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Kolumne sterne von Athen: Nächte der Erlösung

Die Nächte in Athen sind so schön, dass man die Luft küssen möchte, manchmal, wenn es mit einem durchgeht. Sie ist seidenwarm, diese Luft, und das dunkle Licht verwandelt die Menschen wie die Stadt.

Von Rüdiger Barth

All das hat mit Olympia nichts zu tun, natürlich, aber es gibt den Wettkämpfen jeden Abend eine wundervolle, weiche Abrundung. So heilt Athen, vom dem, was es tagsüber anrichtet, mit dieser hämmernden Hitze und diesen ewiglichen Zäunen. Und weil wir so verzaubert sind, bleiben wir immer zu lange sitzen, erst in der Bar über den Dächern, dann in der Souvlaki-Bude um die Ecke und zum Abschluss auf der Terrasse.

Wir finden kein Ende, weil man einfach nur sein möchte, so schön ist es, und dazu schlürfen wir unseren Eisouzo und reden so vor uns hin. Man kann das sehr gut in Griechenland, reden über alles und vor allem übers Nichts, und schon ist es wieder drei und wir fallen ins Bett und es dauert nicht lange, und die Nacht ist um, der Tag weckt uns mit den Schlägen der Sonne, und wir verfluchen das lange Saufen und den kurzen Schlaf und freuen uns darauf, dass die Dunkelheit wiederkehrt. Bis dahin ziehen wir die Sonnenbrille auf und die Mütze erst recht und packen fässerweise Wasser ein, und dann wieder nichts wie hinein in die Olympischen Spiele, bis zur Erlösung in der Nacht.

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