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Cricket-Skandal: "Mini-Hitler" oder Freiheitskämpfer

Skandal statt Teepause: Der Abbruch eines Cricket-Spiels hat für dicke Luft zwischen Australien und Pakistan gesorgt. Schiedsrichter Darrell Hair - bekannt für strittige Entscheidungen - kann sich nicht mehr auf den Rasen trauen.

Der erste Abbruch eines internationalen Cricket-Spiels in der langjährigen Geschichte der Sportart sorgt für Anfeindungen zwischen Australien und Pakistan. Australische Medien feierten ihren Landsmann und Schiedsrichter des Spiels England-Pakistan, Darrell Hair, als Helden. Er hatte das Match im berühmten Londoner Oval-Stadium abgebrochen und England zum Sieger erklärt. Auslöser war ein Streit über einen von Pakistan angeblich manipulierten Ball, wofür Pakistan mit einem Punktabzug bestraft werden sollte. Die pakistanische Mannschaft hatte sich daraufhin zunächst geweigert, nach der Teepause wieder auf dem Feld zu erscheinen, woraufhin Hair das Spiel abbrach. Cricket ist in beiden Ländern äußert populär, ähnlich wie Fußball in Deutschland.

"Darrel Hair ist bereit, seine Nase in die schmuddeligen Ecken der Cricket-Welt zu stecken, was die meisten seiner Kollegen nicht tun wollen", schreibt ein Kommentator des australischen "Daily Telegraph". Hair verdiene Lob, da er sich klar an die Regeln des Spiels gehalten habe. Dennoch werde die Entscheidung wohl sein Leben ruinieren, da Hairs Name nun auf dem indischen Subkontinent in den Schmutz gezogen werde und die vier dominanten asiatischen Cricket-Nationen wohl versuchen würden, in aus dem Sport herausdrängen. In der Zeitung "The Australians" hieß es, Hair sollte als Held angesehen werden, da er Courage gezeigt habe, obwohl er nach strittigen Entscheidungen bereits in der Vergangenheit Todesdrohungen ausgesetzt gewesen sei.

Scharfe Kritik am Spiel-Abbruch

In Teilen Asiens wurde der Schiedsrichter dagegen beschimpft. "Hair ist einer von der Sorte, die sich in einen 'Mini-Hitler' verwandeln, wenn sie die weiße Schiedsrichterjacke überstreifen", schrieb der ehemalige Kapitän der pakistanischen Mannschaft, Imran Khan, in der pakistanischen Zeitung "Daily Nation". Auch in nahezu allen anderen Zeitungen Pakistans war der Spiel-Abbruch scharf kritisiert worden.

Pakistan muss wegen des Vorwurfs der Ball-Manipulation befürchten, dass sein Mannschafts-Kapitän für einige Spiele gesperrt wird. Der pakistanische Verband kündigte bereits an, einen Einsatz von Hair bei künftigen Spielen des Landes rigoros abzulehnen.

Reuters / Reuters

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