America's Cup Audienz bei der Segeleminenz


Michel Bonnefous ist der mächtigste Mann beim America's Cup in Valencia. Der Organisationschef gilt als rechte Hand von Alinghi-Chef Bertarelli, soll aber für einen fairen Wettbewerb der Herausforderer sorgen. Kann das gut gehen?
Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Eigentlich sollte es ein informelles Treffen mit einer kleinen Schar handverlesener Presseleute werden, ganz zwanglos also: Der mächtige Organisationschef im Kreise der fröhlich frühstückenden Journalisten, entspannt plaudernd und mit ihnen zusammen den Service der drei Kellner im VIP-Raum des Veles e Vents genießend. Aber was dann folgte, erinnerte eher an das Verhör Napoleons durch seine britischen Bewacher auf der Insel St. Helena.

Napoleon Bonnefous

Michel Bonnefous ist klein, und er ähnelt dem großen Franzosen tatsächlich ein wenig: Die Art, wie er spricht, freundlich aber bestimmt, die Art, wie er dasteht, die Arme vor dem Körper verschränkt, immer freundlich, aber ebenso oft unnachgiebig in der Sache und den Fragestellern mit Gegenfragen antwortend. Das saloppe Outfit, kurze Hosen, Segelschuhe und beige Windjacke, trügt. Der Schweizer, der als Jugendfreund von Ernesto Bertarelli zusammen mit ihm die Alinghi-Kampagne ins Leben rief und 2003 den America's Cup nach Europa holte, gebietet über Hunderte von Millionen von Euro, 150 festen Mitarbeitern und mehr als doppelt so vielen Freiwilligen. Er hat gemeinsam mit Bertarelli die dreizehn Acts, also die Vorregatten eingeführt, er hat den Louis Vuitton Cup auf maximale Medienresonanz und Sponsorenrelevanz ausgerichtet und er hat entschieden, dass der Wettbewerb hier in Valencia stattfindet. Wichtiger noch: Mit Bonnefous organisiert zum ersten Mal in der Geschichte des America's Cup jemand aus dem Team des Defenders auch den Louis Vuitton Cup, also den vorgelagerten Wettbewerb der Herausforderer.

Genau in diese Kerbe schlagen die US-Journalisten. Kaum hat Bonnefous den jetzt stegigen Wind, die grosse Besucherresonanz und die positiven Aspekte des Cups fur Valencia aufgezählt, setzt das Feuer der englischsprachigen Kollegen ein: Bonnefous, der lange Arm Bertarellis, Bonnefous, der Diktator, der die Regeln gegen den Willen der Herausforderer festlegt, Bonnefous, der die Acts nur erfunden hat, damit Alinghi die Challenger in aller Ruhe studieren und den Cup verteidigen kann.

Schrotflinten statt Scharfschützen

Der Chef von ACM kontert: Worin denn genau das Diktat des Defenders bestehe und warum der Vertreter der Herausforderer, BMW Oracle, dann allem ohne zu Zögern zugestimmt habe? Fragen, auf die die Kollegen aus Übersee wenig zu erwidern wissen. Ich nutze die kurze Kampfpause und frage Bonnefous, was es mit den Gerüchten auf sich hat, dass er und der Hauptsponsor Louis Vuitton sich aufgrund unterschiedlicher Marketingkonzepte zerstritten haben. "Das sind nur die normalen Zwistigkeiten, wie sie zwischen Geschäftspartnern immer mal vorkommen." Das heißt, der Louis Vuitton bleibt Hauptsponsor des Cups der Herausforderer? "Nun, es kommt natürlich auf das Angebot an, das sie machen werden, aber ja, warum nicht, ich denke schon." Aus dem Munde eines Napoleons klingt ein solcher Satz eher wie eine Drohung, und ich bin mir daher ziemlich sicher, dass die Tage des Louis Vuitton Cup gezählt sind.

Die hohe Kunst der Politik

Ich habe noch ein paar Fragen mehr, warum etwa an Renntagen nur knapp funfundzwanzig Tausend Zuschauer in den Hafen strömen, obgleich Bonnefous gegenüber der International Harold Tribune von erwarteten sechzig Tausend am Tag gesprochen hat. Aber ich stelle weder diese Frage noch die anderen, denn ich weiß, dass dieser Mann schon zu wichtig ist, um sich erlauben zu können, die Wahrheit zu sagen oder auch nur das, was er denkt. Bonnefous atmet auf, als eine Kollegin vom Fernsehen sich über mangelnde Team-Prasenz bei den Pressekonferenzen beschwert und er das Wort an den zuständigen Direktor Marcus Hutchinson weitergeben kann. Dann endlich, nach über einer Stunde Kreuzverhör, kommt auch Michel Bonnefous zu einem Glas Orangensaft und einem Häppchen: bei diesem ganz zwanglosen und entspannten Geplauder mit der Presse.


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