HOME

Funkaffäre in der DTM: Pascal Wehrlein will auf faire Weise zurück an die Spitze

Ein Kommando über Funk - und Sekunden später stehen zwei Konkurrenten im Kiesbett. Timo Scheider und Audi haben sich mit der Funk-Affäre von Spielberg eine Menge Ärger eingehandelt und müssen ihn in den kommenden Wochen vor Gericht ausbaden.

Das Auto von DTM-Pilot Pascal Wehrlein im Kiesbett

DTM-Pilot Pascal Wehrlein hat durch die "Funk-Affäre" seine Führung im Gesamtranking verloren

Am Tag nach der Funk-Affäre von Spielberg verkniff sich DTM-Pilot Pascal Wehrlein emotionale Ansagen in Richtung Audi. "Ich möchte niemandem drohen, ich möchte nicht mit solchen Aktionen in Zukunft für Furore sorgen, so wie es Audi jetzt gemacht hat", sagte der Mercedes-Fahrer am Montag im TV-Sender "Sky Sport News HD" und kündigte mit Blick auf die verlorene Führung im Deutschen Tourenwagen Masters "volle Attacke" an: "Ich möchte fair wieder zurück an die Spitze kommen."

Zuvor schrieb der 20-Jährige auf Facebook: "Für mich hat sich der Fall erledigt. Die Sportkommissare haben es nach Auswertung der Videos und Daten als ABSICHT eingestuft." Dahinter folgte noch ein - später gelöschter - bitterer Gruß: "Viel Spaß beim Sportgericht."

"Timo schieb ihn raus"

Dort landet der Satz "Timo, schieb ihn raus" von Audis Motorsportchef Wolfgang Ullrich womöglich noch vor dem nächsten DTM-Rennen in Russland am 29. August. Sekunden nach der laut Ullrich versehentlichen Ansage rammte Audi-Fahrer Timo Scheider in Spielberg die Mercedes-Fahrzeuge von Wehrlein und Robert Wickens von der Strecke. Die Sportkommissare disqualifizierten den zweimaligen DTM-Champion noch am Sonntagabend und verwiesen den Fall an das Sportgericht des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB).

Wehrlein war am Sonntag als Führender der Meisterschaft gestartet. Mit einem Start-Ziel-Sieg übernahm Audi-Fahrer Mattias Ekström die Gesamtführung nach dem zehnten von 18 Saisonrennen. "Was mich am meisten an der Situation ärgert ist, dass aktiv in die Meisterschaft eingegriffen wurde und mir Punkte damit weggenommen wurden. Ich möchte aber niemandem Körperverletzung oder sonst was unterstellen", sagte Wehrlein.

Mit unterschiedlichen Schilderungen sorgte Ullrich zunächst für weitere Verwirrung und Unmut, am Ende teilte er dann schriftlich mit: "Es kam im TV wirklich so rüber, als hätten wir Timo (Scheider) die Anweisung gegeben, einen Konkurrenten von der Strecke zu schieben. Doch das war definitiv nicht der Fall."

Kein Kommentar von Audi: "Schwebendes Verfahren"

Ob der Österreicher wegen des Imageschadens nun Konsequenzen seines Arbeitgebers Audi befürchten muss, war am Montag unklar. "Wir werden uns zu diesem Thema nicht mehr äußern. Das ist ein schwebendes Verfahren", sagte ein Sprecher auf DPA-Anfrage.

Mercedes' DTM-Chef Ulrich Fritz erwartet grundsätzlich eine Strafe für den Autobauer aus Ingolstadt. "Wir haben da Vertrauen in die Kommissare und den DMSB. Nur Timo Scheider eine Strafe zu geben, wäre aber zu kurz gesprungen", sagte Fritz in einem Interview. "Es muss im Urteil ein deutliches Zeichen geben, weil ein solches Verhalten nicht toleriert werden kann."

Vor Gericht droht Scheiders Audi-Team Phoenix der Lizenzentzug. Dabei können dessen Chef Ernst Moser und seine Ingenieure gar nichts für die Ansage ihres obersten Motorsportchefs. Wie und ob Ullrich für den Satz bestraft werden kann, ist allerdings unklar.

Der Österreicher hatte in der Branche bis Sonntagmittag den Ruf als fairer Sportsmann - und muss nun wie Scheider einen großen Image- und Respektsverlust fürchten. "Wenn es den Funkspruch gab, dann sollte derjenige, der das gemacht hat, nie wieder auf eine Rennstrecke dürfen", schimpfte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff unmittelbar nach Rennende. "Das tut man nicht. Den Meisterschaftsführenden abzuschießen, ist indiskutabel und unter jeder Würde."

Maximilian Haupt und Arno Weste / DPA
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity