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David Beckham: Seine schwierigste Mission

Der durchgestylte Popstar der Fußballwelt steht in der Heimat unter Druck wie nie zuvor. Die WM 2006 ist Beckhams letzte Chance, die Fehlschüsse der letzten Turniere vergessen zu machen. England will endlich wieder Weltmeister werden.

Für Medien und Werbeindustrie bleibt Beckham der Superstar. Eine perfekt geschmierte PR-Maschine und seine Ehefrau Victoria, das ehemalige „Spice Girl“, haben ihn zum Pop-Star des Fußballs, zur Mode-Ikone und Vorbild für modernen Life-Style gemacht. Mit einem jährlichen Einkommen von schätzungsweise 25 Millionen Euro ist er einer der am besten verdienenden Fußballer der Welt, sein Vermögen wird auf 111 Millionen Euro taxiert.

Sportlich steht Beckham vor der WM mehr denn je unter Druck. Für David Beckham geht es in Deutschland schlicht um alles oder nichts -England erwartet bei der WM von dem 31-jährigen Kapitän das Ende der 40 Jahre langen Titeltristesse. Beckham will endlich die schwarzen Flecken ausradieren, die seit acht Jahren Schatten auf sein schillerndes Fußball-Leben werfen. Trainer Sven- Göran Eriksson weiß: "David ist richtig heiß auf die WM."

Und Beckham glaubt ganz fest an das Ziel: "Wir haben die beste Mannschaft und die besten Spieler seit zehn Jahren. Ich glaube, wir können Weltmeister werden. Das Team ist stark, der Glaube groß", hatte Beckham den englischen Fans vollmundig versprochen. Er hat auch einiges wieder gut zu machen.

Verhängnisvolle Fehlschüsse

Seit dem 30. Juni 1998, dem Tag des WM-Achtelfinales gegen Argentinien in St. Etienne, haftet Beckham der Makel an, schuld zu sein an Misserfolgen. Nach einem dummen Revanchefoul an Diego Simone musste er in der 47. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. England schied im Elfmeterschießen aus. "No one wants you Beck" (Keiner will dich zurück - keiner will dich, Beckham), brachte damals die "The Sun" die Volksstimmung auf den Punkt. Der "wehleidige Schönling" wurde zum meistgehassten Engländer. Man genoss "Becks" Sündenfall, denn sein rasanter Aufstieg zum Fußball-Millionär und glitzernden "Spice Boy" passte nicht in die Welt der Yellow Press. Sie reagierte mit Hohn und Spott auf den Absturz des Emporkömmlings.

Beckham überstand die Schmutzkampagnen der Boulevardpresse, doch das Image als Sündenbock wurde er nicht mehr los. Für das blamable Vorrunden-Aus bei der EURO 2000 wurde er ebenso zur Verantwortung gezogen wie für den Viertelfinal-K.O. gegen den späteren Weltmeister Brasilien bei der WM 2002. Der 6. Oktober 2001 hatte daran nichts ändern können; an dem Tag hatte er mit seinem entscheidenden Tor gegen Griechenland England in letzter Minute zur WM nach Fernost geschossen.

2002 "Bananen"-Beckham

Beckhams Hoffnungen, bei der EURO 2004 die Öffentlichkeit milde stimmen zu können, erfüllten sich nicht. Beim Vorrundenauftakt gegen Frankreich verschoss er einen Elfmeter - die Franzosen gewannen mit 2:1. Im Viertelfinale gegen Gastgeber Portugal versagten ihm im Elfmeterschießen wieder die Nerven. England schied aus, und die Boulevardpresse verhöhnte den Kapitän als "Bananen"-Beckham, weil er vor seinem Fehlschuss wie auf einer Banane ausgerutscht war. Trainer Eriksson hat inzwischen reagiert und Frank Lampard (FC Chelsea) zum Strafstoßschützen Nummer eins bestimmt.

chm mit DPA

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