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Hoeneß-Auftritt bei Bayern-Versammlung: Die Uli-Auferstehung

"Das war's noch nicht", sagt Uli Hoeneß auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Bayern. Der ehemalige Präsident scheint schon seine Rückkehr zu planen. Das ist geschmacklos und zu früh.

Ein Kommentar von Carina Braun

Es ist schon erstaunlich: Da hat Uli Hoeneß der Gesellschaft 28,5 Millionen Euro vorenthalten und wurde rechtskräftig verurteilt. Der FC Bayern aber tut fast so, als sei nichts passiert.

Uli Hoeneß, von dem sich viele fragen, warum er noch nicht im Gefängnis sitzt, kam also zur Mitgliederversammlung. Das allein ist schon ein Statement. Im bayrischen Mia-san-mia-Kosmos ticken die Uhren bekanntlich etwas anders, da darf ein verurteilter Straftäter nicht nur teilnehmen an der Mitgliederversammlung - er darf sie auch als Bühne nutzen. Hoeneß kam, sprach, und ließ nicht mehr viel erkennen von der sehr offen zur Schau getragenen Demut und Selbstgeißelung vergangener Tage. Verurteilt, abgehakt. Die Haftstrafe: ein lästiges Unterfangen, nach dem es, bitteschön, beim FC Bayern mit Hoeneß weitergehen soll wie zuvor.

Hoeneß in der Opferrolle

Mit dem Gerichtsurteil, so scheint es, hat sich auch die öffentliche Reue erledigt. In Hoeneß brodelte es am Freitag, er fiel in alte Verhaltensmuster zurück: Er sah sich in der Opferrolle. "Am Boden" liege er, ließ der ehemalige Präsident verlauten, eine öffentliche Treibjagd habe er hinter sich. Sogar von "Hass" in sich sprach er.

Die Wahl des neuen Präsidenten Karl Hopfner war da kaum mehr als eine Randnotiz. Eines wurde während dieser Versammlung klar: Hier wurde nur ein Platzhalter gewählt.

Trotzig inszenierte Uli Hoeneß seine vorläufige Abschiedsshow, und alle spielten mit. "Uli Hoeneß ist Kopf, oft Bauch, stets Herz und immer Seele von Bayern München", sagte Hopfner gefühlig, es sei ihm lieber gewesen, Hoeneß stünde an seiner Stelle hier. Und, als spreche er von einem Kranken vor einer schweren Operation: Er wünsche ihm viel Kraft für die kommende Zeit.

Auftritt hinterlässt bitteren Nachgeschmack

Mehr noch: "Du kannst danach selbst entscheiden, was du machen möchtest", so Hopfner. In ähnlichem Wortlaut hatte sich früher bereits Edmund Stoiber geäußert, der dem Scheidenden nun eine warme Umarmung spendierte. Und Hoeneß selbst kündigte unter Applaus an: "Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht."

Es sieht also so aus, als sei das Hoeneß-Comeback schon beschlossene Sache, bevor der 63-Jährige seine Strafe überhaupt angetreten hat. Selbst bei so manchem Fan hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack. Beim FC Bayern mögen ja viele glauben, dass für Deutschlands Topclub eigene Gesetze gelten, doch nicht nur außerhalb der eigenen Reihen stößt ein solcher Auftritt auf. So kurz nach der Verurteilung so aufzutreten, ist geschmacklos. Viele Fans sind bereit zu verzeihen, pochen aber auch auf Gerechtigkeit, auf Reue - und auf ein bisschen Bescheidenheit.

Dass Hoeneß nicht Opfer ist, sondern Täter, vergisst man beim FC Bayern allzu leicht. Nach Bekanntwerden seiner missglückten Selbstanzeige hatte Hoeneß sich ja beharrlich als gebrochener Sünder gezeigt. Sein Auftritt wirft nun auch ein anderes Licht auf die vergangenen Monate. Allzu früh ist er für die eigene Wiederauferstehung bereit.

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