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Doping-Skandal: "Es geht um Geld, um viel Geld, da leidet die Moral"

Mit diesen Worten wirbt Florian Kraft, der Bruder der Triathletin Nina Kraft, um Verständnis für die Doping-Sünderin. Der Frau aus Eisen droht nun eine zweijährige Sperre und damit das Ende ihrer Karriere.

Der Doping-Skandal um die erste deutsche Hawaii-Gewinnerin Nina Kraft hat Wut und Bestürzung ausgelöst sowie den Ruf nach einem verschärften Kontrollsystem laut werden lassen. "Alle Ecken und Winkel der Vergangenheit müssen mit aller Konsequenz ausgeleuchtet werden", forderte der für Recht zuständige Vizepräsident der Deutschen Triathlon-Union (DTU), Reinhard Wilke, am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. Der Imageschaden sei für den Triathlonsport bereits entstanden. "Jetzt gibt es nur noch die Flucht nach vorn", sagte Wilke.

Krafts Gästebuch geschlossen

Die Athletin selbst, die die Einnahme des Blutdopingmittels EPO bereits zugab, war nicht zu erreichen. Auf ihrer Homepage teilte sie mit: "Es ist nur natürlich, dass die Leute ein Ventil brauchen, aber wüste Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Drohungen führen an der Sache vorbei." Daher habe sie das Gästebuch vorübergehend geschlossen. "Ich bin in Sorge, dass sich Nina Kraft nun in eine Ecke zurückzieht und anfängt, gegen uns Krieg zu spielen", meinte Wilke.

Viel Geld, wenig Moral

Ihr Bruder Florian Kraft forderte unterdessen Verständnis für die 35 Jahre alte Doping-Sünderin, der eine zweijährige Sperre und damit das Ende ihrer Karriere droht. "Nein, man kann nicht rechtfertigen, was sie getan hat, aber man kann es vielleicht nachvollziehen. Es geht um Geld, um viel Geld, da leidet die Moral", schrieb er auf seiner Homepage. "Nina hat es zum ersten Mal versucht, ohne richtiges Fachwissen und ohne ärztliche Betreuung - und der Schuss ist nach hinten los gegangen", teilte Florian Kraft weiter mit. Seine Schwester soll in Absprache mit ihrem Freund und Trainer Martin Malleier im Spätsommer mit der Einnahme begonnen haben.

Sponsoren springen ab

Das Doping-Vergehen kostet Kraft nicht nur die 100 000 Dollar Siegprämie, sondern wohl auch Sponsorengelder. "Sie war unser Aushängeschild, nun dürfte es aber keinen Sinn mehr machen, mit ihr zu arbeiten", erklärte Bill Meyerhofer von der Geschäftsleitung des fränkischen Herstellers von Nahrungsergänzungsmitteln Cadion.

Einen gewaltigen Imageschaden befürchtet auch Normann Stadler, der bei den Männern den legendären Ironman gewonnen hatte. "Erst ist das Größte passiert, was passieren kann, und jetzt kommt der Hammer hinterher", sagte der Mannheimer. "Das ist sehr schade für unseren Sport." Er sei schwer enttäuscht.

Ironman-Athleten werden nicht von der Doping-Agentur getestet

Lediglich die Athleten über die Olympische Distanz unterliegen dem Kontrollsystem der Nationalen Doping-Agentur NADA. Daher fordert die DTU mehr Kontrollmöglichkeiten. Die Athleten müssten sich freiwillig mehr Tests stellen, meinte DTU-Sportdirektor Rolf Ebeling. Erst im Sommer war bei der Heidelbergerin Katja Schumacher beim Ironman Frankfurt (2. Platz) ein deutlich erhöhter Testosteronwert festgestellt worden. Allerdings gab es auch bei den deutschen Kurzdistanzathleten einen Doping-Fall. Hier wurde der Name bislang jedoch nicht bekannt.

"Bei jedem Langstreckler landet der Name sofort in der Presse, und in diesem Fall wird der Athlet oder die Athletin von der DTU richtig gedeckt", monierte Weltklasse-Triathlet Lothar Leder. Der Verband hacke jetzt auf den Langstrecklern rum. "Das ist eine Riesenschweinerei."

Der Darmstädter unterzieht sich ebenso wie der Hawaii-Gewinner von 1997, Thomas Hellriegel (Bruchsal), freiwilligen Tests. Leder unterstrich gleichwohl, dass es sich um ein weltweites Problem handle. So wurde beispielsweise der Hawaii-Fünfte dieses und Zweite des vergangenen Jahres, Rutker Beke (Belgien), ebenfalls der Einnahme von EPO überführt. "Die Karre steckt im Dreck. Wenn man zu sehr darüber nachdenkt, ist es einfach frustrierend", meinte Leder.

Von Jens Marx/DPA

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