HSV-Theater "Ich bin nur noch traurig"

"Überforderter Vorstand", "Lügen-HSV": Statt wie erhofft Aufbruchstimmung zu wecken, droht der Trainerwechsel zum Imagedebakel für den HSV zu werden. Und der geschasste Jara ist nur noch traurig.

Der Trubel um den Trainerwechsel hat die Führung des HSV in die Defensive getrieben."Lügen-HSV" (BILD), "Absicherungsrhetorik und Sozialfolklore" (FAZ), "überforderter Vorstand" (FR) - der Blätterwald stellt dem Verein ein schlechtes Zeugnis aus. Und überzeugend wirkten die HSV-Verantwortlichen ja auch wirklich nicht, als sie gestern auf einer Pressekonferenz die Blitz-Demission von Kurt Jara erklären sollten: Es sei keine Meisterleistung, gab Sportchef Beiersdorfer zu und man müsse sich bei Trainer Jara entschuldigen, aber sie hätten die Glaubwürdigkeit "im Sinne des Vereins aufs Spiel" setzen müssen. Die "Körpersprache" der Mannschaft und Spieler hätte keine andere Möglichkeit mehr zugelassen - so tiefenpsychologisch ist selten ein Trainerwechsel erklärt worden. Und die Skepsis bleibt. Nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei Uwe Seeler.

Toppmöller gibt sich selbstbewußt

Unanständig sei das Verhalten des Vereins, regte sich das HSV-Idol auf, der am 26. November zum Ehrenbürger der Hansestadt gekürt werden soll. Auch die Spieler reagierten mehr als zurückhaltend auf die von der Führung neu geschaffenen Tatsachen.

Trainer Toppmöller muss also gleich Vollgas geben, um die Mannschaft hinter sich zu bringen. Er selbst gibt sich von dem Trainer-Hickhack unbeeindruckt und selbstbewußt: Er kenne das Team bereits in- und auswendig, meinte der Ex-Trainer von Lverkusen forsch, und sieht in der Mannschaft wesentlich "mehr Potential" als die Tabelle ausdrückt.

"Traurigkeit ist groß"

Kurt Jara leckt derweil öffentlich seine Wunden. "Die Enttäuschung ist schon groß, weil ja der Zeitpunkt schon anders gewählt wurde, als wie gesagt wurde. Und ich auch Anfang der Woche das Gefühl hatte, dass die Mannschaft absolut noch voll mitzieht. Dann war die Überraschung und jetzt natürlich auch die Traurigkeit groß, dass das einfach beim HSV zu Ende ist.", sagte der Vertriebene im "Deutschen Sportfernsehen". Seine Freude über die Reaktion der Mannschaft kann er nicht verhehlen. Er habe sich vor der ganzen Mannschaft "fair und korrekt" verabschiedet. "Das hat mir sehr viel gegeben, weil das mir zeigte, dass zwischen Mannschaft und den Trainern eine absolute intakte Beziehung bestand und dass eine sehr gute Bindung da war".

Große Sorgen um die Zukunft des Österreichers muss man sich wohl nicht machen. Er ist bei Austria Wien und auch als neuer Nationalcoach Österreichs im Gespräch. Dazu kommt eine Abfindung von rund rund 500 000 Euro.

Der Trubel hat allerdings auch was Gutes für den HSV. Im Gespräch sind die stolzen Hanseaten auf jeden Fall wieder. Für das Spiel am Samstag gegen Schalke 04 gibt es nur noch wenige Restkarten. Und wer weiß: Vielleicht gibt es am Montag wieder Schlagzeilen. Diesmal sportlich-positive. Dann hätte der HSV wieder einen Heilsbringer: Klaus Toppmöller. Und die sportliche Führung des HSV.

Christoph Marx DPA

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