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Fußball-Vermarktung: Ohne Infront wird jetzt selbst verhandelt

Mit Optimismus, Gelassenheit, aber auch mit Sorge haben die Proficlubs und TV-Sender auf den Ausstieg der Sportrechte-Agentur Infront reagiert.

Mit Optimismus, Gelassenheit, aber auch mit Sorge haben die Proficlubs und TV-Sender auf den Ausstieg der Sportrechte- Agentur Infront als Vermarktungspartner der Deutschen Fußball-Liga (DFL) reagiert. Weil die Netzer-Agentur die ursprünglich vereinbarten rund 600 Millionen Euro für die beiden nächsten Spielzeiten nicht zahlt, muss die DFL die Fernsehrechte selbst vermarkten. Für Wolfgang Holzhäuser, Finanzmanager von Bayer Leverkusen, eröffnet dies die Chance, in den Verhandlungen mit TV-Sendern ohne Zwischenhändler zumindest 300 Millionen Euro pro Saison zu erzielen.

Abwärtsspirale "muss endlich ein Ende haben"

"Wir sind in einer Position der Stärke. Wir agieren wieder. Die Abwärtsspirale bei den TV-Geldern muss endlich ein Ende haben", sagte Holzhäuser im Kölner "Express". Ähnlich sieht es DFL-Chef Werner Hackmann. Er verweist auf die guten Fußball-Quoten der TV-Sender. Ob diese deshalb mehr Geld zahlen werden, ist allerdings fraglich. In der kommenden Saison hat die DFL nur die rund 65 Millionen Euro der ARD für die Sportschau und andere Fußball-Verwertungsrechte sicher. Dieser Vertrag ist vom Infront-Ausstieg nicht betroffen.

"Mehr Exklusivität, mehr Geld"

"Wir haben keine Angst vor Direktverhandlungen mit der DFL. Im Gegenteil. Das gehört zu unseren Standards", sagte Premiere-Sprecher Dirk Heerdegen. Der Pay TV-Sender zahlt bisher 150 Millionen Euro pro Saison und ist damit der wichtigste DFL-Partner. Der Abo-Kanal braucht die Bundesliga, will aber nur mehr Geld bezahlen, wenn seine Rechte zum Beispiel durch Freitag-Spiele aufgewertet werden. "Mehr Exklusivität, mehr Geld", lautet das Credo von Geschäftsführer Georg Kofler. "Wir haben in den vergangenen Wochen mit der DFL und Infront gesprochen und keine Einwände gegen Direktverhandlungen mit dem Dachverband", sagte DSF-Sprecher Jörg Krause.

Clubs sind optimistisch

Die Verträge mit Premiere, dem DSF (bisher 12 Millionen Euro), dem ZDF (10 Millionen Euro) und für die Auslandsrechte (15 Millionen Euro) müssen neu ausgehandelt werden. "Wir haben vollstes Vertrauen, dass die Verhandlungen erfolgreich sein werden. Ich denke nicht, dass wir am Ende weniger Geld bekommen werden", sagte Sportdirekter Martin Bader vom 1. FC Nürnberg. Andere Clubs reagierten nicht so gelassen auf die neue Unsicherheit. "Sinkende Einnahmen können wir nicht verkraften. Wir brauchen schnell Klarheit und Planungssicherheit", forderte Clubchef Martin Kind von Hannover 96.

Neben der Eigenvermarktung der TV-Rechte will die DFL nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" auch die Bilder von den Spielen künftig in Zusammenarbeit mit einer Firma selbst produzieren und dann den TV-Sendern anbieten. Holzhäuser bestätigte einen entsprechenden Beschluss der Vereine.

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