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Judo: Teamplayer mit "Gold-Plan"

Ole Bischof hat Gold für Deutschland geholt. Viel weiß man allerdings nicht über den deutschen Judoka. Im Gespräch mit ihm wird deutlich: Bischof ist einer, der weiß, dass Erfolg nur im Team möglich ist. Seinen Sieg hatte er bis ins Detail geplant - verantwortlich war ein "Gold-Plan", den er seit Jahren verfolgt.

Von Jens Fischer, Peking

Ole Bischoff hatte nicht viel Zeit. Aber der deutsche Erfolgs-Judoka war glücklich. Zwar hatte der Gewinner der zweiten deutschen Goldmedaille in der Nacht nach seinem Triumph nur drei Stunden Schlaf gefunden, dennoch gingen seine Gedanken bereits wieder zu seinen Teamkollegen. "Michael Pinkso ist dran und ich muss ihm helfen." Bischof musste das Gespräch mit den Journalisten abbrechen, er wollte auf dem schnellsten Weg wieder in die Halle, zurück an die Stätte, an der er am Tag zuvor den größten Erfolg seiner wechselhaften Karriere gefeiert hatte.

Mit dem Erfolg ins Bett gegangen

Bischof saß vor der Presse und platzte fast vor Stolz. "Meine Medaille habe ich heute Nacht neben mein Bett gelegt. Ich konnte nicht besonders gut schlafen, aber als ich aufgewacht bin, war die Medaille immer noch da."

Ob er denn keinen Frust verspüre, dass seine Sportart Judo nach Olympia wieder in der Versenkung verschwinden würde, wurde er gefragt. "Im Moment verspüre ich überhaupt keinen Frust", meinte Bischof und erntete dafür herzliches Gelächter aus dem Saal. Und überhaupt: "Bei meinen Kämpfen in Frankreich oder Georgien sind teilweise 10.000 Zuschauer in der Halle. Da hat Judo ein sehr großes Gewicht."

Bischof nicht eifersüchtig

Bischof hatte an diesem Vormittag naturgemäß allerbeste Laune. Da wurde er gefragt, ob er denn eifersüchtig sei auf einen Michael Phelps, der immerhin achtmal Gold holen könne. "Nein, so kann ich wenigstens einmal richtig feiern." Immer wieder wurde in den Medien Bischofs so genannter "Gold-Plan" diskutiert, den er zusammen mit seinem Trainer Frank Wieneke im Vorfeld Olympias entworfen hatte: "Es ist extrem wichtig, vor den jeweiligen Kämpfen die richtige Strategie zu entwickeln. Jeder Gegner kämpft anders, hat andere Stärken und Schwächen."

Mit Hilfe von zusammen geschnittenen Videos würde jeder Gegner eingehend analysiert, Profile entworfen und die eigene Taktik darauf ausgerichtet. "Es gehe immer darum, verschiedene Lösungen für verschiedene Kampfsituationen parat zu haben. Jeder hat seine eigene Grifftechnik, die Japaner kämpfen anders als die Osteuropäer, die Italiener anders als die Amerikaner."

Bischof ist ein Multikulti-Kämpfer

Bischof hat nichts dem Zufall überlassen. So gelöst wie er am Vormittag wirkte, so routiniert und abgezockt agierte er im entscheidenden Wettkampf. Bischof ist einer, der die Taktik seines Trainers im entscheidenden Moment perfekt umsetzen kann. Er ist auch einer, der nichts dem Zufall überlässt. Deswegen reist er im Jahr auch etwa 20 Wochen durch die Weltgeschichte, um aus allen Kontinenten das Beste für seinen Sport mitzubringen. Bischof beherrscht das internationale Judo-ABC, er war in Weißrussland, Polen, aber auch in Japan. "Jedes Land kann beim Judo etwas anders ganz besonderes gut. Die Osteuropäer sind besonders muskulös und kommen über die Kraft. Die Japaner sind technisch nahezu perfekt."

Beim Judo lerne man nie aus. Das mache auch die Faszination seines Sports aus, so Bischof. "Judo ist ein Lebenstil. Er ist vielfältig, eine Duell Mann gegen Mann und das Beste: Es kommt beim Judo niemand ernsthaft zu Schaden." Eine Einstellung, die zu Bischof passt. Er ist ein positiver Typ, der selbst in der Stunde des Triumphs das gesamte Team im Auge hat. "Ich hoffe natürlich, dass jetzt das deutsche Feuerwerk beginnt" - und war als er das sagte in Gedanken schon wieder bei seinem Teamkollegen.

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