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Anni Friesinger: Heiß auf Eis

Zwei schwere Fahrradstürze haben die Saisonvorbereitung der schönen Kufen-Queen gründlich durcheinander gebracht. Jetzt ist Anni Friesinger wieder da - vielleicht so stark wie nie zuvor.

Neuer Coach, neues Konzept, neue Hoffnung: Nach einem "problematischen Sommer" mit zwei schweren Rad-Stürzen ist Kufen-Queen Anni Friesinger heiß auf den Start zur nacholympischen Eisschnelllauf-Saison. "Ich hatte wahrlich keinen perfekten Sommer. Nachdem ich mich im Oktober nun auch noch mit einem Magen-Darm-Virus herumplagen musste, hoffe ich nun, dass ich alle gesundheitlichen Ausfälle für diese Saison hinter mich gebracht habe", meinte die 29 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin vor den am Freitag beginnenden deutschen Meisterschaften in Erfurt.

Zunächst hatte sie im Juli ein schwerer Sturz vom Rad in den Bergen von Livigno zurückgeworfen, Prellungen und ein Bluterguss im Becken forderten mehrere Tage Trainingspause. Ein ähnliches Missgeschick ereilte die deutsche Hoffnungsträgerin auf dem Eis beim Rad-Weltcup in Hamburg, als sie sich bei einem Sturz im Jedermann-Rennen die Hüfte prellte und ein Schleudertrauma erlitt. Mehr als drei Wochen dauerte danach die Zwangspause im August.

Noch kein Umzug auf den Bauernhof

Für die anstehenden Höhepunkte mit der EM in Klobenstein/Südtirol, der Mehrkampf-WM in Heerenveen und den Einzelstrecken-WM in Salt Lake City hat Anni Friesinger inzwischen ihr Umfeld neu geordnet. Nachdem Heimcoach Markus Eicher zum Verbands-Trainer für die Damen aufstieg, musste sich die Inzellerin nach einer neuen Bezugsperson umschauen. "Die neue Trainingssituation im Verband ist für mich nicht optimal. Ich brauche neue Motivation und vor allem Trainingspartner auf hohem Niveau." Dank ihrer guten Kontakte in die Niederlande fand sie mit Olympiasieger Gianni Romme den idealen Partner. "Der Zusammenschluss mit Gianni als Coach und Trainingspartner ist eine perfekte Lösung."

Die Eis-Lady bekräftigte aber, dass ihr Kontakt zu ihrem langjährigen Trainer durch den neuen Schritt nicht getrübt ist. "Das Verhältnis zu Markus Eicher ist nach wie vor supergut. Er ist ja weiter mein übergeordneter Trainer, aber das Tagesgeschäft spielt sich eben bei Romme ab." Zu dem schon vor Jahresfrist angekündigten Umzug ins friesische Daersum auf den Bauernhof ihres Freundes Ids Postma ist es bislang noch nicht gekommen. "Die Umzugspläne sind da, aber uns fehlt momentan die Zeit und die Ruhe."

Schärfste Rivalin nimmt Auszeit

Nach dem anstrengenden Olympia-Pensum will sie sich in der nacholympischen Saison auf die 1000 und 1500 m konzentrieren. Auf diesen Strecken ist sie im Lande nahezu konkurrenzlos. Ihre Gold- Gefährtinnen aus dem Turin-Team, Claudia Pechstein (Berlin) und Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) bevorzugen die längeren Kanten. Bei ersten Testrennen in Inzell verbesserte sie mit 1:16,10 über 1000 m den Bahnrekord gleich um fast eine Sekunde.

Was die derzeitige Topform international wert ist, wird sich nach den Weltcups in Heerenveen, Berlin und Moskau zeigen. Die mit fünf Olympia-Medaillen in Turin überragende Mehrkampf-Weltmeisterin Cindy Klassen aus Kanada nimmt bis Januar "wegen Motivationsproblemen" eine Auszeit, 500-m-Olympiasiegerin Swetlana Schurowa (Russland) wird nach Operation möglicherweise gar nicht zu sehen sein. Jennifer Rodriguez, Chris Witty (beide USA) oder Sabine Völker (Erfurt) haben aufgehört.

DPA/kbe

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