Ertls Olympia-Tagebuch Kein Taschengeld für die Athleten


Die Olympischen Spiele sind von vorne bis hinten durchkommerzialisiert. Alle kassieren ab - nur die Athleten müssen sauber sein. stern.de-Kolumnistin Martina Ertl wundert sich.

Die Olympischen Spiele sind immer wieder geprägt von kleinen und großen Ritualen sowie von tradierten Abläufen, die man zwar vier Jahre lang nicht im Sinn hat, die einem aber, wenn sie einem kurz vor Olympia wieder zur Kenntnis gebracht werden, das Gefühl der Vertrautheit bescheren. Man erinnert sich, dass traditionsgemäß das Eishockeyfinale die letzte Entscheidung der Spiele ist, man kennt das Eisschaulaufen der Sieger, man weiß dass die Fahnenträger der Nationen bei der Eröffnungsfeier in der Regel verdiente Athleten aus der Vergangenheit sein werden, wogegen sich die erfolgreichsten Athleten dieser Spiele erfahrungsgemäß als Fahnenträger bei der Abschlussfeier betätigen werden. Am Ende der Schlussfeier wird die olympische Flamme erlöschen, die zuvor von antiker olympischer Stätte nach Vancouver getragen wurde. Die olympische Fahne wird sorgfältig eingepackt werden und die Gedanken werden an den nächsten Austragungsort der Spiele gehen.

Wir wissen alle, dass die Sportler ihre Werbeflächen abkleben und lila Helme übersprühen werden, weil es der Olymp so will, obwohl die Spiele sicherlich das Sportereignis sind, das am stärksten durchkommerzialisiert ist. Warum man gerade bei den Akteuren einschränkend wird, die das Rückgrat der Spiele bilden und die darauf angewiesen sind, ihren Verzicht auf eine normale berufliche Laufbahn durch Werbeeinnahmen zu kompensieren, bleibt ein olympisches Rätsel.

Viele kleine Rituale kennt man als Mechanismus aus der Vergangenheit, in welcher Ausprägung sie uns in Vancouver begegnen werden, bleibt abzuwarten. Es wird Athleten geben, die mit Aberglauben verbunden, sich Glatzen zulegen oder die Haare in den Nationalfarben gestalten werden. Es werden Gesten des Jubelns und des Feierns seitens der Athleten erfunden werden, über die man noch lange nach den Spielen sprechen wird.

Vancouver wird in den nächsten Wochen viele Menschen erleben, die an einer Pin-and-Button-Mania erkrankt sind. Olympische Anstecknadeln in allen Formen und Farben sind begehrte Souvenirs für Olympiatouristen. Man wird Berichte über die Herstellung der Medaillen zu sehen bekommen, da diese immer wieder wunderbare kreative Schöpfungen darstellen, die es eben nur einmal geben wird, nämlich hier bei den Spielen in Vancouver.

Das Schönste Ritual bleibt für mich die Eröffnungsfeier, deren Einzelheiten traditionsgemäß strikt geheim gehalten werden, da es die Verheißung für alles Beschriebene und so Liebenswerte darstellt. Ich freue mich auf das Eröffnungsfest und erfahrungsgemäß werde ich sehr beeindruckt sein.


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