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Biathlon-Star Magdalena Neuner: "Ich bin erwachsen geworden, ich bin eine Frau"

An diesem Wochenende startet Biathlon-Superstar Magdalena Neuner mit Verspätung in die neue Saison. Im Interview spricht die 23-Jährige über ihre neue Rolle im Team, gewagte Fotos und Familienplanung.

Frau Neuner, Sie starten schon wieder mit Verspätung in die Saison. Den Weltcupauftakt in Östersund haben Sie einmal mehr erkältet vor dem Fernseher verbracht. Und jetzt sind Sie schon wieder fit für Hochfilzen?
Seit Mitte letzter Woche konnte ich wieder auf Skiern trainieren. Mir fehlen zwar einige Trainingstage - aber ich fühle mich gut und habe richtig Lust, endlich wieder Rennen zu laufen. Das habe ich gemerkt, als ich am Wochenende vor dem Fernseher gesessen bin.

Und erlebten, wie Ihre oberbayerische Kollegin Miriam Gössner gleich zweimal Rang zwei belegte. Mit 20 - in dem Alter, in dem auch Ihr Stern aufging.
Das war wirklich stark von ihr in Östersund. Für mich kam das aber nicht überraschend. Ich sehe ja, wie Miri im Training schießt. Sie kann es.

Beim letzten Trainingslager in Nordfinnland teilten Sie beide sich ein Zimmer. Dann wissen Sie wohl auch, wie sehr Miriam Gössner es im vorigen Winter genoss, dass eine erfahrene Biathletin wie Kati Wilhelm den Trainern schon mal vorschlug, gerade für die Jüngeren das Training auch mal zu drosseln. Kati Wilhelm ist nicht mehr dabei - übernehmen Sie ihren Job?
Das würde ich schon machen. Es besteht halt ein kleiner Unterschied darin, dass ich fest gesetzt bin. Mir kann in der Mannschaft nicht groß was passieren. Bei manchen Mädels - gerade auch bei Miriam Gössner, die jung ist und ihren Platz noch nicht so fest hat - ist es dagegen schon so, dass sie sich nicht groß was trauen. Und ein bisschen schüchtern sind.

Sie hingegen haben in diesem Jahr schon mal als Model für Unterwäsche geworben haben. Oder für Bier ...
... alkoholfrei wohlgemerkt ...

... jedenfalls feilen Sie an Ihrem Image. War Ihnen die mediale Magdalena Neuner doch ein bisschen zu viel Harfe und Strickzeug?
Ich hab in den letzten ein, zwei Jahren einfach gemerkt: Das passt mir nicht, das ist nur eine Facette von mir. Und jeder Mensch hat ja doch mehrere Facetten. Klar, die anderen Sachen sind schon ein Teil von mir. Aber ich wollte eben auch zeigen: Ich bin erwachsen geworden, ich bin eine Frau. Und es ist ja nicht so, dass ich mich komplett entblöße.

War das Ihre eigene Entscheidung - oder beeinflusst von der Vermarktungsagentur Triceps, die Sie seit der letzten Saison betreut?
Das ging schon von mir aus. Mir war das Bild, das von mir in der Öffentlichkeit entstanden war, einfach zu einseitig. Und ich bin eigentlich ganz froh darüber, dass ich mit Triceps zusammenarbeite.

Wegen dieser Agentur gab es Getuschel. Weil Stefan Schwarzbach, der für Triceps die Öffentlichkeitsarbeit machte, zugleich Pressesprecher des Skiverbands ist. Arbeitet Schwarzbach noch für Triceps?
Nicht direkt. Aber er bleibt der Ansprechpartner beim Skiverband. Was gut ist, denn vorher hatte ich Anfragen aus fünf verschiedenen Richtungen. Jetzt wird das besser koordiniert - und zwar von Leuten, die ich seit Jahren kenne und denen ich vertraue.

Ihr Trainer Uwe Müssiggang ist jetzt auch für die Herren zuständig. Dafür ist Ricco Groß nun als Coach bei den Damen mit dabei. Was hat sich durch ihn geändert?
Er geht mit auf die Strecke, läuft selber auch mal mit und gibt Techniktipps. Das hatten wir bisher nicht so, und das finde ich eigentlich auch ganz gut.

Von Ihren zwei Olympiasiegen einmal abgesehen: Was haben Sie an Erkenntnissen aus dem letzten Winter mitgenommen?
Ganz wichtig war mir, vor allem auch bei Olympia, dass ich mich auf mich selber konzentriert habe. Und nicht auf das geschaut habe, was um mich herum alles passiert. Dadurch ist es mir ganz gut gelungen, beim Biathlon Spaß zu haben. Und jetzt hoffe ich, dass mir das auch in diesem Jahr möglichst oft gelingt.

Sie sind 23 und haben gewonnen, was es in Ihrem Sport zu gewinnen gibt. Was bleibt noch? Das perfekte Rennen, von dem die Schwimmerin Britta Steffen 2009 nach ihren beiden WM-Titeln in Rom sprach?
Ich habe so etwas schon ein paar Mal erlebt. Als Olympiasiegerin ins Ziel zu laufen ist zum Beispiel ein unglaubliches Gefühl. Und es waren in den letzten vier Jahren schon ein paar Rennen dabei, bei denen ich nachher dachte, wie super das jetzt gelaufen ist. Das kenne ich also schon - und ansonsten lass ich alles auf mich zukommen. Man weiß ja nie, was einem im Leben so passiert.

Was könnte denn passieren?
Dass ich die Familienplanung angehe. Es kann aber auch sein, dass ich mit 25 oder auch mit 30 Jahren noch riesigen Spaß am Biathlon habe. Oder irgendwann Lust verspüre, noch einmal die Schulbank zu drücken.

Oder einmal pünktlich zum Saisonstart zu erscheinen.
Es ist alles fast genau wie im letzten Jahr. Da bin ich auch erst beim Rennen in Hochfilzen eingestiegen - allerdings nicht gut. Es wäre nett, wenn es diesmal ein bisschen besser gehen würde. Aber falls nicht, mache ich mir auch keinen Stress.

Andreas Morbach / FTD

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