Fußball-Skandal Juve handelt um Strafmilderung

Im Prozess um den Fußball-Skandal in Italien versucht ein Juve-Verteidiger zu verhandeln: Zaccone bietet Serie B im Tauschhandel gegen die dritte Liga.

Im italienischen Fußball-Skandal um Spielmanipulationen sondiert der Anwalt von Juventus Turin Presseberichten zufolge Möglichkeiten für ein geringeres Strafmaß als von der Anklage gefordert. Dabei könnte Verteidiger Cesare Zaccone einen Zwangsabstieg des amtierenden Meisters in die Zweite Liga akzeptieren.

Die Anklage in dem Sportgerichtsprozess hat für den Rekordmeister eine Strafversetzung mindestens in die Dritte Liga und für die mitangeklagten Clubs AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz einen Zwangsabstieg in die 2. Liga gefordert. Mehrere Zeitungen zitierten Zaccone am Donnerstag mit den Worten, falls Juventus schuldig gesprochen werde, könnte eine Strafe akzeptabel sein, wie sie auch für die drei anderen angeklagten Clubs gefordert werde.

Italienischer Verband unter Zeitdruck

Vor dem Sportgericht in Rom hatte Zaccone am Mittwoch argumentiert, der Club dürfe nicht für Verfehlungen von inzwischen zurückgetretenen Führungspersonen verantwortlich gemacht werden. Neben den vier Clubs sind 26 Vereins- und Verbandsfunktionäre sowie Schieds- und Linienrichter angeklagt, von denen einige ihre Ämter inzwischen niedergelegt haben.

Ihnen wird Sportbetrug und unfaires Verhalten vorgeworfen. Sie sollen mehrere Meisterschaftsspiele manipuliert haben. Der Prozess begann vor einer Woche. Die Urteile sollen am Montag und damit einen Tag nach dem WM-Finale in Berlin gesprochen werden. Der italienische Fußballverband rechnet mit einem Berufungsverfahren und steht daher unter Zeitdruck: Bis zum 27. Juli muss er seine Champions-League- und Uefa-Cup-Teilnehmer benennen.

Juve droht finanzieller Kollaps

Zaccone verwies auch auf die drohende finanzielle Katastrophe für Juve und seine Spieler: "Der Wert der Spieler, der auf 150 Millionen Euro geschätzt wird, würde um 80 Prozent sinken. Und es gäbe Verluste bei den TV-Rechten, die bis zu 79 Prozent der Juve- Einnahmen ausmachen."

Zum vermeintlichen Drahtzieher des Skandals und Hauptbeschuldigten, Ex-Juventus-Manager Luciano Moggi, meinte der Anwalt: Er habe keine juristischen Vollmachten gehabt, der Verein trage daher juristisch keine Verantwortung.

Der Chef-Ankläger Palazzi hatte zuvor in dem Prozess des Fußball-Verbandes (FIGC) von einem "heimtückischen und raffinierten" System zur Spiel-Manipulation gesprochen. Italienische Medien sprechen von "mafiösen Strukturen". Auch die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt.

REUTERS Reuters

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