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Michael Ballack Der Boss ist zurück


Gegen FC Valencia in der Champions League spielte Michael Ballack erstmals in dieser Saison durch. Es war ein glanzvoller Auftritt des ehemaligen Nationalmannschaftskapitäns. Ballack ist in Leverkusen angekommen. Er ist wieder der Anführer.
Von Klaus Bellstedt

Da stand er nun im TV-Studio von "Sky" und ließ die kleine Stichelei des Moderators müde lächelnd über sich ergehen. Der Fernsehmann hielt den Spielberichtsbogen der Partie zwischen Leverkusen und Valencia in die Kamera: "Hier steht’s Michael Ballack, endlich mal 90 Minuten durchgespielt. Wie war es denn so?" Der 35-Jährige hat sich schon lange abgewöhnt, das Wort in eigener Sache zu ergreifen - zumal nach so einer Leistung. So sprach Ballack nach dem 2:1-Sieg über die Spanier ruhig und sachlich lediglich über die Vorstellung seiner Mannschaft - und eben nicht über seinen ersten Auftritt in dieser Saison über die volle Distanz.

"Man hat gespürt, dass wir noch nicht gefestigt sind wie eine Mannschaft wie Valencia, die schon Champions-League-Erfahrung hat. Das hat uns beeindruckt, darf es aber nicht." Wer das Spiel vorher nicht gesehen hatte, der hätte nach diesen Äußerungen leicht den Eindruck gewinnen können, dass Leverkusen das Match verloren hatte. Bayer gewann aber mit großer Moral dieses dritte Gruppenspiel in der Königsklasse. Und das lag in erster Linie an Michael Ballack.

Leverkusens zuletzt in die Kritik geratener Trainer Robin Dutt hatte Ballack gegen Valencia auf der zentralen offensiven Mittelfeldposition aufgeboten. Die Erfahrung gab den Ausschlag für den Routinier in dessen 90. Champions-League-Spiel. Zugegeben: Bayer und Ballack fanden im Großteil der ersten Hälfte nur wenig statt. 0:1 lag die Werkself zur Pause zurück. Es folgte eine wundersame Wende und Ballacks bestes Spiel seit der Rückkehr vom FC Chelsea.

Ballack lange unglücklich in Leverkusen

Er war der Feldherr auf dem Platz: dominant, immer anspielbar und torgefährlich. An beiden Treffern war Ballack beteiligt. Vor dem 1:1 durch André Schürrle gewann Ballack eigenen Strafraum den entscheiden Zweikampf. Den Siegtreffer von Sam leitete Ballack mit einem perfekten Pass direkt in den Lauf des Sprinters ein. Der "Capitano" dirigierte das Bayer-Spiel mit seiner unmissverständlichen Körpersprache wie in besten Zeiten, beruhigte seine Teamkollegen und trieb sie immer wieder an.

Michael Ballack war lange Zeit unglücklich in Leverkusen. Das lag auch am Trainer. Robin Dutt hatte in Bezug auf seine frühere Reservistenrollen vor ein paar Wochen mal gesagt: "Wer für einen Champions-League-Club wie Bayer Leverkusen spielt, für den ist es eine Ehre, auf der Bank sitzen zu dürfen." Ballack hat nie ein Wort darüber verloren. Aber es muss ihm weh getan haben. Dutt hat längst Fehler im Umgang mit dem ehemaligen Nationalspieler eingestanden und seine Aussagen revidiert. "Natürlich muss es für Michael Ballack keine Ehre sein, auf der Bank zu sitzen. Das war nie die Intention mit diesem Satz. Das hätte man sicherlich etwas geschickter ausdrücken können", sagte er "Sky".

Mittlerweile ist Michael Ballack in der Mannschaft voll angekommen. Nach seinem Tor in der Champions League gegen den KRC Genk fand sich der Mittelfeldspieler in der Startelf wieder und stach sowohl gegen den VfL Wolfsburg (3:1) als auch bei Borussia Mönchengladbach (2:2) als einer der besten Leverkusener heraus. Jetzt folgte die nächste starke Leistung in der Partie gegen Valencia. Wie wichtig der wiedererstarkte Boss ist, beweisen auch die Zahlen: Ballack hat durchschnittlich die meisten Ballkontakte bei Bayer. Der 35-Jährige wird von seinen Mitspielern wieder gesucht. Für einen sensiblen Spieler wie ihn ist das enorm wichtig.

Großes Lob für Robin Dutt

Aber Ballack ist als Anführer nicht nur im Team angekommen. Auch die Beziehung zum Trainer ist so intakt wie noch nie. Als die meisten Zuschauer nach dem Sieg über Valencia die BayArena längst verlassen hatten, fielen sich der Boss auf dem Platz und Robin Dutt freudetrunken in die Arme. Der Coach klopfte dem Routinier immer wieder anerkennend auf die Schulter, und beide hüpften wie Kinder nach der Bescherung auf dem Rasen herum. "In der zweiten Hälfte hat sich die Erfahrung von Michael ausgezahlt. Er hat ein ganz starkes Spiel gemacht", sagte Dutt.

Ballack selbst, der die letzten Minuten sichtlich von Krämpfen geplagt worden war, gab das Lob höflich zurück: "Robin Dutt ist der Hauptverantwortliche, der die Mannschaft führt, sie einstellt und der natürlich die Marschrichtung vorgibt. Und er lebt das vor. Man hat heute gesehen, wie er, gerade nach dem Rückstand, die Mannschaft minütlich nach vorne gepeitscht hat, auch in der Kabine." Über die eigene Leistung wollte Ballack auch zum Ende der kleinen Talkrunde im "Sky"-Studio partout nicht sprechen. "Wir sind eine gute Mannschaft, und der Trainer ist auch gut." Dann entschwand er - immer noch mit einem coolen Lächeln im Gesicht. Der Boss ist zurück.


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