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Bobby-Car-WM: Erwachsene Kinder rasen um die Wette

Seit über dreißig Jahren begeistert ein Plastik-Auto namens Bobby-Car vor allem Kinder. Doch manche lässt die Begeisterung für den Aufsitz-Flitzer auch in fortgeschrittenem Alter nicht los.

Angefangen hat alles vor sechs Jahren. Mit zwei Freunden beschloss Raimond Oppel eines Abends "aus einer Weinlaune heraus", mit Bobby-Cars einen nahen Hügel "hinunterzubrettern". Schon zwei Tage später setzte man das Vorhaben mit Kinderautos vom Flohmarkt in die Tat um. Eine Idee mit Langzeitwirkung: Vor kurzem gewann der 32-jährige Coburger den Weltmeistertitel im Bobby-Car- Fahren.

Die moderne Version des Seifenkistenrennens habe ihn sofort gepackt, erzählt der Rechtspfleger. Das erste Bobby-Car habe der Dauerbelastung seiner 80 Kilogramm jedoch nicht lange standgehalten. Während eines Ersatzteilkaufs bei der Fürther Spielwarenfirma BIG, die das kultige Kinderfahrzeug vor über 30 Jahren auf den Markt gebracht hatte, habe er dann von den europaweit organisierten Bobby-Car-Rennen erfahren. Schon im ersten Jahr seiner Teilnahme gewann Oppel überraschend die Deutsche Meisterschaft. Noch immer sei sein fahrbarer Untersatz "seriennah", doch er habe einfach ein Gespür für Aerodynamik und Schnelligkeit, schmunzelt der schlanke Mann mit dem jungenhaften Charme. Nun ist er Weltmeister im Bobby-Car-Fahren. In zehn Rennen musste er die notwendigen Punkte sammeln, um zum Ende der Saison auf Platz eins zu stehen. Bis zum Schluss habe er sich ein Kopf-an-Kopf- Rennen mit seinem schärfsten Konkurrenten geliefert, erzählt Oppel. Offizielle Rennen fänden derzeit allerdings nur in Deutschland statt.

Süchtig nach Bobby-Car-Rennen

"Auf manchen Strecken erreicht man über 100 Stundenkilometer", kommt der 32-jährige ins Schwärmen. Und weil es bei dieser Geschwindigkeit selbst auf einem Kinderauto irgendwann gefährlich werde, trage man Lederkombi, Handschuhe und Helm. Gestartet wird auf einer Rampe, und dann geht es mit dem getunten Bobby-Car die steilsten Hänge hinunter. Liebevoll streichelt Oppel über sein silbernes Bobby-Car mit den grünen Reifen. "Wer einmal an so einem atemberaubend schnellen Rennen teilgenommen hat, wird einfach süchtig danach." Die Erwachsenen-Version des Kinder-Kultautos ist dabei meist nur noch äußerlich dem Serienfahrzeug ähnlich. Nach dem Reglement des Dachverbandes deutscher Bobby-Car-Fahrer muss lediglich das Fahrzeugchassis original sein. Echte Bastler investierten bis zu 5000 Euro in solch einen Rennwagen, worüber Raimond Oppel allerdings nur den Kopf schütteln kann. Doch auch er habe spezielle Kugellager, Felgen und Luftgummiräder montiert, um sein Bobby-Car möglichst schnell zu machen. "Geld bringt diese Fun-Sport-Art nicht", sagt er. Die Preisgelder deckten nicht einmal Anfahrt und Unterkunft bei den einzelnen Rennstrecken.

Ulrike Siebenhaar/DPA / DPA
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