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Schalkes Triumph gegen Inter Mailand: Die Befreiung des FC Schalke

Fit gemacht hat er sie, ansonsten war der Abgang von Felix Magath das Beste, was den Spielern des FC Schalke passieren konnte. Sie feiern mit dem Triumph in Mailand die Befreiung aus dem Regiment Magath - und den Auftakt eines möglicherweise goldenen Frühlings.

Von Daniel Theweleit, Mailand

Es war ein hinreißender Sieg, doch für die große Feier blieb den Schalkern keine Zeit. Schließlich sollen dem 5:2 bei Inter Mailand noch weitere spektakuläre Darbietungen folgen. Wie üblich, wenn gegen Saisonende Highlight auf Highlight folgt, wurde in den Ansprachen noch in der magischen Nacht von San Siro vorausgeblickt. Natürlich auf das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale am kommenden Mittwoch, da geht es, darum eine allzu hohe Niederlage zu vermeiden. Die interessantere Herausforderung scheint für die Spieler zunächst aber das Begleichen einer alten Rechnung zu sein.

Schalke will helfen, seinen ehemaligen Trainer Felix Magath in die Zweite Liga zu befördern. Jedenfalls habe sich das Team sich bereits auf einen Sieg gegen Magaths Wolfsburger am Samstag eingeschworen, wurde aus der Kabine übermittelt. "Er kommt am Samstag mit Wolfsburg zurück nach Schalke, da müssen wir die schon weg hauen", sagte Hans Sarpei, der besonders unter den umstrittenen Umgangsformen des alten Trainers zu leiden hatte.

Dabei lieferte der Triumph von San Siro durchaus Argumente für die Magathfreunde, die sagen Schalke profitiere gerade von der Hinterlassenschaft des eigenwilligen Trainermanagers. Der Kader ist zwar unausgewogen, aber qualitativ hochwertig besetzt und in einer überaus guten körperlichen Verfassung. Vor allem aber trägt Magath die Verantwortung für die wohl wichtigste Kraft, die dem grandiosen Schalker Erfolg zu Grunde liegt: Die Spieler sind befreit - weil er weg ist.

Leistungsträger aus dem Nichts

"Es liegt am Umgang, den wir jetzt untereinander haben", versuchte Torhüter Manuel Neuer die unglaublich engagierte und leidenschaftliche Leistung zu erklären. Das Team ist insgesamt elf Kilometer mehr gelaufen als die Titelverteidiger aus der Lombardei, Leute wie Edu, Alexander Baumjohann oder Sarpei, die unter Magath zeitweise ins Schalker Amateurteam abgeschoben worden waren, sind wie aus dem Nichts zu Leistungsträgern eines Champions-League-Viertelfinalisten geworden.

Zudem hatte Rangnick mit seiner Offensivtaktik den richtigen Einfall. Er hat Edu zum Zentrumsstürmer gemacht, José Manuel Jurado und Kyrgiakos Papadopoulos wurden innerhalb weniger Tage in strategisch geschickte defensive Mittelfeldspieler verwandelt. Außerdem hat sich die gesamte Mannschaft vom faszinierenden Ambiente des Wettbewerbs und von der Atmosphäre des Stadions verzaubern lassen. Der wichtigste Faktor für den Schalker Frühling ist aber vermutlich die Befreiung aus dem Regiment des Felix Magath.

Beste Voraussetzungen für eine goldene Zukunft

Diese Kraft wird allerdings in absehbarer Zeit nachlassen, und deshalb ist schwer zu sagen, wie stark diese Schalker Mannschaft wirklich ist. Doch die Voraussetzungen für eine bessere Zukunft sind so gut wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Es ist dem Klub gelungen, die Magath-Ära auch finanziell halbwegs glimpflich abzuschließen, der Kader ist zwar heterogen, könnte sich mit einigen geschickten Transfers aber hochwertig komplettieren lassen. Sportdirektor Horst Heldt und Trainer Ralf Rangnick sind für ihre fachlich kompetente und nachhaltige Arbeit bekannt, und das Geld sprudelt.

Denn in der Champions-Leauge ist der Halbfinal-Einzug so gut wie sicher, der Gewinn des DFB-Pokals ist möglich, rund 40 Millionen Euro würde der Klub mit dem Erreichen der Runde der besten vier Mannschaften des Kontinents allein im Europapokal verdienen. Schalke profitiert davon, dass die Bremer früh und die Bayern im Achtelfinale ausgeschieden sind. Die gemeinhin erwarteten Verkäufe von Manuel Neuer und Klaas-Jan Huntelaar könnten weitere 25 Millionen Euro in die Schalker Kassen spülen. Damit ließen sich die nötigen Verstärkungen problemlos finanzieren, und vielleicht könnten sogar ein paar Rücklagen gebildet werden. Es wäre ein ganz neues Gefühl für die Schalker.

Für die Spieler sind das aber vorerst Marginalien, sie haben begonnen, vom ganz großen Coup zu träumen: von der Finalteilnahme in der Champions League. "Jetzt kommt die Zeit, in der die Preise verteilt werden, und wir scheinen da ordentlich mithalten zu können", sagte Christoph Metzelder, der nach seinem Nasenbeinbruch am Samstag gegen Wolfsburg wieder mitwirken wird. Es scheint, als habe Ralf Rangnick einen historisch günstigen Moment gewählt für seine Rückkehr.

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