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Presseschelte: "Ballack erneut armselig"

Michael Ballack weht auf der Insel ein stürmischer Wind entgegen. Teile der Chelsea-Fans sowie die britische Presse haben sich auf den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft eingeschossen. Der Grund: seine schlechte Leistung gegen Newcastle.

Von Klaus Bellstedt, London

Die Stimmung im engen Pressesaal von Chelsea London war angespannt. Zwar hatten die "Blues" Newcastle United quasi auf der Zielgeraden so gerade noch niedergerungen, aber die Leistung der Abramowitsch-Truppe ließ wieder einmal zu wünschen übrig. Trainer-Guru Mourinho wirkte nach der Partie nicht so souverän wie sonst. Vielleicht war er aber auch nur verärgert über die Frage eines englischen Journalisten. Der wollte vom Portugiesen wissen, ob Michael Ballack nach seinem schwachen Auftritt auch weiterhin unantastbar sei. Mourinhos gleichsam deutliche wie gereizte Antwort lautete: "Yes, he is untouchable."

Bei den Fans ist das Michael Ballack spätestens seit Mittwochabend nicht mehr. Teile der Chelsea-Anhängerschaft verhöhnten den Kapitän der Nationalmannschaft, als er in der zweiten Halbzeit das Spielgerät aus aussichtsreicher Position auf den Oberrang des altehrwürdigen Stadions an der Stamford Bridge drosch. Und in der Tat: Ballacks Leistung auch über die gesamten 90 Minuten betrachtet, gab den Zuschauern niemals Anlass zu Begeisterungsstürmen. Zu bieder, zu pomadig und manchmal auch zu umständlich agierte der Mittelfeldspieler. Auf der Tribüne fiel sogar das Wort "Fremdkörper".

Mourinho verteidigt Ballack

Die britische Presse nahm am Folgetag Ballacks schwache Vorstellung zum Anlass, wieder einmal kräftig auf den Chelsea-Neuzugang einzudreschen. "Mit jedem weiteren Spiel wirken die 130.000 Pfund Wochengehalt wie purer Wucher", schreibt der "Daily Mirror". "Ballack enttäuscht schon wieder", heißt es in der "Daily Mail". Das Boulevard-Blatt "The Sun" wird noch deutlicher: "Ballack erneut armselig." Schon vor Wochen musste Michael Ballack ähnlich harte Kritik von den Medien einstecken, als er im Spitzenspiel bei Manchester United ihrer Meinung nach allzu sehr untertauchte.

Dass der mitunter deftige englische Boulevard gerne austeilt, ist bekannt - und dürfte Michael Ballack im Zweifel nicht weiter stören. Problematisch könnte es für den Ex-Bayern-Spieler allerdings dann werden, wenn die Chelsea-Fans sich weiter von ihm abwenden. Sein Trainer, Jose Mourinho, ging diesbezüglich direkt nach dem Spiel gegen Newcastle auf Konfrontationskurs mit der eigenen Anhängerschaft: "Nicht die Fans, ich stelle das Team auf", empörte sich der Coach über die Pfiffe gegen seinen Spieler. Trotz der totalen Rückendeckung durch Jose Mourinho steht fest: Michael Ballack braucht jetzt dringend einen überzeugenden Auftritt im Trikot der "Blues". Ansonsten könnte es für ihn auf der Insel ein ungemütliches Weihnachtsfest werden.

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