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Olympiasiegerin Carina Vogt: Allein unter Buben

Sie ist die erste Olympiasiegerin im Skispringen und kann es immer noch nicht fassen. Carina Vogt hat Geschichte geschrieben. Im Skiclub daheim flippten alle vollkommen aus.

Von Daniel Bakir

Als Carina Vogt am Fuß der Sprungschanze vor Freude zusammenbricht, explodiert in einer Turnhalle in Degenfeld der Jubel. Das ganze Dorf hat sich zum Public Viewing versammelt, um ihre Carina fliegen zu sehen. Als das Überraschungsgold perfekt ist, hüpfen kleine Kinder und alte Männer durcheinander, schwenken Fahnen und schreien ihre Freude heraus. "Das war wahrscheinlich der beste Sprung ihres Lebens", sagt Walter Ziller, stellvertretender Vorsitzender des Skiclubs Degenfeld über Vogts ersten Versuch, der ihr den nötigen Vorsprung verschaffte. Bis zum Morgen habe das 460-Seelen-Dorf bei Schwäbisch-Gmünd gefeiert, berichtet Ziller stern.de.

Ziller ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender von Carina Vogts Heimatskiclub, er kann sich auch noch gut an die Anfänge der heute 22-jährigen Skispringerin erinnern. Zillers Tochter und Vogt waren damals noch ziemlich "allein unter all den Buben", wie Ziller erzählt. Mit sechs Jahren begann Carina Vogt mit dem Skispringen, damals eine reine Männer-Domäne. Ihre Vorbilder waren Sven Hannawald und Martin Schmitt. Mit 17 verlor sie kurzzeitig die Lust am Sport, doch dann fing sie sich und machte weiter - nun ist sie die erste Olympiasiegerin in dieser Disziplin überhaupt.




"Ganz begriffen hab ich das noch nicht, was da gestern passiert ist. Dass mir zwei solche Sprünge gelungen sind – Wahnsinn", sagte Vogt am Morgen nach dem überraschenden Sieg. Viel geschlafen hat sie nicht. "Der Adrenalinspiegel war noch sehr hoch und ich habe versucht, das Ganze zu verarbeiten", sagte die 22-Jährige.

Sie war zwar durchaus als Medaillenkandidatin angereist, hatte in der Saison schon mehrfach auf dem Podium gestanden, aber nie ganz oben. An der überragenden Japanerin Takanashi würde sie nicht vorbeikommen, dachten alle. Doch die Favoritin wackelte, wurde am Ende nur Vierte, Vogt blieb cool. "Ich habe genau das gemacht, wie bei jedem Weltcup auch. Der entscheidende Punkt war gestern die Nervenstärke." Ihr Erfolgsgehemins: "Ich habe, versucht gar nicht mitzubekommen wie die anderen gesprungen sind." Ein unbeschreibliches Gefühl sei das gewesen, als nach gefühlten Stunden die "1" auf der Anzeigetafel aufgeleuchtet sei.




Stolz ist Carina Vogt nicht nur auf ihre eigene Leistung, sondern auch darauf, wie sich das Frauen-Skispringen insgesamt präsentiert hat bei seiner olympischen Premiere. Bundestrainer Andreas Bauer glaubt, dass das dem Frauenspringen nochmal einen deutlichen Schub geben kann. Er hofft auf eine ähnliche Entwicklung wie beim Frauen-Biathlon, das erst 1992 olympisch wurde und heute in Deutschland einen enormen Stellenwert besitzt.

Carina Vogt, die einst Hannawald und Schmitt nacheiferte, hat nun die Chance selbst ein Idol zu werden - für skisprungbegeisterte Mädchen in Deutschland. Die Glückwünsche und Reaktionen auf die geschichtsträchtige Goldmedaille sind jedenfalls enorm.














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