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Eishockey DEL - Spitzentrio überrascht die Liga


Es ist ein Bild, an das sich viele DEL-Fans erst gewöhnen müssen: Mit Mannheim, Hamburg und Ingolstadt sorgen drei Teams für Furore, die ihre Anhängerschaften jahrelang enttäuschten.

Mit den Adler Mannheim, dem ERC Ingolstadt und den Hamburg Freezers stehen drei Mannschaften an der Tabellenspitze der DEL, die man dort vor der Saison nicht unbedingt erwarten konnte.

"Es gab keinen Mann des Tages, sondern eine Mannschaft des Tages und das waren die Adler“ - diese Worte könnten brandaktuell sein, sind in der Tat aber ein Zitat vergangener Zeiten aus dem neuen Trailer der Mannheimer, untermalt mit Bildern aus dem ehrwürdigen Friedrichspark, in dem die Adler einst vier ihrer fünf DEL-Titel feierten. Die Verantwortlichen des Rekordmeisters scheinen den Geist vergangener Tage wiederaufleben lassen zu wollen.

Und auch wenn die 18. Spielzeit der DEL erst wenige Wochen alt ist, wandeln die Adler bereits auf alten Erfolgs-Pfaden. Dass die Mannheimer nach sieben Spielen mit vier Punkten Vorsprung die Tabelle anführen, ist dabei nicht einmal der alles entscheidende Punkt. Was die Anhänger in der Kurpfalz noch viel höher honorieren ist der Umstand, dass endlich wieder eine Mannschaft mit Charakter auf dem Eis steht. "Wir geben nie auf, jeder läuft und kämpft und gibt sein Bestes“, sagt Stürmer Christoph Ullmann, der nach einem Zwischenspiel in Köln zu dieser Saison nach Mannheim zurückgekehrt ist.

Spiele und Serien voller Leidenschaft

In den Jahren, in denen der Verein aus dem Südwesten der Republik das Geschehen in der DEL dominierte, zeichnete die Mannheimer Mannschaften neben den unzähligen Stars insbesondere eine Eigenschaft aus: die schier unendliche Charakterstärke. Doch die Tage, an denen im Friedrichspark Spiele und Serien voller Emotionen und Leidenschaft das Publikum begeisterten, waren längst vergessen.

Jahrelang wurde den Fans in der Quadratstadt eine Millionen-Truppe vor die Nase gesetzt, die zwar mit starken Einzelkönnern besetzt war, nie jedoch als Einheit zusammenhielt. Der Frust der Mannheimer Anhänger staute sich an und schlug sich in den Zuschauerzahlen nieder: Seit dem kurzen Zwischenhoch mit der Meisterschaft 2007 nahm der Zuspruch am Traditionsstandort kontinuierlich ab, fiel im Schnitt von über 12.000 auf knapp 9.500 Zuschauer in der vergangenen Saison. Zu den vier Heimspielen in dieser Spielzeit kamen im Mittel kaum mehr 8.000 Fans in die SAP-Arena, was zeigt: Es wird eine Weile dauern, bis die Adler die Stadt wieder auf ihrer Seite haben.

Auswahlkriterium: Charakter

"Das Wichtigste ist der Charakter“, so umschrieb Trainer Harold Kreis die Spielersuche im Sommer. Zusammen mit Sportdirektor Teal Fowler, stellte er eine Mannschaft zusammen, die den verspielten Kredit zurückgewinnen soll. Nach dem ersten Achtel der Saison fällt das Zwischenfazit mit sechs Siegen und einer Niederlage auch auf Grundlage fundamentaler Gesichtspunkte überaus zufriedenstellend aus.

Fast 600 Kilometer weiter nördlich ist die Stimmung ähnlich euphorisch. In Hamburg sind die Freezers auf die Erfolgsspur zurückkehrt. "Ja, wir spüren ein neues Freezers-Gefühl“, sagt Geschäftsführer Michael Pfad, der sichtlich erleichtert ist, dass die Hamburger nach Jahren des Grauens, in denen es nicht mal für die Pre-Playoffs reichte, endlich mal wieder eine Phase des Hochgefühls durchlaufen und sich momentan auf dem dritten Rang der Tabelle wiederfinden.

Anders als in Mannheim, fehlte es den Hamburger Mannschaften der letzten Jahre nicht nur an Kampfgeist und Siegeswillen - es fehlte schlichtweg an allem. Drei Hauptgründe macht der Freezers-Boss für den Umschwung verantwortlich: mannschaftliche Geschlossenheit, individuelle Klasse und den sicheren Rückhalt durch Schlussmann John Curry. "Das sind Dinge, die wir in der letzten Saison so nicht hatten."

Hamburger Aufschwung eine zarte Blüte

Das Vertrauen in die Freezers wächst. Die Stimmung in der o2-World wird von Spiel zu Spiel besser, die Medien sorgen mit Positiv-Berichterstattung für Publicity. Das Motto "der Norden sind wir" kommt gut an, die neue Bodenständigkeit überzeugt. Schon jetzt scheinen die Freezers so viel mehr richtig gemacht zu haben als in den vergangenen Jahren. Noch ist der Hamburger Aufschwung eine zarte Blüte. "Die Saison ist blutjung, wir müssen ruhig bleiben", sorgt Pfad für realistische Zurückhaltung.

"Die Freezers haben über Jahre die Arena leer gespielt, jetzt müssen wir sie wieder voll spielen. Das schafft man aber nicht in drei bis vier Spielen“, sagt Pfad und ist sich bewusst, dass der Weg zurück in die Gunst der Hamburger hart und steinig sein wird. Immerhin haben die Freezers ihren Zuschauerschnitt über die Jahre fast halbiert.

Alt, aber gut

Der sportliche Erfolg der Hamburger fußt auf der einheitlichen Mannschaftsleistung. "Die Chemie im Team stimmt", sagt Freezers-Trainer Benoit Laporte. Kollege Rich Chernomaz vom Tabellenzweiten aus Ingolstadt attestiert seiner Mannschaft Ähnliches. Auf die anfängliche Kritik, sein Team wäre zu alt, reagierte der Kanadier gelassen. "Es gibt nicht zu jung oder zu alt, es kommt auf den Charakter der Spieler an."

Und der stimmt, zumindest wenn es nach den bisherigen Auftritten geht. Erst am Montag drehten die Ingolstädter einen 1:3-Rückstand im Bayern-Derby gegen Augsburg und siegten im Penaltyschießen. Und das obwohl mit Thomas Greilinger, Jeremy Reich und Timmy Pettersson gleich drei wichtige Akteure verletzt passen mussten.

"Wir haben erfahrene Spieler, aber die Mannschaft ist nicht zu alt", konstatiert Nationalstürmer Greilinger, der kürzlich seinen Vertrag beim ERC bis 2015 verlängert hat. "Warum sollte ich gehen? Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt der 30-Jährige und kündigt zugleich sein Comeback an: "Am Freitag gegen Wolfsburg bin ich wieder dabei".

Noch einmal in Erinnerungen schwelgen

Für Mannheim und Hamburg steht vor dem nächsten DEL-Spiel ein Highlight an. Am Dienstagabend treten beide Teams in Freundschaftsspielen gegen Mannschaften aus der NHL an. Die Hamburger bekommen es mit Anschütz-Bruderclub Los Angeles zu tun, während in Mannheim die Buffalo Sabres um Nationalverteidiger Christian Ehrhoff gastieren.

Lokalmatador Jochen Hecht kann zwar auf Seiten der Sabres verletzungsbedingt nicht mitwirken, die Adler-Fans dürfen aber doch noch einmal in Erinnerungen schwelgen. Rene Corbet, langjähriger Kapitän, Idol des Clubs und einer der schillerndsten DEL-Profis, gibt sein Abschiedsspiel. Im ersten Drittel wird er ein letztes Mal im Trikot mit der 20 für die Adler auflaufen, ehe sein Jersey unters Hallendach gezogen und seine Nummer nie wieder vergeben wird. Danach gilt der Mannheimer Fokus wieder der Realität. Aber die ist momentan ja bekanntlich ähnlich schön wie die Vergangenheit.

Daniel Pietzker

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