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Langläufer Mo Farah: Das Königreich feiert einen neuen Helden

Doppel-Triumph über die Langstrecke: Nach seinem Sieg über 10.000 Meter gewann der Brite Mohamed Farah auch über die 5000-Meter-Distanz - und feierte mit Tochter und Frau.

Von Tim Schulze

Am Ende war es ein einzigartiger Triumphlauf. 80.000 Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen im Londoner Olympiastadion. Mohamed Farah hatte sich zwei Runden vor Schluss an die Spitze des Feldes gesetzt im Finale über 5000 Meter. Bis dahin war es ein langsames Rennen gewesen. Der Favorit und britische Held, der schon am vergangenen "Super-Saturday" der Briten über 10.000 Meter eine von sechs Goldmedaillen an diesem Tag gewonnen hatte, setzte zum Schlussspurt an, das Tempo explodierte. Die Konkurrenten attackierten, doch Farah wehrte alle Angriffe ab. Sein amerikanischer Trainingspartner Galen Rupp kam nicht an Farah vorbei, auf den letzten hundert Metern parierte er den famosen Schlussspurt des Äthopiers Dejen Gebremeskel, der Silber gewann vor dem Kenianer Thomas Longosiwa.

Getragen von den Anfeuerungsrufen seiner Landsleute absolvierte Farah die letzte Runde in irrwitzig hohem Tempo in einer Zeit von 52,94. "Es ist einfach unglaublich. Die Zuschauer haben mich großartig unterstützt. Das bedeutet mir sehr viel", sagte der überglückliche Gewinner danach. In eine britische Fahne gehüllt lief Farah sofort zu seiner hochschwangeren Frau Tania und Tochter Rhianna. „Die beiden Medaillen widme ich meinen beiden Mädchen, die unterwegs sind. Es sind Zwillinge, also eine für jede. Sie können jeden Tag kommen."

Eine außergewöhnliche Geschichte

Er ist der siebte Läufer, der dieses Double bei Olympischen Spielen geschafft hat. Und er ist ein außergewöhnlicher Läufer, weil er eine Geschichte hat. 1993 verließ Farah als Flüchtling seine vom Bürgerkrieg gebeutelte Heimat Somalia und gelangte über Dschibuti nach London. Der Fan des Premier-League-Klubs FC Arsenal, der in seiner Kindheit lieber Fußball-Star geworden wäre und dessen Idol Muhammad Ali ist, hatte nach seinem ersten Gold für einen der emotionalsten Momente im Leichtathletik-Stadion gesorgt. Schon nach seinem Triumph über 10.000 Meter hatte er mit Frau Tania und Töchterchen Rhianna im Innenraum ausgelassen gefeiert. "Das wird niemals zu übertreffen sein. Das ist der beste Moment meines Lebens", hatte "Magic Mo" danach gesagt. Jetzt folgte der zweite Triumph - Mo Farah ist damit endgültig zu einem Gesicht dieser Spiele geworden.

Farahs Doppelerfolg ist aber nicht nur das Ergebnis von Talent und außergewöhnlichem Willen, sondern auch von Trainingsmethoden, die alle Erkenntnisse der Ausdauerforschung systematisch einbeziehen. Seit November vergangenen Jahres trainiert der 29-Jährige im Nike Oregon Project im amerikanischen Portland unter dem Trainer Alberto Salazar. "Sieger aus dem Labor" nannte die Süddeutsche Zeitung ihn. Schon vor den Erfolgen erregte Farah Aufsehen, weil er statt im Olympischen Dorf lieber in einem Unterdruckzelt schlief, um Höhenluftbedingungen zu simulieren. Es hat sich gelohnt.

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