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Schützen-"Schumi": Der "Herr der Ringe"

Ralf Schumann hat Geschichte geschrieben. Als erster Schütze wurde der 42-jährige Schnellfeuer- Spezialist zum dritten Mal Olympiasieger in der selben Disziplin.

Der "Herr der Ringe" musste im Nerven aufreibenden Finale am Samstag einige Adrenalin-Schübe überstehen, ehe sein am Ende deutlicher Sieg mit 694,9 Zählern vor den beiden ringgleich mit ihm ins Finale eingezogenen Russen Sergej Poljakow (692,7) und Sergej Alifirenko (692,3) fest stand. Danach winkte "Schützen-Schumi" den Fans zu und blickte zur Anzeigetafel, als ob er das Bild für immer im Kopf speichern wollte.

Der Pefektionist

"Es ist ein Supergefühl, es zum dritten Mal geschafft zu haben. Ich wollte gewinnen, habe seit 18 Monaten auf den Tag hin gearbeitet, war der Favorit, bin in diesem Jahr ungeschlagen und habe das durchgezogen", jubelte der mit seinem Selbstbewusstsein stets die Konkurrenz beeindruckende Schumann. Allerdings sei "bei der letzten Vorkampfserie mit nur 97 Ringen kräftig Muffe dabei gewesen", bekannte der erfolgreichste aktive Sportschütze der Welt nach dem Wettkampf. Nachdem er ringgleich mit den Russen ins Finale eingezogen war, stand für den Ausnahmekönner, der alle Rekorde seiner Disziplin im Besitz hat, fest: "Wenn ich das beste Finale schieße, bin ich Olympiasieger."

"Der Ralf ist für uns, was Michael Schumacher für Ferrari ist", verglich Schützenbund-Sportdirektor Heiner Gabelmann den Souverän, der seit mehr als 15 Jahren Weltspitze darstellt, mit dem sechsfachen Formel 1-Weltmeister. Nicht zuletzt wegen der Dominanz des 42- Jährigen ändert der Schützen-Weltverband seine Regeln. Die "Lex- Schumann" bedeutet, dass vom kommenden Jahr an die bisher verwendeten Pistolen mit den von Schumann maßgeblich entwickelten Luftdruckaustrittsdämpfern - sie ermöglichen ein ruhigeres Halten der Pistole - verboten sind.

Neue Pistole, neues Glück

"Meine alte Pistole mit dem goldenen Lauf kann ich einrahmen lassen. Das wird eine völlig andere Disziplin, weil die Pistolen viel mehr Rückschlag haben", erläutert Schumann. "So gehe ich als letzter Olympiasieger mit der bisherigen Waffe in die Geschichte ein. Aufhören werde ich aber nicht, sondern will auch mit der neuen Sportpistole vorn mitmischen", kündigte er weitere Großtaten an.

Schumann lag nach der Hälfte des Vorkampfs mit jeweils zehn Schuss in acht, sechs und vier Sekunden auf die 25 m entfernte Scheibe mit 297 Ringen voll im Plan. In der zweiten Hälfte mit erneut 30 Schüssen traf er zwei Zähler weniger. Unzufrieden war er mit den "nur" 47 Ringen in der "Königsklasse" 4-Sekunden-Serie, die Schumann normalerweise so perfekt wie kein Zweiter beherrscht. Trainer Peter Kraneis trieb er damit zu einem rekordverdächtigen Zigaretten-Konsum in den 90 Minuten zwischen Vorkampf und Finale. "Dabei war ich mir ziemlich sicher, dass Ralf gewinnen würde, denn sehr gut schießen können alle, doch keiner hat seine Nerven so im Griff", erläuterte Kraneis den Hauptgrund für die Überlegenheit seines Meisterschülers.

Von Uwe Jentzsch/DPA

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