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Olympia 2018: Wie die Kombinierer ihr Drama aus Sotschi nutzten - und ein Rennen für die Ewigkeit ablieferten

Die Nordischen Kombinierer haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Statt sich gegenseitig auf die Ski zu treten, laufen sie gemeinsam zum Sieg. Nun soll im Teamwettbewerb der nächste Triumph folgen.

Gold, Silber, Bronze: Johannes Rydzek vor Fabian Rießle und Eric  Frenzel.

Gold, Silber, Bronze: Johannes Rydzek vor Fabian Rießle und Eric  Frenzel.

DPA

Die Nacht nach dem großen Sieg war kurz, das verrieten die strubbeligen Frisuren der Nordischen Kombinierer am Mittwochmittag. Am Abend zuvor hatten die Deutschen Gold, Silber und Bronze gewonnen im Alpensia Cross Country Centre von Pyeongchang. Ein historischer Sieg: Zuletzt war ein solches Triple einer Nation vor 82 Jahren gelungen. Und nun sitzen sie da im Deutschen Haus, die übermüdeten Helden: Olympiasieger Johannes Rydzek, der Zweitplatzierte Fabian Rießle und Eric Frenzel, der als Dritter über die Ziellinie geglitten war.

"Ich bin immer noch geflasht", sagt Rydzek, und Frenzel ergänzt: "Es ist ein Traum, mit diesen Jungs feiern zu dürfen." Auch Bundestrainer Hermann Weinbuch stimmt in die Lobhudelei ein. "Wir sind ein Team der Superlative. Die Jungs haben etwas Einmaliges geschafft." Der Dienstagabend wird in die Olympische Geschichte eingehen, das steht schon jetzt fest. Er wäre allerdings kaum möglich gewesen ohne eine krachende Niederlage bei den Winterspielen 2014.

Sotschi: Kollision und Egoismus

Auch in Sotschi waren die Deutschen kurz vor Ende auf Medaillenkurs. Doch jeder kämpfte für sich, in einer Kurve kollidierten Rydzek und Rießle, und statt Gold und Silber gab es nur Bronze für Rießle. Der verunfallte Rydzek ging leer aus.

"Ich musste an Sotschi denken am letzten Berg, die Bilder waren im Kopf", sagte Fabian Rießle, "das wollten wir unbedingt vermeiden." Dass die drei deutschen Läufer brav in ihrer Spur blieben und sich nicht gegenseitig behinderten, war nicht nur ihrer gewachsenen Reife und Dispziplin geschuldet. Trainer Weinbuch hatte mit dem Team eigens den Zieleinlauf im Alpensia Cross Country Centre üben lassen: diese tückische, steile Kurve, in der Überholmanöver nahezu unmöglich sind – jedenfalls, wenn man keinen Crash riskieren will. Verabredet war, dass sich man auf der Gerade wechselseitig attackieren darf. "Da hieß es dann: Feuer frei!", berichtete Weinbuch.


Olympia 2018: Gold auch im Team-Wettbewerb?

Der Bundestrainer, früher selbst ein erfolgreicher Kombinierer, ist der Architekt des überragenden deutschen Teams. Er hat die Egos seiner Spitzenläufer Frenzel, Rydzek und Rießle bändigen können. "Jeder von ihnen hat das Zeug, Olympiasieger zu werden", sagt Weinbuch, 57, "da ist es normal, dass es auch Reibungspunkte gibt. Solange das im Rahmen bleibt, finde ich das in Ordnung." Am Donnerstag gehen Weinbuchs Medaillen-Gewinner noch mal auf die Schanze und in die Loipe. Dann steht der Teamwettbewerb an.

In der aktuellen Form zählen die Deutschen (neben Norwegen) erneut zu den großen Favoriten auf Gold. Cheftrainer Weinbuch ist seit 1996 im Amt. Eine kleine Ewigkeit, sind doch Trainerwechsel häufig im Sport. Mit 48 Medaillen, die seine Athleten gewonnen haben, ist Weinbuch zudem der erfolgreichste deutsche Coach im Wintersport. Schon öfter wirkte er amtsmüde und kündigte seinen Rücktritt an – blieb aber dann stets doch.

"Hermann, bitte bleib"

Auch in Pyeongchang kokettetierte Weinbuch wieder mit seiner Demission und lobte seinen Assistenztrainer Ronny Ackermann überschwenglich: "Ronny macht einen super Job. Wenn er sagt, dass er Chef werden will, trete ich ins zweite Glied zurück – kein Problem." Die Großwetterlage bei den Kombinierern ist jedoch eine andere, das wusste Weinbuch dann auch zu berichten. "Ronny hat gesagt: Hermann, bitte bleib", referierte Weinbuch. "Also geht es jetzt erstmal weiter." Mindestens bis zur Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld, Österreich, wird Weinbuch die Verantwortung tragen. Gut möglich, dass er sogar darüber hinaus noch im Amt bleibt. Medaillengewinne seiner Jungs haben ihn bislang noch immer umstimmen können.

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