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"Bellstedt haut drauf" - Ende: Lebe wohl, du rote Schönheit

Die WM ist vorbei und auch für unseren WM-Reporter Klaus Bellstedt heißt es Abschied nehmen. Nicht von Klinsi, Schweini oder "Zizou", nein, von seiner Sommerliebe - und auch ein bisschen von Shakira.

Er war mein bester Kumpel, mein stiller Begleiter. Und plötzlich soll das alles vorbei sein? 32 lange WM-Tage sind wir eng umschlungen durch dick und dünn gegangen, haben so manche Klippe umschifft, sowie zwei Unwetter und auch Shakiras Sommerhit letztlich überstanden. Nein, liebe Damen und Herren, die Rede ist nicht von der perfekten Frau. Die gibt es ja nicht. Ich spreche hier ganz offen von meinem Mercedes Benz, Typ Marco Polo. Wobei "meinem" eben nicht ganz korrekt ist, weil ich die feuerrote Schönheit schweren Herzens ja nun wieder abgeben musste.

Vor dem neuen Berliner Hauptbahnhof kam es nach dem Finale zur Scheidung. Ein Testfahrer aus Stuttgart nahm die offizielle Trennung vor. Und ich kann ihnen sagen, die Schlüsselübergabe tat sehr weh. Gemeinsam haben wir es in den vier Wochen auf exakt 6953 Kilometer gebracht. Ich fand das wahnsinnig viel, der Profi-Tester konnte darüber nur milde lächeln und verwies auf sein Pensum: 8000 Kilometer in zwei Wochen. Angeber, dachte ich. Dafür hab ich in einem Monat mehr erlebt als du in zehn Jahren. Richtig wütend war ich auf den, nennen wir ihn ruhig, Scheidungsrichter. Ich bildete mir klischeemäßig ein, dass der Typ "meinen" Marco Polo jetzt bestimmt richtig durchtreten und quälen würde, um bloß schnell wieder zurück ins Schwabenland zu kommen. Dann mal gute Fahrt und viel Glück, ich fand mein Lächeln plötzlich wieder.

Fifa-Boss ist schuld am Knöllchen

Wieso eigentlich viel Glück? Ganz simpel: Das Problem ist, dass der Marco Polo auch als Diesel bei 180 km/h auf der Autobahn noch wie ein Kätzchen schnurrt. Wie ein Brett liegt der Wagen auf der Straße, lässt sich mit dem kleinen Finger ganz entspannt steuern und kennt einfach keine Macken. Da kann es schon mal passieren, dass man (ich) vor lauter Fahrvergnügen Geschwindigkeitsbegrenzungen großzügig überschreitet und voll ins Radar rauscht.

Mir ist das in vier Wochen zwei Mal passiert. Ja genau, aber ich halte ihnen meine 6953 Kilometer dagegen. Der Schnitt kann sich dann nämlich doch wieder sehen lassen. Und außerdem liebe Freunde von Mercedes-Benz: Die beiden Strafmandate bzw. der Bescheid über das drohende Fahrverbot könnt ihr mal gleich an Sepp Blatter weiterleiten. Der Fifa-Boss hat die ganze Hetzerei doch zu verantworten. Zwei Stunden vor Anpfiff musste man sein Ticket im jeweiligen Stadion abholen. Da hieß es dann schon mal ordentlich Gas geben, um diese Frist überhaupt einzuhalten.

Verletzte WM-Begleitung

Gut, ich sehe ein. Meine fahrerische Ungestümtheit jetzt auf meine Sommerliebe zu schieben, wäre grob fahrlässig. Das wäre zu einfach. Was ich allerdings keineswegs auf meine Kappe nehme, sind die Schmerzen und Verletzungen, die meiner WM-Begleitung zugefügt wurden. Es passierte nach dem Spiel der Deutschen gegen Argentinien. Ein wahnsinniger Kollege, ich vermute ein Argentinier, rammte beim Ausparken auf dem Presseparkplatz in unmittelbarer Nähe des Olympiastadions meine rote Schönheit und beging Fahrerflucht. Die Folge: ein gesplitterter Blinker und zwei böse Schrammen.

Mehr körperliches Unbehagen gab es allerdings nicht zu überstehen. Wohl aber seelisches, ok, und doch ein bisschen körperliches. Das hatte etwas mit Shakira zu tun. Ihren Sommerhit "Hips don't lie" mussten wir gefühlte 4000 Mal im Radio, auf allen Kanälen, Tag und Nacht ertragen. Am Anfang fanden wir beide den Track noch super, später waren wir nur noch genervt. Aber wir haben es überstanden. Auch dafür danke ich dir, du rote Schönheit. Ich werde dich nie vergessen, es waren unvergessliche Wochen!

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