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WM-Feier: Deutschland feiert seine Heldinnen

Traumquote im Fernsehen, tausende jubelnde Fans auf dem Frankfurter Römer, Einladung ins Kanzleramt: Deutschland feiert seine WM-Heldinnen. Und Roland Koch will sogar Frauen in der Bundesliga mitspielen lassen. Boom oder Eintagsfliege?

Die Uhr stand auf 10.36, als die deutschen WM-Heldinnen wieder heimischen Boden betraten. Zu dieser Zeit warteten bereits tausende Fans auf dem Frankfurter Römer, um die neuen Lieblinge der Nation zu feiern. Bettina Wiegmann trug den Pokal in der Hand, als sie als Erste dem Flugzeug entstieg. "Wir sind alle überwältigt. Es ist ein Traum wahr geworden, als Weltmeister nach Deutschland zurückzukehren", sagte die Rekordnationalspielerin, immer noch überwältigt von den Ereignissen der letzten 48 Stunden. "Das ist unglaublich. Das hätten wir uns nicht träumen lassen", gab die sichtlich ergriffene Trainerin Theune-Meyer zu. Und auch Co-Trainerin Silvia Neid befand begeistert: "Das ist etwas ganz besonderes."

"Wir waren halt einen Tick besser"

Am selben Ort, wo letzten Sommer ihre männlichen Kollegen den inoffiziellen Titel des Vizeweltmeisters feierten, ließen sich die Weltmeisterinnen feiern und trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Und konnten sich leichte Spitzen gegen Rudis Truppe nicht verkneifen: "Wir waren halt einen Tick besser. So ist das halt", meinte Top-Stürmerin Birgit Prinz übermütig, während die Fans "So seh’n Sieger aus" skandierten. So sahen es auch die deutschen Zuschauer: Auch im direkten TV-Duell gewannen Theune-Meyers Mädels gegen Rudis Männertruppe. 13,58 Millionen Fans zitterten mit den deutschen Fußballfrauen, gut eine Million mehr als einen Tag vorher beim entscheidenden EM-Qualispiel gegen Island.

Löst der WM-Titel einen dauerhaften Boom im Frauenfußball aus?

Politiker entdecken den Frauenfußball

Dass die neuen Helden der Nationen nicht nur Kahn oder Ballack, sondern Prinz, Rottenberg und Künzer heißen, haben auch die Politiker erkannt - immer auf der Suche nach der Stimmung im Volk.

Johannes Rau ("Das ist ein großer Tag für den deutschen Fußball") und Gerhard Schröder ("Ich freue mich, dass diese gewonnene Weltmeisterschaft zur weiteren Stärkung des Frauen-Fußballs in Deutschland beiträgt.") gehörten zu den prominentesten Gratulanten. Letzterer wollte die weiblichen Sportskameraden auch ins Kanzleramt einladen. Ob sich zwischen all den Reformterminen allerdings ein Termin finden lässt, blieb zunächst offen.

Koch will Frauen in der Bundesliga sehen

Da wollte Roland Koch nicht nachstehen, und sprach sich in der "Bild"-Zeitung dafür aus, auch Frauen in der Bundesliga der Männer mitspielen zu lassen. Dadurch würde der Fußball "spielerischer und fairer". Auch der FDP- Fraktionschef Kubicki ist sich sicher, dass sich durch eine solche Maßnahme "die Attraktivität des Spieles" steigen würde. Bisher dürfen laut DFB-Statuten die Mädchen nur bis zur C-Jugend in einem Team mit Jungen spielen. Danach sind keine gemischten Mannschaften mehr erlaubt.

Ist der Boom dauerhaft?

Ob der neue Boom beim Frauenfußball dauerhaft oder nur eine Eintagsfliege ist, muss sich allerdings noch zeigen. Vieles spricht dafür, dass Rudi Völlers Spieler ihren Kolleginnen in den Medien auch künftig den Rang ablaufen werden. Mögen Fußball-Fans noch so sehr das Ballgefühl der Damen loben: Die Männerbastion Fußball ist noch nicht gefallen.

Werbewirtschaft bleibt noch skeptisch

"Die Frauen betreten ein durch und durch männliches Terrain", sagt der Oldenburger Sportsoziologe Thomas Alkemeyer. Die Mischung aus Zweikampf und körperlicher Nähe ziehe seit mehr als hundert Jahren vor allem Männer in ihren Bann. Auch die Werbewirtschaft bleibt erst einmal skeptisch. Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, sieht die Fußballerinnen nicht auf dem Weg zu großen Werbestars. "Werbung ist das Spiegelbild der Gesellschaft, und da ist Frauenfußball noch nicht vollständig akzeptiert."

Auch Hoeneß sieht sich als Frauenfreund

Auch der unvermeintliche Uli Hoeneß hat sich zu Worte gemeldet und Zweifel an einem künftigen Popularitätsschub für den Frauenfußballs geäußert. "Ich war immer schon ein Freund von Frauenfußball. Ich bin begeistert von der Qualität", sagte Hoeneß am Dienstag in München. Doch am Ende stelle sich die Frage, wie groß das Interesse der Zuschauer auch im Liga-Alltag sei.

Christoph Marx/dpa / DPA

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