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Erik Zabel: "Radsport macht mir noch viel Spaß"

Viele haben ihn schon abgeschrieben: Dass mit dem deutschen Sprintkönig Erik Zabel aber immer zu rechnen ist, zeigt sein zweiter Platz bei der dritten Tour-Etappe. Einen Sieg will er auf jeden Fall noch einmal einfahren.

Mit jedem Tritt entfernt sich Erik Zabel weiter von jenem «Schwarzen Samstag» im März in San Remo. Trotzdem verfolgt ihn das Trauma seines wegen verfrühten Jubels anfängerhaft verschenkten Sieges bei seinem Lieblingsrennen Mailand - San Remo, das er vier Mal gewann, weiter.

Ein Etappenerfolg bei der Tour de France wäre für den nach Siegen gerechnet erfolgreichsten Radprofi der Welt die richtige Medizin. "Ein Etappensieg bei der Tour ist etwas ganz Großes, etwas ganz besonderes, das hilft immer", sagte Zabel am 06. Juli , nachdem er auf dem Weg nach Wasquehal seine gesamte Paris-Roubaix-Erfahrung in die Waagschale geworfen hatte und seinen insgesamt 13. Etappensieg in Frankreich auf Rang zwei nur hauchdünn verfehlte.

An den Vortagen hatten seine Niederlagen auf den Plätzen sieben und neun deutlichere Züge. Rechtzeitg zu seinem 34. Geburtstag am 07. Juli ist die Tendenz steigend und das freut nicht nur den inzwischen auf Rang drei der Weltrangliste abgerutschten Berliner: "Ich bin keiner, der jetzt große Prognosen macht. Das überlasse ich anderen. Heute lief es schon eine Klasse besser als zu Beginn - das ist doch ein positives Zeichen. Natürlich mache ich mir Hoffnung auf einen Sieg, sonst wäre ich nicht hier", sagte Zabel in Wasquehal, wo ihn der Franzose Jean-Patrick Nazon um Reifenbreite bezwang.

Der Geburtstag war für Zabel in den vergangenen elf Jahren immer ein Arbeitstag bei der Tour und oft auch ein Freudentag. "1995 habe ich in Charleroi gewonnen, zwei- oder drei Mal war ich an diesem Tag schon Zweiter. Gestern hätte es kurz davor beinahe wieder geklappt", meinte Zabel, der in zwei großen Zeitungs-Interviews vor der Tour fast schon so etwas wie schwermütige Abschiedsstimmung verbreitet hatte: «Meine Grundstimmung ist überhaupt nicht traurig. Aber immer, wenn es bei mir nicht so läuft, werde ich seit drei Jahren nach meinem bevorstehenden Rücktritt gefragt. »

Mit einem Schuss Altersweisheit hält Zabel, seit Jahren Erfolgs-Garant und Zuverlässigkeit in Person, fest: «Der Radsport macht mir noch sehr viel Spaß, und darauf kommt es an. Meinen Rücktritt bestimme ich selber, und das kann noch dauern.»

Auch bei der Tour registrierte Zabel bei den Sprintern einen, wie er sagt «Generationen-Konflikt», der schon etwa zwei Jahre anhält. Allerdings kamen die «Jungen Wilden» Alessandro Petacchi aus Italien (in diesem Jahr neun Etappensiege beim Giro) und der Belgier Tom Boonen (zwei Etappensiege bei der Deutschland-Tour und Erster bei Gent-Wevelgem) überraschend noch nicht zum Zug. Stattdessen die eher betagteren Jaan Kirsipuu aus Estland und Robbie McEwen aus Australien. Die Entwicklung macht Zabel Mut, auch wenn er zuletzt bei der Spanien-Rundfahrt 2003 von der für Petacchi geleisteten Führungsarbeit des Fassa-Bortolo-Teams als Mitfahrer profitieren konnte. «Zwei Mal habe ich auch hier auf Petacchi gesetzt, aber das falsche Hinterrad erwischt, weil es bei ihm nicht so läuft.»

In den zu erwartenden Massensprints der kommenden Tage wird sich das Geburtstagskind umorientieren. Am Mittwoch brauchte er sich vor dem Mannschaftszeitfahren keine Gedanken um persönliche Erfolgserlebnisse zu machen und freute sich nach getaner Arbeit schon auf eine kleine Feier mit seiner Ehefrau Cordula. Auch Jan Ullrich hatte bei der Tour am Vortag Familien-Besuch von seiner einjährigen Tochter Sarah Maria und seiner Lebensgefährtin Gaby.

Andreas Zellmer, dpa / DPA

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