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Olympia-Kater: "Das dicke Ende kommt noch"

Mit dem Erlöschen des Olympischen Feuers sind die Spiele noch nicht vorbei. Griechenland sitzt nicht nur auf einem riesigen Schuldenberg, sondern auch auf Sporthallen und Stadien, mit denen es nichts so recht anzufangen weiß.

"Das dicke Ende kommt erst noch", prophezeit die Zeitung "To Vima". Zum Ende der Spiele gab es für die Griechen zunächst einmal Lob und Schulterklopfen. Die Organisation funktionierte perfekt, die Wettkampfstätten erwiesen sich als tadellos, und selbst das allseits befürchtete Verkehrschaos blieb aus. Über all die Anerkennung konnten sich die Hellenen jedoch nur in Maßen freuen. Sie wissen, dass die Regierung dem Land nun einen eisernen Sparkurs auferlegen wird. Experten erwarten, dass die Griechen noch wenigstens zehn Jahre an der Last der Olympia-Kosten zu tragen haben.

Kostenexplosion in Milliardenhöhe

4,6 Milliarden Euro waren offiziell veranschlagt worden. Kurz vor der Eröffnung ließ die Athener Regierung durchsickern, dass die Rechnung wohl auf sieben Milliarden Euro gestiegen sei, hielt sich offiziell aber zurück, um dem heimischen Publikum nicht schon während der Spiele die Laune zu verderben. Mittlerweile ist gar von zehn bis zwölf Milliarden Euro Gesamtkosten die Rede. Das wären stolze 5,7 Prozent des griechischen Bruttosozialprodukts.

Die Stunde der Wahrheit schlägt, wenn Ministerpräsident Kostas Karamanlis am 10. September seine traditionelle Haushaltsrede hält. "Auf die Olympia-Kämpfe folgen nun die politischen Kämpfe", schreibt die Zeitung "Kathimerini". Und "Ta Nea"befürchtet: "Wenn die Olympia-Flamme erlischt, ist Feuer unterm Dach."Allerdings hat das wirtschaftliche Olympia-Erbe auch eine positive Seite: Die Spiele trugen dazu bei, dass Griechenland in diesem Jahr mit etwa vier Prozent eine der höchsten Wachstumsraten in der EU haben wird.

Teure Sicherheit

Die Sicherheit schlug bei den Kosten mit dem Rekordwert von einer Milliarde Euro zu Buche, mehr als die Gesamtkosten der Münchner Spiele 1972. Vor allem die Amerikaner hatten mit Hinweis auf mögliche Terroranschläge dafür gesorgt, dass das Paket der Sicherheitsmaßnahmen immer umfangreicher wurde. US-Außenminister Colin Powell lobte dann auch das Sicherheitskonzept der Griechen: "Sie haben sichere und fantastische Olympische Spiele organisiert", schrieb er seinem griechischen Amtskollegen Petros Molyviatis, sagte dann aber einen Besuch in Athen ab - aus Zeitgründen.

Griechenland ließ für die Spiele 70 000 Soldaten und Polizisten aufmarschieren. AWACS-Flugzeuge der NATO überwachten den Luftraum, Boden-Luft-Geschütze wurden in Stellung gebracht und Tausende von Überwachungskameras installiert. Damit setzte Athen neue Maßstäbe für sportliche Großveranstaltungen in der Zukunft.

Problemfall Fußball WM 2006

Die Spiele werden auch den Organisatoren der Fußball- Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu denken geben. "Auch ein großes Land kann durchaus von einem kleinen wie Griechenland lernen", sagte Bundesinnenminister Otto Schily bei einem Besuch der Spiele. Dass zur WM 2006 AWACS-Maschinen aufsteigen werden, bezeichnete er jedoch als "relativ ausgeschlossen". Sein griechischer Amtskollege Georgios Voulgarakis brachte sein Rezept auf den Nenner: "Wir haben bei den Spielen für ein sicheres Umfeld gesorgt, zugleich aber eine diskrete Zurückhaltung gewahrt."

Von Hubert Kahl und Thomas Borchert/DPA

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