelt wurde. Magath verriet, dass er geht. Die Tabelle ließ erahnen, dass die Meisterschale kommt. Und Marbach traf hinter den Kulissen die Vorkehrungen dafür, dass der Wolfsburger Fußballaufschwung nicht sofort endet. Nach den Vertragsverlängerungen mit Kapitän Josue und Stammspieler Thomas Riether sowie dem Bekenntnis von Torjäger Grafite, seinen bis 2011 laufenden Vertrag noch in dieser Woche verlängern zu wollen, hält er den Laden bisher zusammen.

Marbach fühlt sich wohl in dieser Geschäftswelt, in der die Hauptdarsteller kurze Hosen tragen und sich in die Hände hemdsärmeliger Berater begeben. Es kann beim Pokern um Prämien und Prozente durchaus helfen, schon an anderen Rädern gedreht zu haben. Marbach hat rund um den Globus Bettenkontingente verkauft. "Nach Verhandlungen mit Hoteliers auf Samos kann ich sagen: Da sind Spielerberater im Fußball auch nicht schlimmer." Der Mann sagt über sich, daran könnte der Verkauf seiner LTU-Beteiligung an Air Berlin nicht ganz unschuldig sein, er sei finanziell unabhängig und deshalb angenehm frei bei seinen Entscheidungen. Dass er in den Sitzungen der DFL immer noch ein Außenseiter ist, nimmt er gelassen hin. Er hört sich im Fußball neugierig um, und er lernt ständig dazu. Vor dem Rampenlicht auf der großen Fußballbühne hat er keine Angst. Wenn es andere abbekommen, ist Marbach darüber aber auch nicht böse.

FTD

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