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Biathlon-WM in Ruhpolding: Goldiges Ende für die Damen-Staffel

Nach Magdalena Neuners Strafrunde schien der WM-Titel für die deutschen Biathletinnen schon weg. Doch Miriam Gössner und Andrea Henkel machten den Fauxpas ihrer Kollegin wett.

Mit vollem Risiko zu Gold: Die deutschen Biathletinnen haben sich am vorletzten Tag der Weltmeisterschaften den Titel in der Staffel geholt und die Ruhpoldinger "ChiemgauArena" in ein Tollhaus verwandelt. In der überraschenden Aufstellung Tina Bachmann, Magdalena Neuner, Miriam Gössner und Andrea Henkel verteidigte das deutsche Quartett am Samstag den im Vorjahr im sibirischen Chanty-Mansijsk gewonnenen WM-Titel. Als Schlussläuferin Henkel mit der Deutschland-Fahne über die Ziellinie lief, schrien nicht nur ihre drei Teamkolleginnen ihre Freude lauthals heraus. "Oh wie ist das schön" skandierten die 28.000 Zuschauer, die "La-Ola-Welle" schwappte durch die Arena.

Nach 4 x 6 Kilometern hatte Deutschland am Ende 28,5 Sekunden Vorsprung vor Frankreich. Die Bronzemedaille holte sich Norwegen, das 39,5 Sekunden hinter dem DSV-Quartett ins Ziel kam. Für Magdalena Neuner war es der zwölfte WM-Titel. Andrea Henkel holte sich ihre achte WM-Goldmedaille. Für eine deutsche Frauen-Staffel war es die insgesamt 16. Medaille.

Der Coach auf Knien

"Das ist einfach der Wahnsinn, hier vor heimischem Publikum Gold zu holen", sagte Henkel. Als sie über ihre Schlussrunde flog, ging Herren-Coach Fritz Fischer auf die Knie und verneigte sich vor der 34-Jährigen. Damen-Coach Gerald Hönig vergoss nach dem Gold-Coup ein paar Tränen: "Ich bin unheimlich stolz und glücklich."

Aus taktischen Gründen hatten die Trainer in der Aufstellung überraschend Neuner an Position zwei gesetzt und an ihrer Stelle Andrea Henkel als Schlussläuferin positioniert. Damit gingen sie volles Risiko. Denn vor einem Jahr in Chanty-Mansijsk hatte Neuner dank einer phänomenalen Schlussrunde das WM-Gold fast im Alleingang perfekt gemacht. "Wir haben lange überlegt und uns für diese offensive Aufstellung entschieden", sagte Hönig.

Neuner schießt wacklig

Bei strahlendem Sonnenschein und vor den Augen von Fürst Albert von Monaco sowie IOC-Vizepräsident Thomas Bach ging die Taktik auf, wenngleich ausgerechnet Magdalena Neuner für eine Schrecksekunde sorgte. Weil die Rekord-Weltmeisterin mit wackligen Beinen an den Schießstand kam und ein ums andere Mal daneben schoss, schien der Titel futsch.

Schon in ihrer Paradedisziplin, dem liegenden Anschlag, schrammte die 25-Jährige mit drei Nachladern nur knapp an der Strafrunde vorbei. Als sie dann nach dem Stehendschießen 150 Extra-Meter absolvieren musste, stöhnte das ganze Stadion auf. "Ich hatte schon nach dem ersten Schießen eine Nähmaschine, weil ich mit einem zu niedrigen Puls an den Schießstand gefahren bin", analysierte die erneut laufstarke Neuner. "Aber die Mädels haben das super gemacht, wir haben gemeinsam Gold gewonnen."

Dabei hatte die erstmals als Startläuferin eingesetzte Tina Bachmann, in den Tagen von Ruhpolding bisher weit hinter ihren Erwartungen und Hoffnungen, stark losgelegt. Mit nur einem Nachlader bei zehn Schuss kam sie durch und schickte Neuner in einer optimalen Position ins Rennen.

Gössner trumpft auf

Nach Neuners Fauxpas musste dann die eigentliche Wackelkandidatin Miriam Gössner statt wie erhofft vorne weg hinterher laufen. Doch die 21-Jährige zeigte ihre stärkste Saisonleistung. Mit nur drei Nachladern übergab sie als Führende an Henkel. "Als ich ins Rennen gegangen bin, war die Nervosität weg. Ich denke, ich habe einen ganz guten Job gemacht", meinte sie mit einem strahlenden Lächeln.

Und Andrea Henkel behielt die Nerven. Ruhig zog sie ihre erste Serie am Schießstand durch. Als sie dann auch den letzten ihrer zehn Schuss ins Schwarze gesetzt hatte, kannte die Euphorie keine Grenzen mehr.

Die WM in Ruhpolding endet am Sonntag mit den Massenstart-Wettkämpfen der Männer und Frauen. Magdalena Neuner bestreitet dann ihr letztes WM-Rennen, ehe sie nach dem Weltcup-Finale ihre Sportkarriere beenden wird.

swd/DPA / DPA

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