Kahn-Frust "Werde es nie verstehen"


Er wollte seinen Mund halten und sich ganz in den Dienst der Mannschaft stellen: Aber jetzt hat Oliver Kahn in einem Interview seinem Frust Luft gemacht und Klinsmann angegriffen.

Oliver Kahn hat in einem Interview mit dem "Spiegel" seine schwierige Position als Ersatztorhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beschrieben und dabei auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann kritisiert. "Auf der einen Seite versuche ich immer zu tun, was für die Mannschaft nötig ist, weil ich mich selbst zurücknehmen kann. Auf der anderen Seite habe ich ihm deutlich gesagt, dass ich das nie nachvollziehen und verstehen werde, warum ich nicht mehr die Nummer eins bin", sagte Kahn.

Es habe "nie eine Erklärung" für die Zurückversetzung gegeben, behauptet Kahn, der die bisherigen vier WM- Spiele des deutschen Teams von der Reservebank aus verfolgen musste. "Es gab nur die Aussage: Wir machen das jetzt mal mit Jens Lehmann, der Jens ist die Nummer eins bei der WM. Man sprach von einem 'Tick', den er besser sein solle. Entschuldigung, aber wechselt man die langjährige Nummer eins aus, wenn diese konstant spielt, wenn ein anderer einen 'Tick' besser sein soll? Das ist für mich keine Begründung", konstatierte der ehemalige "Welttorhüter" mit bitterem Unterton.

Als Gegenbeispiele führte er die bei der WM als Nummer 1 aufgebotenen Kollegen anderer Länder an: Fabien Barthez (Frankreich), Edwin van der Sar (Niederlande) und Gianluigi Buffon (Italien). "Wo ist da der Unterschied? Ich habe zwei Jahre auf höchstem Niveau gespielt. Meine Champions-League-Spiele gut gemacht, bin zwei Mal deutscher Meister und Pokalsieger geworden und habe eine riesige Turnier-Erfahrung. Es gab eigentlich keinen Grund, die Nummer eins abzusetzen."

Seine Rolle als Nummer zwei sei für ihn "nicht angenehm. Der Weg zur Bank war jedes Mal ein schwerer Gang. "Ich beobachte das Spiel, versuche mir über das Sportliche ein Bild zu machen und verschwinde hinterher so schnell wie möglich in die Kabine", sagte er. Doch er wolle nicht derjenige sein, "der sich griesgrämig in sein Zimmer verkriecht. Ich wollte, dass die Mitspieler von meiner Rolle profitieren können".

DPA DPA

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