HOME

Interview: "Ein großer Augenblick im deutschen Frauen-Fußball"

In einem Interview spricht die Trainerin unserer Weltmeisterinnen, Theune-Meyer, über den knappen Finalsieg und die Zukunft des deutschen Frauen-Fußballs.

Das Interview mit Bundestrainerin Theune-Meyer führte Ulli Brünger, dpa.

Die deutschen Frauen sind zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Aber das 2:1 kam erst durch das Golden Goal in der Verlängerung zu Stande. Hatten Sie es so knapp erwartet?

Theune-Meyer: "Eindeutig ja. Ich habe schon vor der WM gesagt, dass Schweden zu den Favoriten gehört. Sie haben das wieder bewiesen. Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel. Zwischendurch hatte ich sogar ein mulmiges Gefühl. Am Ende waren wir die glücklichere Mannschaft."

Was bedeutet der WM-Titel?

Theune-Meyer: "Es ist ein großer Augenblick im deutschen Frauen- Fußball. Der Erfolg ist höher zu bewerten als die Bronzemedaille in Sydney. Ich bin stolz auf das Team."

Ihre Elf hat vor allem durch offensiven Kombinations-Fußball begeistert. Was war ausschlaggebend für den Erfolg?

Theune-Meyer: "Vor allem der Teamgeist. Der Kader ist jetzt seit drei Monaten fast ununterbrochen zusammen. Von Beginn war bei allen der unbedingte Wille zum Erfolg zu spüren. Zudem haben wir eine gute Mischung aus jüngeren und erfahrenen Spielerinnen gefunden."

Wie wichtig war die Rückkehr von Maren Meinert und Steffi Jones?

Theune-Meyer: "Steffi hat leider Pech bei ihrem Kreuzbandriss gehabt und musste vorzeitig abreisen. Aber sie war ebenso wichtig wie Maren, die ein überragendes Turnier gespielt hat. Leider hören Maren Meinert und Bettina Wiegmann auf. Sie sind sehr schwer zu ersetzen."

Bisher gewannen nur Teams, die von einem Mann betreut wurden. Sie sind die erste Trainerin, die einen WM-Titel errungen hat...?

Theune-Meyer: "Es ist doch nicht mein Erfolg, sondern der eines ganzen Teams mit Silvia Neid, aber auch vielen männlichen Trainern wie Jörg Daniel, Ralf Peter oder Helmut Horsch im Hintergrund."

Erwarten Sie einen weiteren Schub für den Frauen-Fußball?

Theune-Meyer: "Die Unterstützung für die Nationalmannschaft durch den DFB ist sehr gut. Natürlich hoffe ich, dass noch mehr Mädchen zu unserem Sport finden. Aber so ein Turnier ist eher ein kurzfristiges Highlight. Wir freuen uns über die große Resonanz in den Medien und bei den Fans. Doch die Basisarbeit muss in den Vereinen geleistet werden. Hier sind vor allem die Bundesliga-Clubs gefordert."

Was sind die nächsten Ziele?

Theune-Meyer: "Wir wollen uns für die EM 2005 qualifizieren. Und es kommen die Olympischen Spiele in Athen 2004. Darauf freuen sich schon alle. Wir wollen auch dort so erfolgreich wie möglich spielen."

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity