Fußball Vier Jahre für Wildmoser


Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen Wildmoser junior wegen der Annahme von Schmiergeldern bestätigt. Der frühere Stadion-Chef der Münchener Allianz-Arena muss im Herbst seine Gefängnisstrafe antreten.

Der Bundesgerichtshof verwarf Revisionsanträge Wildmosers und der Staatsanwaltschaft gegen ein Urteil des Münchener Landgerichts, das den Sohn des gleichnamigen langjährigen Präsidenten des Fußball-Bundesligisten 1860 München im Mai 2005 zu viereinhalb Jahren Gefängnis wegen Untreue und Bestechlichkeit verurteilt hatte. Das Urteil ist damit rechtskräftig. Ein Sprecher der Münchener Staatsanwaltschaft sagte, Wildmoser junior werde nun voraussichtlich im Herbst aufgefordert, seine Strafe anzutreten. Der Haftbefehl bleibt bis dahin zunächst weiter außer Vollzug.

Wildmoser hatte zusammen mit einem Geschäftspartner vom Baukonzern Alpine 2,8 Millionen Euro für Insider-Informationen während des Vergabeverfahrens für den Bau des neuen Münchener Fußballstadions Allianz-Arena im Norden der bayerischen Landeshauptstadt erhalten. Der BGH erkannte die Strafzumessung als angemessen und beurteilte auch die Einstufung der geflossenen Gelder durch das Münchener Gericht als Schmiergeld als richtig. Es handele sich "neben der Untreue um einen geradezu klassischen Fall der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr durch Schmiergeldzahlung", entschied der BGH.

Noch etwa 22 Monate ins Gefängnis

Das Gericht wies auch den Antrag von Wildmosers Anwälten ab, das Urteil wegen Befangenheit der Münchener Richterin Huberta Knöringer aufzuheben. Die Vorsitzende Richterin hatte während des Prozesses gegen Wildmoser eine Wiedergutmachung von der Münchener Abendzeitung "AZ" verlangt, nachdem das Blatt sie als "Frau Gnadenlos" bezeichnet hatte. In dem darauf folgenden Artikel wurde über den erwarteten Fortgang des Verfahrens gegen Wildmoser berichtet und ihre Verhandlungsführung positiv beschrieben, während Wildmoser in schlechterem Licht erschien. Der BGH kam auch auf der Grundlage von entsprechenden Erklärungen des Verlags zu dem Schluss, dass die Richterin keinen Einfluss auf Inhalt und Gestaltung des Artikels hatte.

Wildmoser hatte vor und während des damaligen Prozesses rund 14 Monate in Untersuchungshaft gesessen. Unter Anrechnung dieser Zeit und bei guter Führung mit dem Erlass von einem Drittel der Haftstrafe müsste er also unter Umständen noch etwa 22 Monate ins Gefängnis. Der Sprecher der Münchener Staatsanwaltschaft sagte, die Vollstreckungsstelle werde Wildmoser zum Haftantritt auffordern, sobald die Akten vom Bundesgerichtshof wieder nach München gebracht seien. Dies sei voraussichtlich im Herbst der Fall. Derzeit sei nicht geplant, einen Vollstreckungshaftbefehl gegen Wildmoser zu beantragen, so dass er bis dahin gegen Auflagen auf freiem Fuß bleiben könnte.

Wildmosers Anwalt Gunter Widmeier sagte, er sei enttäuscht und verstehe die Entscheidung insbesondere zum Verhalten der Münchener Richterin nicht. "Das zerstört seine bürgerliche und geschäftliche Existenz, aber da kann man jetzt nichts daran ändern. Da muss er durch", ergänzte er mit Blick auf Wildmoser.

Reuters Reuters

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