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Frauenfußball: Wiegmann holt Lothar Matthäus ein

Bettina Wiegmann schreibt Fußballgeschichte: Im WM-Spiel gegen Japan am Mittwoch wird die Spielführerin der deutschen Nationalmannschaft ihr 150. Länderspiel absolvieren. Sie stellt damit den Rekord von Lothar Matthäus ein.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) muss seine Geschichtsbücher überarbeiten. Bettina Wiegmann bestreitet bei der 4. Frauen-Weltmeisterschaft am Mittwoch (23.45 Uhr MESZ/ARD) in Columbus gegen Japan ihr 150. Länderspiel und stellt damit den Rekord von Lothar Matthäus ein. Drei Tage später kann sich die 31 Jahre alte Mittelfeldspielerin gegen Argentinien sogar die alleinige Bestmarke sichern. „Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Im Moment ist die 150 nur eine Zahl, weil für mich der Erfolg der Mannschaft bei der WM wichtiger ist", sagt Wiegmann, ergänzt aber: „Es ehrt mich natürlich, in einem Atemzug mit Lothar Matthäus genannt zu werden.“

"Brauche keinen großen Trubel"

Typisch Wiegmann. Nur kein Aufsehen, kein Rampenlicht, keine Lobeshymnen. Dabei hätte sie das alles verdient. Wie keine andere. Wäre sie ein Mann, hätte sie Millionen auf dem Konto, wäre ein gefeierter Superstar und könnte sich vor Interview-Wünschen nicht retten. "So ist es mir lieber. Ich bin ein ruhiger Typ und brauche keinen großen Trubel."

Erfolge

Das Turnier in den USA ist bereits ihre vierte WM. Vier Mal wurde sie Europameisterin, gewann Olympia-Bronze 2000 und WM-Silber 1995. Seit ihrem Debüt im DFB-Trikot 1989 beim 0:0 gegen Ungarn ist sie aus der Nationalelf nicht wegzudenken.

"Fußball macht mir einfach Spaß"

"Bettina ist der absolute Kopf des Teams, die effektivste Spielerin. Sie muss kein Wort sagen und bestimmt trotzdem das Geschehen", beschreibt Cheftrainerin Tina Theune-Meyer die Qualitäten ihrer Spielführerin, die als Sechsjährige beim Kicken mit den Jungs auf dem Bolzplatz im Heimatort Eiserfey in der Eifel vom Fußball-Virus befallen wurde.

Abgesehen von ihrem zweijährigen Intermezzo bei den Boston Breakers in der US-Profiliga WUSA ("Eine wertvolle Erfahrung") verdiente die Kommunikationselektronikerin mit Fußball kaum einen Cent. Pure Leidenschaft treibt die gebürtige Euskirchenerin auch nach 14 Jahren noch an. «Fußball macht mir einfach immer noch Spaß.»

Ende der Karriere nach der WM

Dass ihre Laufbahn nur noch maximal drei Wochen dauert, habe sie noch gar nicht realisiert. "Im Moment denke ich nicht daran, weil ich noch sehr konzentriert bin auf diese WM." Doch danach soll Schluss sein, und sie will sich ganz der Aufgabe als Trainerin beim Fußball- Verband Mittelrhein widmen, die sie im Janaur übernahm. "Das ist ein Traumjob. Es ist toll, mit den Mädchen zu arbeiten." Die Fußball- Lehrerlizenz erwarb sie vor drei Jahren beim Sonderlehrgang des DFB gemeinsam mit Kollegen wie Jürgen Kohler und Matthias Sammer.

Doris Fitschen, die bei der WM die DFB-Auftritte als ARD-Expertin begleitet, graut schon vor dem Rücktritt der langjährigen Teamkollegin: "Sie ist eine Ausnahmefußballerin und hat alles, was man sich wünschen kann: Technik, Spielübersicht, Kopfballstärke. Wenn Bettina aufhört, ist das ein großer Verlust. Man kann sie nicht ersetzen."

Der Traum vom WM-Titel

Bevor sie sich selbst endgültig vom Platz holt, will Bettina Wiegmann die WM "in vollen Zügen genießen", sich ihren letzten großen Traum als Aktive erfüllen und ihre Karriere krönen: "Mit dem WM-Titel am 12. Oktober abzutreten, wäre ein großartiger Abschluss." Das Auftaktspiel am Samstag gegen Kanada verlief bereits vielversprechend. Mit 4:1 besiegten die deutschen Frauen die Mannschaft aus Übersee souverän. Wiegmann erzielte mit einem sicher verwandelten Handelfmeter kurz vor Halbzeit den wichtigen Ausgleich zum 1:1. Erst danach setzte sich die spielerische Überlegenheit des Teams um Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer durch.

Ulli Brünger, dpa / DPA

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