Anni Friesinger "Die Batterie ist ganz schön runter"

Die Luft ist raus: Einen Tag vor dem 1500-Meter-Rennen ist Eischnellläuferin Anni Friesinger angeschlagen und müde. Trotzdem beißt sie die Zähne zusammen, Hilfe schickt der heimische Thailänder.

Die Lunge schmerzt, der Schlaf ist unruhig, die Heiratspläne sind erst mal aufgeschoben: Trotz der enormen Belastungen in den zurückliegenden Tagen will es Anni Friesinger im 1500-Meter-Rennen endlich den "goldgierigen" Niederländerinnen zeigen. Auch wenn "die Batterie schon ganz schön runter ist", möchte sich die Inzellerin ihren Traum vom Einzel-Gold in Turin erfüllen. "Ich bin sehr, sehr müde. Gestern tat mir alles weh. Ich war wirklich schon frischer", gestand das deutsche Glamour-Girl einen Tag vor der Entscheidung auf jener Strecke, auf der sie das Olympia-Gold von Salt Lake City wiederholen will.

"In der Nacht nach den 1000 Metern hat sie in ihrem Appartement furchtbar schlecht geschlafen, so dass ihr Mama ganz sorgenvoll bei mir angerufen hat", berichtete ihr Trainer Markus Eicher. "Aber mit dieser Belastungsgeschichte haben viele zu kämpfen. Wer sich am besten regeneriert, wird ganz vorn sein", meinte er gelassen. "Natürlich will sie gewinnen. Es nähme uns doch sowieso keiner ab, wenn wir jetzt sagen: Sie will aufs Stockerl."

"Ich werde kein Phönix aus der Asche sein"

Nach den Härtetests der vergangenen Tage schraubte Anni Friesinger ihr Training auf Sparflamme, genoss die Massagen. "Ich habe nur versucht, ein wenig das Eisgefühl zu finden", meinte sie nach ihrem 20-minütigen Kurzaufenthalt im Oval Lingotto. "Ich werde kein Phönix aus der Asche sein. Aber ich bin mega-angespannt und kämpfen kann ich", kündigte sie trotz aller Probleme mit Atemwegen und schweren Beinen an. Und sie baut vor: "Auch wenn ich keine Medaille mehr hole, wäre das überhaupt kein Drama. Ich hatte eine Super-Saison mit vielen Rekorden und schönen Siegen. Ich fühle mich wohl in meiner Haut."

Aber sie weiß auch, dass die Oranjes nach den zwei Triumphen durch Ireen Wüst (3000 m) und Marianne Timmer (1000 m) die Erfolgsserie fortsetzen wollen. "Und eine ist nicht die 1000 Meter gelaufen: Renate Groenewold. Die Frage heißt für sie: Wer ist der Chef bei den Holländern", weiß die 29-Jährige. "Ich? Ich soll Favoritin sein? Nein, nein, ich habe noch nie die 1500 Meter gewonnen. Aber um einen Platz auf dem Podium will ich mitkämpfen", konterte Renate Groenewold, die Olympia-Zweite über 3000 Meter.

Hochzeit geplant

Rückhalt bekommt Anni Friesinger, die mittlerweile vier Medaillen (2/1/1) auf ihrem Olympia-Konto hat, nicht nur von Mutter Janina. "Ich habe eine E-Mail von meinem Thailänder aus Salzburg bekommen. Er drückt mir toll die Damen und freut sich auf meinen nächsten Besuch", erzählte die Power-Lady. Und Ids Postma wird mit seiner Geliebten von seinem Bauernhof in Daersum aus mitfiebern. Einen konkreten Zeitplan für die Hochzeit des Glamour-Paares gibt es aber noch nicht. "Hier in Turin geschieht nichts. Wir haben Pläne. Und wenn es geschieht, werdet ihr es mitkriegen", rief sie den Journalisten zu.

Für ihr Management war nach der Team-Verfolgung schon längst alles zum Guten gelaufen. "Dieses Team-Rennen ist Gold wert für den ganzen Eisschnelllauf", sagte ihr Manager Klaus Kärcher. "Wir hatten alle Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren erstmal aufgeschoben. Aber die Weichen sind gestellt, jetzt können Nägel mit Köpfen gemacht werden", fügte er an. Nach der Saison läuft unter anderem der 4- Jahres-Vertrag mit Lancia aus, der rund zwei Millionen Euro in die Tasche der Bayerin gespült hatte.

Frank Thomas/DPA DPA

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