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Frauen-Fußball-WM: Deutschland ist Weltmeisterin

Durch ein Golden Goal von Nia Künzer gewann die Mannschaft von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer zum ersten Mal den Weltmeistertitel.

Unweit der Traumfabrik Hollywood ist für die deutschen Fußball-Frauen ein Traum in Erfüllung gegangen. Durch ein Golden Goal von Nia Künzer in der 98. Minute zum 2:1 (1:1, 0:1) im Finale gegen Vize-Europameister Schweden gewann die Mannschaft von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer am Sonntag im kalifornischen Carson zum ersten Mal den Weltmeistertitel. Nach Toren von Hanna Ljungberg (41.) und Maren Meinert (46.) hatte es nach Ablauf der regulären Spielzeit 1:1 zwischen den europäischen Rivalen gestanden.

Durch das Kopfballtor der Frankfurterin setzten die Frauen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den erfolgreichen Schlusspunkt unter ein Turnier der Superlative und schafften nach fünf Europameisterschaften und dem verlorenen WM-Finale 1995 endlich den ersehnten ganz großen Coup. Im Spiel um Platz drei behielt der von den Deutschen im Halbfinale entthronte Titelverteidiger USA gegen Kanada mit 3:1 die Oberhand.

"Freude pur"

"Ich freue mich wahnsinnig. Das ist ein stolzer Tag für Deutschland. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft mindestens zehn gute Chancen gehabt, deshalb ist der Sieg verdient", lobte DFB- Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der dem Frauen-Fußball eine "tolle Entwicklung" bescheinigte. Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag übermittelte unmittelbar nach Spielschluss die Glückwünsche von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der das erfolgreiche Team spontan zu sich einlud. Maren Meinert wollte erst einmal nur "schön feiern": "Das haben wir uns jetzt verdient." Und Tina-Theune Meyer, die als erste Frau eine Mannschaft zum WM-Titel führte, empfand einfach nur "Freude pur".

26.173 Zuschauer

Mit dem Sieg vor 26.173 Zuschauern im Home Depot Center gelang Bettina Wiegmann zugleich die Krönung ihrer einzigartigen Karriere. Die 32-Jährige vom FFC Brauweiler zog in ihrem 154. und letzten Länderspiel wie gewohnt die Fäden bei der deutschen Mannschaft, die nach 23 Toren im Turnierverlauf aber ausgerechnet im Finale zahlreiche hochkarätige Chancen vergab und bis zum Ende um den knappen Erfolg bangen musste.

In der Spitze blieb Birgit Prinz, mit sieben Treffern erfolgreichste Torschützin des WM-Turniers, bei ihren zahlreichen Einschussmöglichkeiten glücklos oder fand in der überragenden schwedischen Keeperin Caroline Jönsson ihre Meisterin. Auf der Gegenseite verfügten die Schwedinnen, die von elf Länderspielen gegen Deutschland bislang fünf für sich entschieden hatten, mit den flinken Victoria Svensson und Ljungberg über ein Sturm-Duo der Extraklasse.

Nervöser Auftakt

Trotz fünf Turniersiegen, die mit eindrucksvollen 23:3 Toren errungen wurden, konnten die deutschen Spielerinnen im Finale zu ungewohnt früher Stunde (10.00 Uhr Ortszeit) ihre Nervösität lange Zeit nicht ablegen. Gegen die bisweilen hart einsteigenden Skandinavierinnen, die auf dem Weg ins Finale Kanada mit 2:1 ausgeschaltet hatten, fand das Team nur schwer seinen Rhythmus.

Kalte Dusche der Schwedinnen

Es dauerte bis zur 25. Minute, ehe Birgit Prinz nach einer flachen Hereingabe von Turnier-Entdeckung Kerstin Garefrekes den ersten Schuss auf das Tor der Schwedinnen abgab. Sechs Minuten später zielte die beste WM-Torschützin aus spitzem Winkel knapp vorbei. Die größte Möglichkeit der Frankfurterin vor der Pause machte die schwedische Torhüterin Caroline Jönsson (36.) mit einer Glanzparade zunichte. Vier Minuten vor dem Seitenwechsel traf die deutsche Mannschaft das 0:1 wie eine kalte Dusche: Nach einem präzisen Pass von Svensson lief Ljungberg allein auf Silke Rottenberg zu und überwand die bisher im Turnierverlauf überragende Torfrau vom FCR Duisburg.

Chancen auf beiden Seiten

Doch nur 43 Sekunden nach Wiederbeginn brachte Meinert die deutsche Mannschaft ins Spiel zurück. Auf Zuspiel von Prinz traf die 30-Jährige, die ebenfalls nach der WM ihre internationale Karriere beendet, zum Ausgleich. Von diesem Treffer beflügelt, fand der Favorit zu jenem druckvollen Spiel, das ihn während des Turniers ausgezeichnet hatte. Chancen ergaben sich nun fast im Minutentakt. In der 58. Minute verhinderte Jönsson beim Schuss von Wiegmann eine deutsche Führung, wenig später rettete die schwedische Torfrau mit einem Reflex gegen den Kopfball von Ariane Hingst (60.). Wieder zwei Minuten später schoss Pia Wunderlich nach Querpass von Prinz freistehend über das Tor. Doch die Skandinavierinnen gaben sich noch nicht geschlagen. Sechs Minuten vor dem Ende verhinderte die zur besten Torhüterin des Turniers gewählte Rottenberg gegen Ljungberg sogar das drohende 1:2.

Ulli Brünger, dpa / DPA

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