HOME

Pleite im WM-Halbfinale: Das schlechteste Spiel im wichtigsten Moment: Tränen und Frust bei Deutschlands Handballern

Die Enttäuschung ist riesengroß. Deutschlands Nationalmannschaft hat bei der WM im eigenen Land das Halbfinale deutlich mit 25:31 gegen Norwegen verloren. Anschließend war vor allem eines zu beobachten: Fassungslosigkeit.

Der Traum vom größtmöglichen Erfolg platzte um exakt 22 Uhr: Als der Norweger Bjarte Myrhol den Ball einmal mehr im Tor der deutschen Handballnationalmannschaft versenkte, stand es 25:29. 79 Sekunden vor dem Ende. Für einen kurzen Moment wurde es gespenstisch still in der Hamburger Barclaycard Arena, die knapp zwei Stunden lang von einem Höllenlärm beschallt worden war. Schluss, aus, vorbei. Deutschland wird nicht Weltmeister.

61 Minuten später, um 23.01 Uhr, war es Uwe Gensheimer, der als letzter der geschlagenen Helden die Mixed Zone verließ. Er erfüllte noch zwei Autogrammwünsche von jungen Fans, die sich irgendwie in die Pressezone gemogelt hatten, dann verschwand auch er. Unermüdlich und tapfer hatte der Kapitän nach der Partie Rede und Antwort gestanden. Und immer und immer wieder versuchte er zu erklären, warum Deutschland das Halbfinale verloren hatte. Kai Häfner, sein Teamkollege, machte es kurz: "Man kann die Begegnungen ja schlecht vergleichen, weil's unterschiedliche Gegner waren. Aber vermutlich war das heute einfach unser schlechtestes Spiel dieses Turniers. Und dann scheidest du eben aus", sagte er dem stern.

Sander Sagosen besiegt Deutschland fast im Alleingang

Die Enttäuschung war in den Interviews nach dem Spiel nicht nur zu hören, sie war auch in den Gesichtern abzulesen. In der Halle kämpften einige Spieler mit den Tränen, während die Norweger um den in Weltklassemanier aufspielenden 23-jährigen Sander Sagosen (sechs Tore, zehn Vorbereitungen) den Einzug ins Finale bejubelten. Dort treffen sie auf Co-Gastgeber Dänemark, das das erschreckend schwache französische Team im anderen Halbfinale mit 38:30 zerpflückte.

Unumstritten ist: Die Norweger haben die Partie hochverdient gewonnen, weil sie im Gegensatz zum Gastgeber eine konzentrierte, nahezu fehlerfreie Leistung auf die Platte zauberten. Die deutsche Nationalmannschaft fand mit mageren 14 Toren aus dem Rückraum nie zu ihrem Offensivspiel, während in der Defensive Lücken klafften, die nicht klaffen dürfen, wenn man ein WM-Finale erreichen möchte. "Wir hatten uns vorgenommen, bei diesem Turnier die beste Abwehr der Welt zu stellen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning nach der Partie. Und stellte fest: "Das haben wir heute nicht geschafft."

Abwehr-Leader Patrick Wienczek pflichtete ihm bei: "Es gibt Spiele, da klappt einfach nichts so richtig. Dass das ausgerechnet heute passiert ist, ist natürlich enttäuschend." Rechtsaußen Patrick Groetzki formulierte es ähnlich: "Das ist einfach nur grausam."

"Ich glaube, wir können stolz sein"

Bundestrainer Christian Prokop war trotz des Frusts bemüht, die Spieler wieder aufzurichten. "Ich glaube, wir können stolz sein auf unsere Leistung", sagte er. Bis Sonntag sollte die Partie möglichst abgehakt sein – dann geht's im dänischen Herning gegen Frankreich immerhin noch um Bronze. "Das Ding ist schon noch wichtig", sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher. In die gleiche Kerbe schlug Häfner: "Mit leeren Händen wollen wir nach diesem tollen Turnier echt nicht dastehen."

Als sich Mitternacht näherte, stiegen die deutschen Handballer dann in ihren Mannschaftsbus. Sie hatten noch eine vierstündige Fahrt vor sich, weil sie noch in der Nacht in Dänemark ankommen sollten. Nach Handballfesten in Berlin und Köln verließen sie Hamburg enttäuscht. Mit ein wenig Abstand werden sie sich über die Nacht in Hamburg dann aber doch hoffentlich noch freuen können. Immerhin stand die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale einer Weltmeisterschaft. 2009,  2011, 2013,  2015 und 2017 war ihr das nicht gelungen. 2019 war deshalb schon jetzt ein erfolgreiches Turnier. Auch wenn das am Samstagabend noch keiner wirklich hören wollte. 

Farid Bang und Mario Götze: Neues Video zum "Gurken-Diss"

Wissenscommunity