Ärger um WM-Ball Jabulani "Der hat einen abgründigen Charakter"


Messi motzt, ein Engländer wittert gar eine Verschwörung der Deutschen: Über den Jabulani, den offiziellen Ball der Fußball-WM in Südafrika, wird in diesen Tagen viel geredet. Und wenig davon ist gut.

Jabulani ist schuld. Der Ball flattert. Ändert plötzlich seine Flugbahn. Zu einer Fußball-WM gehört auch das: Gejammer über den aktuellen Ball. Dieses Mal allerdings kommt es besonders dicke. Selbst mancher Spieler, der mit Adidas – seit 1970 Hersteller aller WM-Bälle – verbandelt ist, posaunt seinen Unmut über die Kugel heraus. "Der Ball ist schwer für die Torhüter und auch für uns. Wir können uns nicht daran gewöhnen", schimpft Lionel Messi, eine der Werbeikonen des Unternehmens aus Herzogenaurach. Der Italiener Giampaolo Pazzini nennt den Ball eine "Katastrophe". Und Spaniens Iker Casillas munkelt gar: "Der hat einen abgründigen Charakter."

Doch damit nicht genug. Der englische Nationalspieler Jamie Carragher wittert sogar einen "unfairen Vorteil" für die DFB-Auswahl gegenüber den anderen 31 Konkurrenten. Bei den deutschen Spielern erntete er dafür allerdings Hohn und Spott. "Es reichen ein bis zwei Wochen, um sich auf einen Ball einzustellen. Dass man deswegen jetzt so ein Fass aufmacht, ist doch nur ein Hilferuf von Mannschaften, bei denen es nicht so läuft wie erhofft", kontert Shootingstar Thomas Müller.

Überraschend wenig Tore

Auffällig war an den ersten WM-Spieltagen immerhin, dass selbst gefürchtete Schützen kaum etwas mit Freistößen anfangen konnten. "Die meisten gingen weit über das Tor. Auch das hängt sicher mit dem Ball zusammen", sagte Holland-Coach Bert van Marwijk.

Eigentlich soll ein WM-Ball Tore begünstigen. Doch das scheint bisher nicht zu klappen. Nur rund 1,5 Treffer pro Spiel sind nach den ersten Tagen zu vermelden. Das hat es in der 80-jährigen WM-Geschichte noch nie gegeben. Die Ausnahme von der Regel: das Auftaktspiel der deutschen Elf. So kann auch Lukas Podolski entspannt für Jabulani sprechen: "Bei meinem Tor hat man gesehen, dass der Ball nicht flattert. Dass der Torwart den nicht halten konnte, lag nicht an dem Ball."

Die Fifa sagt wenig dazu

Adidas weist die Vorwürfe zurück. "Die Kritik am WM-Ball gehört mittlerweile zur WM wie das Eröffnungsspiel", sagt ein Unternehmenssprecher: "Fakt ist, dass der Jabulani intensiv getestet wurde, seit dem 4. Dezember 2009 in internationalen Ligen im Einsatz ist und es bis dato keinerlei Beschwerden gegeben hat." Alle Teams hätten direkt nach der WM-Auslosung 20 Bälle erhalten, um sich auf die Kugel einstellen zu können. Das Traditionsunternehmen aus Herzogenaurach ist sicher, "dass Messi sich weiter an den Ball gewöhnen wird und weiterhin hervorragende Leistungen bei der WM bringen wird". Und die Fifa mag sich offensichtlich nicht mit dem Thema beschäftigen. "Uns liegen keine offiziellen Beschwerden vor", teilt der Verband lapidar mit.

SID/DPA/bub DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker