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Wegen Staatsdoping Alle Russen von den Paralympics ausgeschlossen?

Russland Olympia
Sergei Jurjewitsch Tetjuchin trägt die russische Flagge bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Rio. Bei den Paralympics an gleicher Stelle könnten russische Sportler komplett fehlen.
© Lukas Schulze/DPA
Neues Kapitel im Dopingskandal: Laut einem Bericht des "Guardian" werden alle russischen Sportler von den Paralympics ausgeschlossen. Für die Olympischen Wettkämpfe hatte Russland einen Totalausschluss noch abgewendet.

Russlands Sportlern droht der Ausschluss von den Paralympics in Rio de Janeiro. Nach den massiven Doping-Vorwürfen im Report des unabhängigen Wada-Ermittlers Richard McLaren will das Internationale Paralympics Komitee (IPC) im Laufe des Sonntags seine Entscheidung bekanntgeben. Nach Informationen der britischen Zeitung "Guardian" steht ein Bann so gut wie fest. Auf die Entscheidung habe sich das IPC vorläufig geeinigt. Das Internationale Paralympics Komitee wies das als "pure Spekulation" zurück. Die Weltspiele der Behindertensportler finden vom 7. bis 18. September in Rio statt.

Der Jurist McLaren hatte für die Welt-Anti-Doping-Agentur Beweise für Staatsdoping in Russland zusammengetragen. Auf dieser Grundlage empfahl die Wada, die russische Mannschaft komplett von den Olympischen Spielen auszuschließen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) folgte dem nicht, sondern setzte strenge Kriterien, die russischen Athleten erfüllen müssen. Nur die Leichtathleten und die Gewichtheber sind komplett von den Sommerspielen ausgeschlossen.

IPC-Verbandspräsident Philip Craven hatte Zweifel geäußert, dass Russlands Nationales Paralympics Komitee (NPC) die Anforderungen im Anti-Doping-Kampf erfülle und eine harte Linie angekündigt. Formal geht es darum, ob die Mitgliedschaft des russischen Verbandes bestehen bleibt oder er suspendiert wird.

"Unvorstellbarer Umfang an institutionellem Doping"

Am 22. Juli hatte das IPC das Suspendierungsverfahren gegen das russische NPC eingeleitet. Grundlage dafür ist der McLaren-Bericht. Das IPC hatte von McLaren die Namen von 35 Sportlern erhalten, die in Verbindung mit verschwundenen positiven Dopingproben aus dem Moskauer Kontrolllabor stehen sollen.

Zudem hat der Dachverband 19 Dopingproben von den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi zur Nachkontrolle geschickt, die im Verdacht stehen, ausgetauscht worden zu sein. "Der Report hat einen unvorstellbaren Umfang an institutionellem Doping im russischen Sport aufgedeckt, das auf dem höchsten Level gesteuert wurde", sagte Craven. "McLarens Erkenntnisse sind eine ernsthafte Besorgnis für alle, die sich einem sauberen und ehrlichen Sport verpflichtet fühlen"."

Das russische NPC war am 3. August zu einer Anhörung in der IPC-Zentrale in Bonn. Da betonte NPC-Präsident Wladimir Ljukin, dass vor den Winterspielen von Sotschi russische Sportler sich in internationalen Qualifikationswettkämpfen gestellt und dort auch Dopingkontrollen durchlaufen hätten. Die Analysen seien im Ausland und nicht in Russland durchgeführt worden.

Auf Empfehlung der Wada seien russische Sportler zudem ein halbes Jahr lang nur von der britischen Anti-Doping-Agentur kontrolliert worden. Die Proben seien nur im Ausland von Labors untersucht worden, die von der Wada akkreditiert sind, erklärte Ljukin nach Verbandsangaben bei der Anhörung. 

bak DPA

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