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Klitschko-Kampf: 265 Sekunden für den "Rainman"

Der US-Amerikaner Ray Austin trägt den malerischen Kampfnamen "Rainman" und bei dem WM-Kampf gegen den Ukrainer Wladimir Klitschko in Mannheim regnete es tatsächlich Schläge - aber lange dauerte der Schauer nicht.

Von Nico Stankewitz

Ray Austin hatte im Vorfeld dieser Pflichtverteidigung am Samstagabend getönt, er werde einen K.o.-Sieg gegen den Weltmeister landen, aber im Ring zeigte der Mann aus den Slums von Cleveland rein gar nichts. Der Herausforderer aus dem Box-Imperium von Don King stellte keine ernsthafte Aufgabe für Klitschko dar, der nach vier schweren Treffern durch K.o. in der zweiten Runde siegte.

Becher fliegen - Publikum fühlt sich verschaukelt

Im 51. Kampf seiner Profikarriere gelang Wladimir Klitschko damit der 48. Sieg. Der Titelverteidiger war dabei seinem Konkurrenten in jeder Beziehung überlegen, überzeugte nicht nur mit seiner überragenden Schlagtechnik, sondern wirkte auch sehr beweglich und leichtfüßig. Austin hatte insbesondere dem tödlichen linken Haken des ukrainischen Weltmeisters nichts entgegenzusetzen. Klitschko musste nicht einen einzigen Treffer hinnehmen und kontrollierte seinen Gegner schon in der ersten Runde nach Belieben.

Eine Minute und 25 Sekunden waren in der zweiten Runde geboxt , als der "Rainman" schwer geschlagen zu Boden ging. Wladimir Klitschko bot eine erstklassige Leistung, aber brauchte sie nur, um damit einen zweitklassigen Mann zu schlagen. Die Enttäuschung über die dürftige Leistung von Austin brach sich dann auch schnell Bahn.

"Projekt Klitschko" stehen jetzt alle Türen offen

Das Publikum reagierte äußerst unwirsch auf das plötzliche und frühe Ende des Kampfes, nach den (wenigen) Schlägen von Klitschko prasselte auch noch ein Regen von Bierbechern auf den Amerikaner ein, der immerhin in dieser Beziehung seinem Kampfnamen noch Ehre machen konnte. 15.000 Zuschauer in Mannheim waren von der Länge und Qualität des Kampfes restlos enttäuscht, bei der nicht unerheblichen Höhe der Eintrittspreise eine durchaus verständliche Reaktion. Auch die versammelte Garde der von RTL geladenen A- und B-Prominenten (Beckenbauer, Becker, Ferch, Witt, Pooth) zeigte sich nicht begeistert von der Länge des Schlagabtausches.

Für Wladimir Klitschko stehen nach diesem überzeugenden Kampf endgültig alle Türen offen. Kaum jemand bezweifelt noch, das der Ukrainer im Moment der stärkste Schwergewichts-Boxer der Welt ist, möglicherweise der einzige, der in den kommenden Jahren alle WM-Titel wieder vereinigen könnte.

Das Mega-Projekt des Klitschko-Clans schließt allerdings Bruder Vitali ein, der in diesem Sommer seine Rückkehr in den Ring feiern soll, das Nahziel lautet, zunächst beide Brüder gleichzeitig als Weltmeister zu inthronisieren. Danach sollen alle Gürtel der vier großen Verbände in den Familienbesitz der Klitschkos übergehen - in welcher Verteilung auch immer.

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