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"Bellstedt haut drauf" - Teil 15: "You're looking beautiful, Vic"

Knappes Höschen, dünnes Shirt: Victoria Beckham schenkte unserem WM-Reporter Klaus Bellstedt in Gelsenkirchen ein Lächeln und zeigte viel Körper - oder was davon übrig ist. Auch egal, der Mann ist noch heute hin und weg.

Neulich in Gelsenkirchen vor dem Spiel der Engländer gegen Portugal: 30 Grad und noch drei Stunden bis zum Spiel. Wahnsinn, was mache ich bloß mit der vielen Zeit? Meine Wut auf die Fifa wächst mal wieder, weil sie will, dass jeder Pressefuzzi sein persönliches Ticket zwei Stunden vor Anpfiff abholen muss. Ansonsten verfällt es, auch nett. Viel trinken, irgendwas zu Lesen ersteigern, sich in den Schatten hauen, so lautet mein Plan. Ersteres ist mit Geldausgeben verbunden, vier Euro für den halben Liter Wasser, kann man nicht meckern, ist noch Pfand drauf für den Cola-Becher. Zeitung geht schon mal nicht, Schatten-Sonnen dito. Oder hätten Sie Lust gehabt, sich gegen den Strom von geschätzten 40.000 England-Fans zurück zur Tanke zu bewegen?

Also begebe ich mich mitsamt Getränk schon mal ins Stadion, also nicht direkt rein, sondern vorerst nur durch die erste Kontrolle. Überall sympathische Jungs von der Insel. Ganz friedlich, leicht narkotisiert, denen ist das auch zu heiß, denke ich. Jeder Schritt macht jetzt Kummer und Schweiß, die schwere Laptoptasche unterm Arm zehrt zusätzlich an den Nerven. Endlich, ich entdecke ein Absperrgitter, zwar voll der Sonne ausgesetzt, aber zum Anlehnen und Abhängen ideal. Und: Die Eisverkäuferin mit dem schnuckeligen, wenn auch völlig aus der Mode geratenen Arschgeweih steht direkt hinter mir. Was hier abgesperrt wird, frag ich den Polizeimeister. "Die Auffahrtstraße der ViP's zum Stadion." Et voila, dann wollen wir doch mal sehen, wer sich hier so raufquält. Man gut, dass ich nach drei Wochen WM heute zum ersten Mal meine Digital-Kamera mitgenommen habe. Diese Drecks-Fotohandys taugen eh nichts.

Erfüllung erotischer Träume

Und wie auf Bestellung brausen auch schon die ersten schweren schwarzen Hyundai-Kutschen (offizielle Fifa-Sponsor-Auto-Marke) an mir vorbei. Ein englisches Fan-Pärchen gesellt sich zu mir, beide sind tätowiert bis zur Wade, und dem Sonnenstich augenscheinlich wesentlich näher als ich. Wer da eben vorbeigefahren sei, fragen sie mich. "Keine Ahnung, irgendwelche Ober-Wichtigen, die eingeladen werden, die mussten sich sicher keine Karten selber kaufen." Mit der Äußerung punkte ich natürlich bei den beiden, bis sie meine Presse-Akkreditierung bemerken. Verlegen lass ich das Teil elegant zwischen T-Shirt und Oberkörper verschwinden.

Die nächsten Limousinen: Wir erspähen durchs Fenster Franz Beckenbauer, später auch Sepp Blatter, irgendwelche lokalen Politikgrößen, auch den portugiesischen Ministerpräsidenten. Dann der Auftritt der populären englischen TV-Moderatoren, Jubel am Absperrgitter bricht aus. Winke Winke, hier ein Lächeln für die Kameras, da ein erstauntes Glotzen. So populär sind Kerner und Beckmann in Deutschland nicht mal zusammen, denke ich. Am Absperrgitter ist mittlerweile jeder Platz besetzt. Noch immer sind es zwei Stunden bis zum Anpfiff, aber das ist jetzt vollkommen irrelevant. Warum? Weil mir mein Absperrgitter-Nachbar aus Luton Town gerade gesteckt hat, dass die englischen Spielerfrauen jede Sekunde hier zu Fuß (!!!!) vorbeimarschieren werden. Englische Spielerfrauen? Ergo Victoria Beckham, ergo die fleischgewordene Erfüllung meiner erotischen Träume von vor zehn Jahren.

"Becks, Du Weichei"

Der Moment der Wahrheit rückt näher, Polizisten und Ordner gestikulieren aufgeregt und sprechen in Hand-Funkgeräte. Jetzt muss sie kommen, und wie sie kommt. Umringt von Bodyguards stolziert "Vic", so nenn ich sie, gemeinsam mit anderen "wags" (wives and girlfriends, Anm. der Red.) der britischen Elite-Kicker an mir vorbei. Sie trägt eine hautenge, weiße Jeans und wie immer dieser Tage ein Spaghetti-Shirt. "Breathtaking", was so viel wie atemberaubend heißt, rufen ihr die englischen Fans zu, sofern sie Kerle sind. Die Mädels motzen natürlich neidvoll: "Too skinny!" Und ich? Glotz nur blöd, aber dann: "You are looking beautiful, Victoria", schreie ich ihr mit überschlagender Stimme hinterher.

Achtung: Victoria Beckham dreht sich um, sucht mich in der Menge, findet mich und wirft mir ihr vielleicht bezauberndstes Lächeln zu, das sie im Repertoire hat. Ich, nicht doof, schieße sie mit der Digi-Cam ab und schmelze dahin. Da muss ich jetzt aber aufpassen vor David, das hätte der nicht gern gesehen. Wie eine Trophäe zeige ich das Foto herum. Alle (Jungs) klopfen mir auf die Schulter. Es gibt dieses Beweisstück wirklich, meine sehr verehrten (Damen) und Herren.

Später, so erzählte man mir, kam übrigens auch noch die Mutter von David Beckham den ViP-Aufgang hoch gelaufen. Da saß ich aber schon längst auf der Tribüne, im Trancezustand - gefangen vom Lächeln der allmächtigen Victoria Beckham. Nie war sie so schön wie heute, dachte ich, als ihr Gatte mit einer Knieverletzung vom Platz musste. "Du Weichei, Becks, Du hast sie nicht verdient, sie braucht jemanden wie mich!"

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