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Sexismus im englischen Fußball "Hol' die Titten raus für die Jungs"


Eva Carneiro ist Mannschaftsärztin beim FC Chelsea. Ihre Einsätze auf dem Rasen werden von widerlichen Fangesängen begleitet. Großbritannien debattiert über Sexismus im Fußball.

Die Szene ist eindeutig. In einem Youtube-Video ist zu hören, wie Fans des englischen Clubs Manchester United singen: "Get your tits out for the lads" (Hol deine Titten raus für die Jungs). Sie tun das in dem Moment, als Eva Carneiro, Mannschaftsärztin des FC Chelsea, mit ihren Assistenten am Spielfeldrand an den Anhängern vorbeiläuft, nachdem sie offensichtlich gerade einen Spieler behandelt hat. In einer zweiten Szene singen Fans von Arsenal London, als Carneiro ihrer Arbeit auf dem Rasen nachgeht: "Have you ever had a Gooner [Arsenal fan] up your ass" (Hast Du jemals einen Gooner in Deinem Arsch gehabt)?

In der vergangenen Woche hatte die BBC das Video gezeigt und damit auf der Insel eine heftige Sexismus-Debatte im Fußball ausgelöst. Das Video war bei Youtube eingestellt worden. Frauen vom Netzwerk Women in Football, die auch bei der BBC arbeiteten, hatten ihren Arbeitgeber auf das Video aufmerksam gemacht.

Der FC Chelsea reagierte umgehend: "Wir nehmen 'Gleichberechtigung' sehr ernst und verabscheuen alle Formen der Diskriminierung. Das schließt Sexismus ein. Ein derartiges Verhalten ist nicht hinnehmbar, und wir wollen es ausgelöscht sehen", verkündete der Club in einem Statement.

Das Problem ist: Eva Carneiro, die seit vier Jahren als Teamärztin der ersten Mannschaft von Chelsea arbeitet, ist nur ein Beispiel für den alltäglichen Sexismus, denen Frauen als Fans, Schiedsrichterinnen oder Journalistinnen ausgesetzt sind. Allein in dieser Saison wurden von Women in Football und Kick it out 25 Vorfälle gezählt.

Eine Schiedsrichterin berichtete anonym, dass sie nicht mehr weiß, wie oft Spieler ihr Geschlecht kommentierten: "Es kommt immer etwas im Rahmen von 'Schöne Beine, Referee' oder 'Schöner Hintern'. Einer fragte sogar, wie ich während des Spiels meine 'Titten warmhalte'."

Women in Football hat mit anderen Gruppen deswegen jetzt eine Kampagne gestartet. Unter dem Hashtag ShameOnTheGame sollen Opfer und Zeugen von sexistischen Beleidigungen berichten. Denn im Gegensatz zum Rassismus, den der englische Fußball-Verband energisch bekämpft, ist offener Sexismus bislang kein Thema gewesen. Auch die britische Sportministerin Helen Grant will Maßnahmen ergreifen, um das Übel zu bekämpfen.

Tim Schulze

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