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Was meinen Strunz?: Katastrophaler Kevin Kuranyi

Was für ein toller Europapokalabend für den FC Schalke 04. Die Knappen stehen im Viertelfinale der Champions League und haben beim Thriller von Porto mächtig Sympathiepunkte sammeln können. Nur einer nicht: Kevin Kuranyi. stern.de-Experte Thomas Strunz rechnet mit dem Möchtegern-Führungsspieler gnadenlos ab.

Schalke steht im Viertelfinale der Champions League und es gibt drei Gewinner dieses denkwürdigen Abends im Estadio de Dragao in Porto:

1. Mirko Slomka. Der wurde in den letzen Tagen von allen Seiten, insbesondere aus den eigenen Reihen (Präsident Schnusenberg, Aufsichtsrat-Chef Tönnies, Kapitän Bordon) attackiert. Von den Medien wurde Slomka doch längst zum Abschuss freigegeben. Ich freue mich persönlich sehr für ihn, dass ihm dieser Sieg nun gelungen ist. Slomka strahlt nach außen hin eine unglaubliche Souveränität und Ruhe aus, er geht seinen Weg konsequent weiter. Die Art und Weise, wie er mit den Angriffen auf seine Person und seine Autorität umgeht, beeindruckt mich nachhaltig. Ich hoffe sehr, dass er weiter auf Schalke arbeiten darf.

2. Manuel Neuer.

Zuletzt auch schwer in der Kritik, avancierte der junge Keeper in Porto zum Matchwinner. Mit teilweise unfassbaren Reaktionen hielt er sein Team bereits in der regulären Spielzeit in der Partie. Die Krönung seines Torwartspiels waren dann die beiden sehr gut gehaltenen Elfmeter im Elfmeterschiessen.

3. Der deutsche Fußball.

Die Bundesliga ist auch im Viertelfinale der Königsklasse noch dabei - wenn auch nur mit einer Mannschaft. Aber das ist eben ganz wichtig, ein vollständiges Verschwinden von der Bildfläche, jetzt, wo es im internationalen Fußball doch erst richtig interessant wird, wäre fatal gewesen. Und wer weiß, mit etwas Glück bei der Auslosung am Freitag ist für Schalke sogar noch mehr drin.

Wo es Sieger gibt, sind auch Verlierer nicht fern. Eigentlich gibt es aber nur einen echten: Kevin Kuranyi. Damit wir uns richtig verstehen, ich spreche nicht über seine Leistung. Die kann man nicht bewerten, weil sie gegen Porto nicht vorhanden war. Es geht vielmehr um Kuranyis Verhalten nach seiner Auswechslung. Einen Trainer, der in den letzten Tagen von allen Seiten angeschossenen wurde, den Handschlag zu verweigern, empfinde ich als geschmacklos und kindisch. Vor dem Hintergrund, dass Kuranyi noch am Dienstag in verschiedenen Medien sagte, er hoffe, dass Mirko Slomka noch länger Trainer auf Schalke bleiben werde, erscheinen die Worte nach diesem unprofessionellen Fehlverhalten als leere Phrasen und geben mir sehr zu denken. Oft sind ja die, die jemanden loben, die Schlimmsten im Leben. Das war eine öffentliche Provokation gegen Mirko Slomka. Ich bin mir sicher, dass auch Bundestrainer Jogi Löw diese Aktion realisiert hat und eine Meinung dazu haben wird. Wenn ich Trainer auf Schalke wäre, müsste sich Kuranyi jedenfalls wieder ganz hinten in der Hierarchie-Schlange anstellen.

Weitere Verlierer sind die vielen internen und externen Kritiker der letzten Tage. Die Heftigkeit der Debatte und der vollführte Schlingerkurs einiger Beteiligter sind für mich nicht nachvollziehbar. Natürlich hinkt Schalke in der Liga den eigenen Ansprüchen hinterher, dennoch ist auch in diesem Jahr noch nichts verloren - wenn den endlich alle an einem Strang ziehen würden. Mir ist momentan nicht ganz klar, wie die Entscheidungsprozesse auf Schalke ablaufen. Wer war für die Spielereinkäufe im Winter zuständig? Wollte der Trainer diese Spieler überhaupt? Wer hat die jeweiligen Winterzugänge wie oft beobachtet und letztlich für gut befunden? Fragen, die man sich offensichtlich stellt, wenn man die Aufstellungen und Diskussionen der letzten Tage und Wochen aufmerksam und zwischen den Zeilen verfolgt hat. Die "politischen Spielchen" der letzten Tage auf Schalke werden weitergehen. Und ich werde für Sie weiterhin genau hinsehen.

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