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Boxen Boxing Day - Povetkin und Helenius sorgen für Spannung


Alexander Povetkin und Robert Helenius haben dem Schwergewicht neues Leben eingehaucht. Unterhalb der Klitschko-Regentschaft gibt es noch spannende Kämpfe in der Königsklasse des Boxens. Wir werfen einen Blick auf die möglichen Gegner des neuen Weltmeisters Alexander Povetkin.

Alexander Povetkin lieferte den Thriller, Robert Helenius die Action um endlich mal wieder sagen zu können, das Schwergewichtsboxen ist wieder spannend. Doch kaum ist der Actionthriller vorbei, droht in Person von Evander Holyfield erneut Langeweile.

Wir werfen einen Blick auf das Schwergewichtsboxen unterhalb der Klitschko-Regentschaft und haben die möglichen Gegner für den neuen Weltmeister der WBA parat. Doch warum konnte Povetkin überhaupt Weltmeister werden?

Titelinflation gehört zum Alltag

Alexander Povetkin und Ruslan Chagaev boxten am Samstag um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version der WBA. Möglich war dies nur, weil der WBA-Titelträger Wladimir Klitschko von der WBA kurzerhand zum "Superchamp" hochgelobt wurde. Der Grund liegt darin, dass der Verband bei zwei Titeln, zwei Mal so viele "sanction fees" (Gebühren) für einen WM-Kampf kassieren kann. Ein Unding, aber leider Alltag im Boxgeschäft. Sehen wir also mal davon ab, dass der Kampf zwischen den beiden ehemaligen Amateurweltmeistern kein wirklicher WM-Kampf war, hat er durchaus Spannung in die Gewichtsklasse getragen.

Aber auch der zweite Hauptkampf des Erfurter Boxabends hatte es in sich. Der ebenfalls beim deutschen Sauerland-Boxstall unter Vertrag stehende Finne Robert Helenius schlug den Ex-Weltmeister Siarhei Liakhovich K.o. Unterhalb der Klitschkos finden also durchaus interessante Kämpfe statt. In der Welt der Normalsterblichen gibt es noch Spannung und die Nachfolger, der Dynastie der unbesiegbaren Riesen aus der Ukraine, scharen mit den Hufen. Wie geht es also mit Alexander Povetkin weiter?

Sauerland brachte am Rande des Kampfes den ehemaligen Weltmeister Evander Holyfield in Stellung. Apropos in Stellung bringen: In den unabhängigen Ranglisten konnte sich Robert Helenius noch vor dem Weltmeister Povetkin platzieren. Spricht man über die interessantesten Kämpfer des Schwergewichts, ist der Name Helenius also mindestens genauso spannend, wie der von Povetkin. Bevor wir die Möglichkeiten der beiden großen Hoffnungen der Königsklasse des Boxens betrachten, eine kurze Rückschau auf Samstag.

Der Thriller:
Alexander Povetkin (22-0-0) vs. Ruslan Chagaev (27-2-1)

Nach einem Abtasten der beiden Boxer in den ersten zwei Runden kam Povetkin gut in den Kampf. Der Russe feuerte variable Kombinationen ab und zeigte mehr Aktivität. Die Schläge gingen zwar hauptsächlich auf Chagaevs Deckung, doch der Usbeke selbst agierte zu passiv, um die Runden für sich entscheiden zu können. Bis dahin verlief der Kampf wie von den Buchmachern vorausgesagt. Doch Chagaevs Trainer Michael Timm forderte seinen Schützling auf, endlich loszulegen. Ab Runde drei wurde Chagaev aktiver und aggressiver. Er brachte seinen Linken Haken über die Außenbahn ins Ziel.

Es wurde interessant, denn anders als Poevtkins Trainer vorher angekündigt hatte - "Wir wollen vor allem dem linken Haken des Rechtsauslegers aus dem Weg gehen" - fing sich Povetkin auch in den folgenden Runden immer wieder den Linken Haken des Universum Boxers. In der sechsten Runde wackelte Povetkin, er schien außer Puste, atmete schwer durch den Mund und eine Überraschung lag in der Luft. Doch Ruslan Chagaev konnte nicht nachsetzen. Er ließ Povetkin vom Haken, der ab der achten Runde seine zweite Luft bekam und den Kampf bis zum Ende, durch variables Boxen und die richtige Distanz beherrschen konnte. Handfeste Action gab es im zweiten Hauptkampf des Abends.

Der Actionfilm:
Robert Helenius (16-0-0) vs. Siarhei Liakhovich (25-4-0)

Der Finne begann sehr verhalten. "Erst war es vielleicht ein bisschen langweilig. Ich weiß, ich kann noch besser boxen. Ich war ein bisschen nervös", so Helenius bei der ARD. Sein Gegner war allerdings kein Unbekannter. Siarhei Liakhovich wurde 2006 gegen Lamon Brewster Weltmeister, verlor seinen Titel jedoch im darauf folgenden Kampf, in den letzten Sekunden der 12 Runde, als er von Shannon Briggs K.o. geschlagen wurde. Der Weißrusse, der in den USA lebt, boxte zu Beginn clever. Er bewegte sich gut in den Mann, bestach mit seinem eingesprungenen Jab und den Schlägen über die Außenbahnen.

Das meiste ging allerdings auf die Deckung und schon bald sollte sich herausstellen, wer zu diesem Kampf mit Platzpatronen und wer mit scharfer Munition angereist war. Die Schläge von Helenius zeigten ihre Wirkung. Ab der dritten Runde war Liakhovichs Nase zweifach gebrochen, er blutete stark und konnte nur noch durch den Mund atmen. Helenius wurde immer stärker, mit seinem unorthodoxen Stil und seiner brutalen Kraft machte er dem bis dahin guten Liakhovich schließlich den Garaus.

Nachdem der Weißrusse zunächst in Runde acht angezählt wurde und sich in die Pause retten konnte, setzte Helenius mit aller Gewalt nach und schlug seinen Gegner K.o. - der Ringrichter verhinderte Schlimmeres. Ein erneuter Paukenschlag des Finnen, doch noch hat er – anders als Povetkin - keinen Weltmeistertitel.

Missmatches oder neue Spannung im Schwergewicht?

18 Monate hat Wladimir Klitschko Zeit, bevor er gegen Alexander Povetkin antreten muss, um den wahren WBA-Champion auszukämpfen. Dabei sollte Povetkin schon einmal gegen Wladimir Klitschko antreten. Damals verhinderte sein Trainer Teddy Atlas den Kampf, da er Povetkin für nicht reif genug hielt. Seitdem hat das Klitschko-Management die Nase voll von Povetkin und auch Teddy Atlas und sein Schützling scheinen nicht heiß auf ein Duell mit dem übermächtigen Ukrainer zu sein. Vielleicht ist das sogar gut für das Schwergewicht, denn solche Kämpfe wie die des vergangenen Wochenendes, sind spannender, als die letzten Klitschko-Kämpfe.

Die vom Boxstall Sauerland präferierte Lösung Alexander Povetkin gegen den 1962 geborenen Evander Holyfield boxen zu lassen, lässt jedoch jede Hoffnung auf einen erneut spannenden Kampf und eine Weiterentwicklung des talentierten Boxers im Keim ersticken. Bereits am 17. Dezember, so wird spekuliert, könnte es in Zürich zu diesem Aufeinandertreffen kommen. Zugegeben, Evander Holyfield sah gegen Niko Valuev nicht schlecht aus, er verlor umstritten. Allerdings ist es selbst für einen 48-Jährigen nicht so schwer, gegen den statischen Klotz Valuev wie ein beweglicher Jungspund zu wirken. Auch dem viel bemühten Vergleich mit dem 46-jährigen WBC-Titelträger im Halbschwergewicht, Bernard Hopkins, hält Evander Holyfield nicht stand.

Somit ist, anders als sein Spitzname es vermuten lässt, Evander Holyfield für Povetkin kein "Real Deal", sondern ein Missmatch und ein Schritt zurück. Das Matchmaking von Robert Helenius scheint im Vergleich zu Povetkin eine stete Steigungskurve eingeschlagen zu haben. Der Finne boxte mit Lamon Brewster, Samuel Peter und Siarhei Liakhovich schon drei Ex-Weltmeister. Auch wenn alle drei weit über ihren Zenit hinaus waren, als sie gegen Helenius antraten, sind dies doch wichtige Prüfsteine für die Entwicklung des 27-jährigen Zweimetermannes. Ein Match Helenius gegen Povetkin würde der eigene Boxstall aber wohl nicht riskieren.

Unterhalb der Klitschkos gibt es dennoch weitere Kandidaten für spannende Schwergewichtskämpfe. Alexander Povetkin könnte ein Thema für David Haye sein, sollte der sich von seiner schwerwiegenden Zehenverletzung erholen können. Ebenfalls ein spannender Kandidat wäre Tyson Fury (15-0-0). Der 23-jährige Brite, der derzeit verzweifelt einen Gegner für seinen Kampf am 17. September in Belfast sucht, gilt neben Robert Helenius als größte Schwergewichtshoffnung. Man sollte auch Odlanier Solis nicht vergessen.

Der Kubaner ist technisch vielleicht das Beste, was das Schwergewicht derzeit zu bieten hat. Sollte er nach seiner Knieverletzung wieder auf die Beine kommen, müsste Povetkin den Kubaner durchaus fürchten. Auch Tomasz Adamek oder Alexander Dimitrenko wären Kandidaten für Povetkin, denn er müsste sich gegen solche Gegner weiter steigern. Es sei denn, dies passiert von selbst, denn wie sagte sein Trainer Teddy Atlas zuletzt laut boxingscene.com: "Wenn du den Titel gewinnst, wirst du automatisch 30 Prozent besser."

Michel  Massing

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