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WM 2010: Deutschland - England Betteln um die Außenseiterrolle


Ghana war ganz schnell abgehakt. Am Tag nach dem Erreichen des WM-Achtelfinales drehte sich im deutschen Lager bereits alles um das nächste Spiel. Gegen England will das DFB-Team unbedingt Außenseiter sein.
Von Klaus Bellstedt, Centurion

Als der deutsche Mannschaftsbus mitten in der Nacht auf das Hotelgelände im Grande Velmore einrollte, wurde es noch mal laut. Die Angestellten hatten sich für ihre Ehrengäste im Falle einer erfolgreichen Rückkehr des DFB-Teams von der Dienstreise aus "Soccer City" eine Überraschung ausgedacht. Mit einem Feuerwerk hießen sie die müden Helden willkommen. Aber nach all dem Vuvuzela-Gedröhne und dem anstrengenden Match gegen Ghana wollten Schweinsteiger und Co. eigentlich nur schnell schlafen gehen.

Es lässt sich zwar nur vermuten, aber die Mehrzahl der Spieler wird wegen der Strapazen tief und fest geschlafen haben. Und geträumt haben sie wahrscheinlich auch - aber nicht von Kevin-Prince Boateng oder Asamoah Gyan, sondern von Wayne Rooney und Frank Lampard. Am Donnerstagmittag sprach im deutschen Quartier in Erasmia kaum noch jemand von Ghana. Knapp 14 Stunden nach dem Schlusspfiff in Johannesburg und dem damit besiegelten Einzug in WM-Achtelfinale drehte sich bereits alles um den nächsten Gegner. Um England.

Leistungsexplosion bei Friedrich

Arne Friedrich, so etwas wie der Intelligenz-Leader in der Mannschaft, brachte es schnell und ohne Umschweife auf den Punkt: "So eine Leistung wie gegen Ghana wird im Achtelfinale gegen England nicht reichen." Friedrich, der im Gegensatz zu seinem Nebenmann in der Innenverteidigung Per Mertesacker, bis jetzt eine hervorragende Weltmeisterschaft spielt, hatte bei seinen Mitspielern ein Kopfproblem ausgemacht: "Wir hatten Angst vor dem "worst case", wir hatten viel zu verlieren."

Das hat die Nationalmannschaft gegen England natürlich auch, aber jetzt ist immerhin schon mal das Mindeste, das Achtelfinale erreicht. Gerade auf die vielen jungen Spieler im deutschen Team könnte der nun wegfallende und in den letzten Tagen oft beschriebene Druck positive Auswirkungen haben. Friedrich, der in Person seines Beraters Jörg Neubauer auf Clubebene gerade um einen neuen Vertrag pokert, sieht das jedenfalls so.

Gegen England die Leichtigkeit wiederfinden

Im Hinblick auf den Fußball-Klassiker gegen England am Sonntag in Bloemfontein stellte der der 75-malige Nationalspieler folgende schlüssige Überlegung an: "Wenn wir jetzt die Leichtigkeit wiederfinden, dann kann das gegen England ein Vorteil sein." Dass das Wiederfinden der Leichtigkeit einer jungen Mannschaft wie der deutschen leichter falle als anderen Teams bei dieser WM läge quasi auf der Hand. Auch deshalb habe er ein "gutes Gefühl, gegen England zu gewinnen".

Gutes Gefühl, ja, aber deshalb gleich selbstbewusst die Favoritenrolle im Duell mit England für sich proklamieren? Niemals! Soweit wollte Friedrich dann doch nicht gehen. Diese Last drückte der Noch-Herthaner drei Tage vor dem Spiel getrost ins Lager der Engländer nahe Rustenburg weg. "Wir sind die Außenseiter in dieser Partie." Nationalmannschafts-Co-Trainer Hansi Flick stieß ins gleiche Horn: "Wir haben jetzt erstmal unser Minimalziel erreicht, aber die Engländer gehören zu den Favoriten auf den WM-Titel. Deshalb sind sie auch in der Favoritenrolle." Aussagen, die überraschen, vergleicht man die bisher gezeigten Leistungen beider Teams bei dieser WM. Machen wir es kurz: Die Psycho-Spielchen haben schon begonnen.

P.S.: Gewinnt die DFB-Elf gegen England? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.


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