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Interview mit Otto Rehhagel: "Es war ein Tanz auf der Rasierklinge"

Griechenlands Viertelfinaleinzug war auch ein persönlicher Triumph für Otto Rehhagel: In einem Interview spricht das "Kind der Bundesliga" über das Herzschlagfinale und die weiteren Chancen.

Ihr in den ersten beiden Spielen noch sehr souverän und abgeklärt auftretendes Team hätte seine tolle Ausgangssituation beinahe verspielt. War der Druck zu groß?

Otto Rehhagel: "Die Mannschaft war auf Grund der Tatsache, dass der höchste Preis des Fußballs heute zu vergeben war, am Anfang ein bisschen gelähmt. Das 0:2 war eine ganz gefährliche Situation, aber meine Jungs haben wieder alles gegeben und dagegen gehalten. Es war ein Tanz auf der Rasierklinge."

Haben Sie mit einer so starken russischen Mannschaft gerechnet, obwohl es für diese um nichts mehr ging?

Rehhagel: "Ich wusste, dass die Russen nach den beiden Niederlagen mächtig in der Kritik standen. Ich war deshalb aufgeregt, weil ich auch wusste, was auf uns zukam. Mit Werder Bremen habe ich viele Spiele gegen russische Mannschaften gemacht. Wenn wir gegen Spartak Moskau in der Halle gespielt haben, dabei haben wir manchmal keinen Ball gesehen."

Was bedeutet dieser historische Einzug in die Runde der besten Acht in Europa für das Land, in dem Sie nun seit dem Sommer 2001 arbeiten?

Rehhagel: "Der griechische Fußball hat heute einen unheimlichen Imagegewinn erzielt. Als ich dort angefangen habe, gab es keine Strukturen. Nun sind meine Jungs Vorbilder - und das müssen wir nutzen. Wir müssen diesen tollen Erfolg mitnehmen. Es ist auch eine Sensation, dass ich seit drei Jahren dort arbeite - das hätte doch keiner für möglich gehalten."

Was bedeutet der Erfolg Ihnen persönlich?

Rehhagel: "Alle meine Erfolge haben einen besonderen Stellenwert - in bestimmten Zeiten und mit bestimmten Menschen. Allerdings: Früher haben die deutschen Journalisten immer gesagt, der (Rehhagel) kann nur in Bremen arbeiten. Ich kann überall arbeiten. Das habe ich gezeigt."

Was trauen Sie Ihrem Team bei diesem Turnier noch zu?

Rehhagel: "Die Mannschaft muss sehen, dass sie hier etwas Großes geschafft hat. Und sie kann jetzt noch viel mehr leisten. Alle Gegner, die jetzt kommen, sind mehr als angenehm für uns. Wir haben nichts mehr zu verlieren. Wir haben alles gewonnen."

DPA / DPA
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