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Länderspiel: Die Bank von England

Englands Stars Lampard, Gerrard und Rooney sind gegen Deutschland aus zum Teil fadenscheinigen Gründen nicht dabei. Dem Kapitän der "Three Lions", John Terry, könnte das nicht passieren. Terry verkörpert wie kein Zweiter Englands Stärke. Klose und Helmes müssen an einem Überprofi vorbei (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker).

Von Klaus Bellstedt, Berlin

Die Liste der verletzten Spieler auf Seiten Englands scheint nicht abzureißen: Rio Ferdinand, Joe und Ashley Cole, Steven Gerrard, Frank Lampard, Wayne Rooney, Emile Heskey. Sie alle waren erst gar nicht nach Berlin mitgereist. Und jetzt also auch noch Theo Walcott. Arsenals Wunderstürmer verletzte sich beim Abschlusstraining der "Three Lions" am Dienstagabend im Olympiastadion so schwer an der Schulter, dass er im ewigen Klassiker zwischen Deutschland und England ebenfalls nicht mitwirken kann.

Die englischen Medien reagieren teilweise mit Hohn auf die Absagenflut. "Freie Stelle! Wer Lust hat gegen Deutschland zu spielen, bitte dringend beim Verband melden", verspottet zum Beispiel die "Sun" das eigene Team. So ganz nimmt man drüben auf der Insel vor allem den Herren Gerrard und Lampard ihre Verletzungen nicht ab. Man vermutet, dass die in England als "Senior Players" bezeichneten Führungsspieler ihre Verletzungen nur vorgeschoben haben, um Kräfte für die anstehende Champions-League-Woche zu schonen.

Bent und Defoe im Sturm

Fabio Capello, der Coach der Engländer, musste sich denn auch auf der Abschlusspressekonferenz am Dienstagabend eine Reihe zahlreicher unangenehmer Fragen gefallen lassen. Immer wieder löcherten die englischen Journalisten den fast schon bemitleidenswerten Trainer, der den latenten Verdacht so richtig auch nicht ausräumen konnte.

Wie dem auch sei: England wird auch ohne Lampard und Co. eine schlagkräftige Truppe gegen Deutschland aufs Feld schicken. Eine Truppe gespickt mit jungen Spielern wie Darren Bent, dem Premier-League-Torschützenkönig von 2005, der vor der Saison für die Rekordsumme von 24,5 Millionen zu Tottenham wechselte. Sein Sturmkollege Jermain Defoe vom FC Portsmouth, 26, erzielte in der besten Liga der Welt insgesamt 66 Treffer. Mertesacker und Westermann sollten gewarnt sein.

"Nichts besseres als für sein Land zu spielen"

Die deutschen Abwehrrecken sind also in Alarmbereitschaft, aber richtig fürchten muss sich Löws Offensivabteilung. Klose und Helmes müssen Mittwochabend an einem König vorbei, an einem Überprofi. An John Terry, dem Kapitän der Engländer. Terry ist der Turm in der Schlacht, Terry ist der absolute Führungsspieler im Kader von Trainer Fabio Capello, und Terry umgibt eine Aura der ganz besondern Art. Bei seinem Club, dem FC Chelsea, ist es natürlich John Terry, der für die sagenhafte Abwehrbilanz hauptverantwortlich ist: erst vier Gegentore! Das klingt nach Zweikampfstärke in der Luft und am Boden, nach Übersicht, Disziplin - und genau das ist Terry, der auf der Insel neben Lampard, Gerrard und Rooney zu den Fab Four im englischen Fußball der Gegenwart gehört.

Der Boss der "Three Lions", der hinten so sicher wie die Bank von England steht, wird gegen Deutschland die Jungspunde wie Downing, Barry und Carrick an die Hand nehmen und sie führen. "Es gibt nichts besseres als für sein Land zu spielen, ich liebe das", diktierte Terry am Dienstag den ehrfürchtig lauschenden Journalisten zum Ende der Fragestunde noch in die Blöcke. Seine Augensprache verriet dabei, dass er es Ernst meint. Gerrard, Lampard und wie sie alle heißen, sie könnten sich ruhig eine Scheibe von ihrem Skipper abschneiden...

Die deutsche Aufstellung:

Adler - Friedrich, Mertesacker, Westermann, Compper - Schweinsteiger, Jones, Rolfes, Trochowski - Klose, Gomez

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